Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Russland startet Luftangriffe in Syrien
International 3 Min. 30.09.2015 Aus unserem online-Archiv
Kampf gegen Terrormiliz IS

Russland startet Luftangriffe in Syrien

Die Intervention in den Syrienkonflikt bezeichnet Putin als den „einzigen Weg im Kampf gegen den internationalen Terrorismus“.
Kampf gegen Terrormiliz IS

Russland startet Luftangriffe in Syrien

Die Intervention in den Syrienkonflikt bezeichnet Putin als den „einzigen Weg im Kampf gegen den internationalen Terrorismus“.
REUTERS
International 3 Min. 30.09.2015 Aus unserem online-Archiv
Kampf gegen Terrormiliz IS

Russland startet Luftangriffe in Syrien

Der syrische Diktator Assad erhält militärische Unterstützung aus Russland. Der Verbündete hat am Mittwoch mit Luftangriffen in Syrien gegen die Terrormiliz Islamischer Start begonnen.

(dpa) - Russland hat erstmals militärisch in den Bürgerkrieg in Syrien eingegriffen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau wurden am Mittwoch mit 20 Luftangriffen acht Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beschossen.

Die syrische Führung begrüßte das russische Engagement. Doch international gab es Sorgen, dass auch Ziele außerhalb der vom IS kontrollierten Gebiete bombardiert wurden - in Gebieten von Regierungsgegnern, die teils den USA nahestehen. Russland hingegen setzt zur Befriedung des Landes auf eine Lösung unter Einbindung der Führung um Präsident Baschar al-Assad.

Die Regierung in Moskau ist einer der letzten Verbündeten Assads. Der Westen fürchtet, dass Assad eine Intervention seines Partners zum Kampf gegen die Opposition und die Zivilbevölkerung nutzen könnte.

Dem russischen Generalmajor Igor Konaschenkow zufolge wurden IS-Munitionsdepots und -Treibstofflager sowie Kommandostellen im Gebirge vollständig zerstört. „Alle Attacken wurden nach den Daten der syrischen Armee durchgeführt“, sagte er nach einer Meldung der Agentur Interfax. Ziele in der Nähe von „zivilen Objekten“ seien nicht angegriffen worden. Das Verteidigungsministerium veröffentlichte Videobilder des Einsatzes.

Mindestens 27 Menschen starben

Syrischen Aktivisten zufolge attackierten die Kampfflugzeuge Orte nördlich von Homs, die von gemäßigten Rebellen gehalten werden. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, die bombardierten Gebiete stünden nicht unter IS-Kontrolle, sondern würden von gemäßigten Rebellen gehalten, die ein demokratisches Syrien aufbauen wollten.

Nach Angaben der Aktivisten gibt es in der angegriffenen Region auch Stellungen der Nusra-Front, des syrischen Ablegers des Terrornetzwerks Al-Kaida, sowie der radikal-islamischen Gruppe Ahrar al-Scham. Russland sei durch die Angriffe zum Partner des Regimes bei der Tötung des syrischen Volkes geworden, erklärten die Menschenrechtler. Der Gruppe zufolge starben bei den Angriffen mindestens 27 Menschen.

Es scheint, dass sie in Gegenden waren, wo vermutlich keine IS-Kräfte waren.

US-Verteidigungsminister Ash Carter sagte zu den russischen Angriffen: „Es scheint, dass sie in Gegenden waren, wo vermutlich keine IS-Kräfte waren.“ Russlands erklärter Kampf gegen den IS und die gleichzeitige Unterstützung Assads drohe die Lage eskalieren zu lassen. Russland „gießt Öl ins Feuer“, sagte Carter.

Putin rechtfertigt militärische Intervention

Russlands Präsident Wladimir Putin nannte die Intervention seines Landes den „einzigen Weg im Kampf gegen den internationalen Terrorismus“. Russland werde die syrische Armee so lange unterstützen, bis diese ihren Kampf beendet habe. Er rechne mit Assads „Kompromissbereitschaft“ bei der Beilegung der Krise. Russland betreibt in Syriens Hafenstadt Tartus eine Militärbasis.

Der Föderationsrat in Moskau hatte Putin am Morgen einstimmig den Einsatz von Soldaten in Syrien erlaubt. Assad habe Russland um Militärhilfe gebeten, sagte der Chef der Präsidialverwaltung, Sergej Iwanow. Der Einsatz von Bodentruppen sei aber „ausgeschlossen“. Zuletzt hatte sich Oberbefehlshaber Putin während der Krim-Krise 2014 eine Erlaubnis des Föderationsrats erteilen lassen. Sie galt damals für einen möglichen Militäreinsatz in der Ukraine.

Mit der Billigung der Intervention knüpft Putin an seine Rede bei den Vereinten Nationen am Montag an, in der er einen gemeinsamen Kampf gegen den IS gefordert hatte. In New York hatte er auch mit US-Präsident Barack Obama gesprochen. Putin schlägt eine Allianz vor, an der sich auch die Armee des syrischen Regimes beteiligen soll. Obama sieht aber die Zukunft des kriegsgeplagten Landes nach einer Übergangszeit ausschließlich ohne Assad, den er in seiner Rede bei der UN-Vollversammlung als „Tyrannen“ bezeichnet hatte.

Mehr zum Thema:

Treffen von Obama und Putin: Annäherung in Trippelschritten

UN-Vollversammlung: Obama und Putin uneins über Syrien

Pourquoi la Russie intervient en Syrie: Traquer les Tchétchènes jusque dans les toilettes


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Die USA, Frankreich und Großbritannien haben der syrischen Führung ein klares Signal gesendet: Stoppt den Einsatz von Chemiewaffen oder rechnet mit Militärschlägen. Russland verurteilt den Angriff, Assad tut, als sei nichts gewesen.
Drei Ziele waren am Samstag angegriffen worden.
Was folgt auf Trumps Angriff in Syrien? Die Regierung in Washington behält sich weitere Optionen vor. Über die Wirkung des ersten US-Einsatzes gibt es ganz unterschiedliche Darstellungen.
TOPSHOT - US President Donald Trump delivers a statement on Syria from the Mar-a-Lago estate in West Palm Beach, Florida, on April 6, 2017.
Trump ordered a massive military strike against a Syria Thursday in retaliation for a chemical weapons attack they blame on President Bashar al-Assad. A US official said 59 precision guided missiles hit Shayrat Airfield in Syria, where Washington believes Tuesday's deadly attack was launched.
 / AFP PHOTO / JIM WATSON
Russland und der Iran haben den US-Angriff auf einen syrischen Militärflugplatz scharf kritisiert. Zustimmung kommt aus Großbritannien und aus Saudi-Arabien - einem langjährigen Gegner von Syriens Präsident Al-Assad
Wladimir Putin spricht im Zusammenhang mit dem Raketenangriff von einem "erdachten Vorwand".
Gut anderthalb Stunden dauerte das Treffen zwischen dem US-Präsidenten Obama und seinem russischen Kollegen Putin am Rande der UN-Vollversammlung in New York. Beim Thema Syrien gibt es weiterhin keine Annäherung.
Putin und Obama sprachen erstmals seit langer Zeit wieder miteinander.
US-Präsident Barack Obama und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin haben sich am Dienstag vor der UN-Vollversammlung zum Bürgerkrieg in Syrien geäußert. Ihre Positionen lagen wie gehabt weit auseinander.
US-Präsident Barack Obama ist der Ansicht, dass Syrien ein neues Oberhaupt braucht.