Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Russland meldet Einnahme von Lyssytschansk
International 3 Min. 03.07.2022
Krieg in der Ukraine

Russland meldet Einnahme von Lyssytschansk

Bereits seit Tagen kämpfen ukrainische und russische Truppen erbittert um die Kontrolle der Trasse von Lyssytschansk nach Bachmut.
Krieg in der Ukraine

Russland meldet Einnahme von Lyssytschansk

Bereits seit Tagen kämpfen ukrainische und russische Truppen erbittert um die Kontrolle der Trasse von Lyssytschansk nach Bachmut.
Foto: AFP
International 3 Min. 03.07.2022
Krieg in der Ukraine

Russland meldet Einnahme von Lyssytschansk

DPA
DPA
Hat Russland im Osten der Ukraine die Kontrolle über das gesamte Gebiet Luhansk übernommen? Kiew widerspricht der Meldung.

Im Osten der Ukraine sind die russischen Truppen nach mehr als vier Monaten Krieg weiter auf dem Vormarsch. Verteidigungsminister Sergej Schoigu meldete Kremlchef Wladimir Putin am Sonntag, dass nun auch die einstige Großstadt Lyssytschansk eingenommen worden sei. Damit hätte Russland die letzte ukrainische Bastion im Gebiet Luhansk erobert. 

Berichte lassen sich schwer überprüfen

Kiew bestritt, dass Lyssytschansk gefallen sei, gab aber Schwierigkeiten zu. Von unabhängiger Seite lassen sich die Berichte aus den Kampfgebieten kaum überprüfen. An diesem Montag beginnt in der Schweiz eine internationale Konferenz, in der es um den Wiederaufbau der Ukraine gehen soll.


Ukrainian President Volodymyr Zelensky (R) and Prime Minister of Luxembourg Xavier Bettel give a press-conference following their talks in Kyiv on June 21, 2022. (Photo by Sergei SUPINSKY / AFP)
Bettel in der Ukraine: „Das lässt niemanden unberührt“
Beim Kurzbesuch in Kiew bekräftigt Premier Bettel Luxemburgs Unterstützung für eine EU-Perspektive der Ukraine.

Falls sich die russischen Behauptungen bestätigen, wäre dies für Putin ein wichtiger Erfolg. Lyssytschansk war in den vergangenen Tagen der letzte große Ort, den die ukrainischen Truppen im Gebiet Luhansk noch hielten. Dessen Eroberung gehört zu den von Russland benannten Kriegszielen. 

In der letzten Juni-Woche hatte das ukrainische Militär die Großstadt Sjewjerodonezk aufgeben müssen, die von Lyssytschank nur durch einen Fluss getrennt ist. Vor dem Krieg, den Russland Ende Februar begonnen hatte, lebten in dem Ballungsraum etwa 380.000 Menschen.

Für Ukrainer hat der Wert menschlichen Lebens oberste Priorität. 

Ein Sprecher des ukrainischen Verteidigungsministeriums

In der Mitteilung des russischen Verteidigungsministers hieß es nun: „Durch erfolgreiche Kampfhandlungen der russischen Streitkräfte zusammen mit den Einheiten der Luhansker Volksrepublik wurde die völlige Kontrolle über die Stadt Lyssytschansk und eine Reihe der nächstgelegenen Ortschaften hergestellt.“ 

Ein Sprecher des ukrainischen Verteidigungsministeriums bezeichnete dies in der BBC als unwahr. Russische Truppen griffen jedoch permanent an. „Für Ukrainer hat der Wert menschlichen Lebens oberste Priorität“, sagte der Sprecher. „Deshalb könnten wir uns manchmal aus gewissen Gebieten zurückziehen, um sie in der Zukunft zurückzuerobern.“

Ukraine: Russland setzte verbotene Streumunition ein

Bei Raketenangriffen auf die Stadt Slowjansk im Osten des Landes soll Russland nach ukrainischen Angaben verbotene Streumunition eingesetzt haben. Bürgermeister Wadym Ljach sprach von vielen Toten und Verletzten sowie den „schwersten Angriffen in jüngster Zeit“, nannte aber keine genaue Opferzahl. Dabei seien auch zivile Bereiche getroffen worden. Als Streumunition werden Raketen und Bomben bezeichnet, die in der Luft über dem Ziel bersten und viele kleine Sprengkörper freisetzen. Ihr Einsatz ist völkerrechtlich geächtet.


Chisnau
Die Flaggen der EU und der Republik Moldau wehen vor dem Regierungsgebäude im Zentrum der Hauptstadt Chisinau.
Foto: Matthias Schumann/ copyright
foto@matthias-schumann.com                                  mobil: +49 179 5420175
Wenn Hoffnung und Ungewissheit Hand in Hand gehen
In Moldau wird mit sehr gemischten Gefühlen beobachtet, was sich in der Ukraine zuträgt. Groß ist die Angst, selbst zum Ziel Russlands zu werden.

Die Ukraine beschuldigte Russland auch, über der inzwischen geräumten Schlangeninsel im Schwarzen Meer Phosphorbomben abgeworfen zu haben. Solche Bomben, die schwere Verbrennungen und Vergiftungen verursachen können, sind nicht explizit verboten. Allerdings ist ihr Einsatz gegen Zivilisten und in städtischen Gebieten geächtet. Moskau äußerte sich zu diesen Vorwürfen nicht.

Explosionen in südukrainischer Stadt Melitopol

Auch in anderen Teilen der Ukraine gingen die Kämpfe am Wochenende weiter. Die von russischen Truppen besetzte Großstadt Melitopol im Süden wurde in der Nacht zum Sonntag von Dutzenden Explosionen erschüttert. Mehr als 30 Geschosse seien auf einen der vier russischen Militärstützpunkte in der Stadt abgefeuert worden, teilte der ukrainische Bürgermeister Iwan Fjodorow mit. Der Stützpunkt sei damit außer Gefecht gesetzt worden. Die russische Militärverwaltung bestätigte den Angriff. Mehrere Wohnhäuser seien durch den Beschuss mit Raketenwerfern beschädigt worden.


23.06.2022, Belgien, Brüssel: Ukrainer halten eine Kundgebung vor dem Sitz des Europäischen Rates ab. Die Demonstranten fordern der der Ukraine den Beitritt zur EU zu gewähren. Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union diskutieren bei ihrem Gipfel in Brüssel auch über den EU-Beitrittsantrag der Ukraine. Foto: Wiktor Dabkowski/ZUMA Press Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Den Worten müssen auch Taten folgen
Der EU-Beitrittskandidatenstatus ist nur der erste Schritt für die Ukraine und Moldau. Viele weitere müssen folgen. Ein Kommentar.

Der deutsche Kanzler Olaf Scholz (SPD) versicherte der Ukraine in einem Online-Interview der ARD abermals deutsche Unterstützung „so lange, wie das erforderlich ist“. Zugleich bekräftigte er: „Eine bedingungslose Kapitulation ist nicht akzeptabel, auch kein Diktatfrieden, wie ihn sich Putin vorstellt.“ Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach sich dagegen aus, die Ukraine jetzt zu Verhandlungen zu drängen. „Wir müssen die Ukraine in eine Lage versetzen, in der sie etwas zu verhandeln hat, indem wir sie stark machen, bevor Verhandlungen beginnen“, sagte Steinmeier im ZDF.

Der Kreml sieht in solchen Äußerungen ein Bestreben des Westens, den Krieg in die Länge zu ziehen. „Jetzt ist der Moment, wo die westlichen Länder alles auf eine Fortsetzung des Kriegs setzen“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow.

Das wird am Montag wichtig

Angesichts der massiven Kriegsschäden wollen 40 potenzielle Geberländer zu einer Wiederaufbau-Konferenz im schweizerischen Lugano zusammenkommen. Die Regierung von Präsident Wolodymyr Selenskyj will dabei ihre Prioritäten vorstellen. „Es ist notwendig, nicht nur alles zu reparieren, was die Besatzer zerstört haben, sondern auch eine neue Grundlage für unser Leben zu schaffen - sicher, modern, komfortabel, barrierefrei“, sagte Selenskyj in einer Videobotschaft. Um die Ukraine soll es am Abend auch bei einem Treffen von Deutschlands Kanzler Olaf Scholz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in Paris gehen.

Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Armeeminister François Bausch bezeichnet die Beschlüsse des NATO-Gipfels als klare Signale an Russland. „Immens froh“ zeigt sich der Grünen-Minister über einen Punkt in der neuen Strategie.
François Bausch: Die nächsten Wochen sind entscheidend für die Verteidigung der Ukraine.
Gipfeltreffen in Madrid
Auf dem NATO-Gipfeltreffen am Mittwoch und Donnerstag in Madrid müssen die Alliierten Strategien für heiße Kriegszeiten definieren.
NATO Secretary General Jens Stoltenberg gestures as he speaks during a press conference to preview the NATO Summit in Madrid at the NATO headquarters in Brussels on June 27, 2022. (Photo by Kenzo TRIBOUILLARD / AFP)
Abschluss des G7-Gipfels
Die G7 hätten auch ohne Russlands Präsident Wladimir Putin genug Probleme – aber ein bisschen hilft er ihnen sogar.
dpatopbilder - 28.06.2022, Bayern, Elmau: US-Präsident Joe Biden, Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, Fumio Kishida, Premierminister von Japan, Ursula von der Leyen, EU- Kommissionspräsidentin, Charles Michel, EU- Ratspräsident, Mario Draghi, Premierminister von Italien, Justin Trudeau, Premierminister von Kanada, Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD),am letzten Tag des dreitägigen G7-Gipfel. Zum Abschluss des Gipfels wird es um die neue Weltordnung nach dem russischen Angriff auf die Ukraine und um das Thema Digitalisierung gehen. Foto: Michael Kappeler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Der EU-Beitrittskandidatenstatus ist nur der erste Schritt für die Ukraine und Moldau. Viele weitere müssen folgen. Ein Kommentar.
23.06.2022, Belgien, Brüssel: Ukrainer halten eine Kundgebung vor dem Sitz des Europäischen Rates ab. Die Demonstranten fordern der der Ukraine den Beitritt zur EU zu gewähren. Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union diskutieren bei ihrem Gipfel in Brüssel auch über den EU-Beitrittsantrag der Ukraine. Foto: Wiktor Dabkowski/ZUMA Press Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++