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Was der neue Waffendeal zwischen Moskau und Teheran bedeutet
International 3 Min. 17.01.2023
Iran

Was der neue Waffendeal zwischen Moskau und Teheran bedeutet

Das Archivfoto aus dem Jahr 2016 zeigt einen russischen Suchoi-Kampfbomber beim Auftanken.
Iran

Was der neue Waffendeal zwischen Moskau und Teheran bedeutet

Das Archivfoto aus dem Jahr 2016 zeigt einen russischen Suchoi-Kampfbomber beim Auftanken.
Foto: LW-Archiv
International 3 Min. 17.01.2023
Iran

Was der neue Waffendeal zwischen Moskau und Teheran bedeutet

Ein russisch-iranischer Rüstungsdeal erhöht die militärische Schlagkraft der Islamischen Republik und vergrößert die Sorgen der Ukraine.

Von Michael Wrase

Nun ist es offiziell: Iran wird zu Beginn des persischen neuen Jahres, also Ende März, mindestens 24 Kampfflugzeuge vom Typ Suchoi SU-35S erhalten. Dies verkündete der iranische Parlamentsabgeordnete Shahriar Heidari am Wochenende vor lokalen Journalisten. Nach westlichen Geheimdiensterkenntnissen stehen die hochmodernen Jets versandfertig im russischen Flugzeugwerk Komsomolsk am Amur. Sie waren ursprünglich für Ägypten produziert worden. Die Nilrepublik musste jedoch von dem Vertrag zurücktreten, nachdem die USA mit Sanktionen gedroht hatten.

Für die iranische Luftwaffe würde die Lieferung der SU-35S einen Quantensprung bedeuten.

Für die iranische Luftwaffe würde die Lieferung der SU-35S einen Quantensprung bedeuten. Aufgrund internationaler Sanktionen muss das Land bis heute die noch zu Schah-Zeiten, also vor über 40 Jahren, gelieferten amerikanischen F-4 (Phantom) und F-14 (Tomcat) einsetzen. Mit den neuen Kampfflugzeugen wäre Iran vermutlich in der Lage, sich gegen die von den USA ausgerüstete saudische Luftwaffe behaupten. Auch für Israel sowie die am Persischen Golf stationierte US-Luftwaffe stellen die SU-35S, die im zentraliranischen Isfahan stationiert werden sollen, eine ernste Herausforderung dar. 

Nicht der erste Deal

Jahrelang hatte Russland mit der Lieferung hochmoderner Kampfflugzeuge an Iran gezögert. Aufgegeben wurde die Zurückhaltung erst nach dem Beginn der Ukraine-Invasion, welche die eklatanten Schwächen der russischen Armee offenbarte. Dass Moskau plötzlich auf die Lieferung von iranischen Drohnen angewiesen war, sich de facto in iranische Abhängigkeit begab, ist bei näherer Betrachtung nichts anderes als ein Armutszeugnis.


-- AFP PICTURES OF THE YEAR 2022 --

A protester holds a portrait of Mahsa Amini  during a demonstration in support of Amini, a young Iranian woman who died after being arrested in Tehran by the Islamic Republic's morality police, on Istiklal avenue in Istanbul on September 20, 2022. - Amini, 22, was on a visit with her family to the Iranian capital when she was detained on September 13 by the police unit responsible for enforcing Iran's strict dress code for women, including the wearing of the headscarf in public. She was declared dead on September 16 by state television after having spent three days in a coma. (Photo by Ozan KOSE / AFP) / AFP PICTURES OF THE YEAR 2022
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Dass die Iraner die russische Schwäche ausnutzen, kann ihnen vermutlich nicht vorgeworfen werden. Weiteres Kriegsmaterial, lautete fortan die Ansage aus Teheran, werdet Ihr (Russen) nur dann erhalten, wenn die SU-35S-Kampfflugzeuge geliefert werden. Wirklich perfekt, spekulierte die „Washington Post“, war der Deal aber erst, nachdem Iran Moskau die Lieferung von ballistischen Raketen aus eigener Herstellung zugesagt hatte, um die sich langsam leerenden eigenen Arsenale wieder aufzufüllen. 

Iran ist einer der wichtigsten Waffenlieferanten im Nahen Osten.

Iran ist einer der wichtigsten Waffenlieferanten im Nahen Osten. Das internationale Handelsembargo für Raketentechnologie hat die Entwicklung von modernen Rüstungsgütern nicht behindert, sondern in Wirklichkeit beschleunigt. Iranische Raketen haben eine Reichweite von bis zu 2.000 Kilometern. Für Aufmerksamkeit sorgten vor allem die Raketen Fateh-110 und Zolfaghar, welche die Huthis auf saudische Ölfelder und Raffinerien abfeuerten und iranische Revolutionsgardisten gegen US-Ziele im Irak und Syrien einsetzten.


(FILES) This file handout photo provided by Iran's Revolutionary Guard Corps (IRGC) official website via SEPAH News on May 22, 2021 shows new combat drones dubbed "Gaza" in tribute to Palestinians, unvailed in the capital Tehran, hours after a ceasefire between Israel and Palestinian armed factions took effect. - Iran is planning to supply hundreds of drones with combat weapon capabilities to Russia for use in Ukraine, a top US official said on July 11, 2022. Jake Sullivan, the White House national security advisor, said the information received by the United States supported views that the Russian military is facing challenges sustaining its weaponry after significant losses in Ukraine. (Photo by SEPAH NEWS / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO / Iran's Revolutionary Guard via SEPAH NEWS" - NO MARKETING - NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS
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„Erhebliche Bedrohung“ für die Ukraine

Der relative „Erfolg“ dieser Lenkwaffen machte sie auch für Russland interessant. Er gehe davon aus, dass iranische Fateh-110 und Zolfaghar bereits in russischen Silos lagern, glaubt der für die Münchner Beratungsfirma ST Analytics arbeitende Rüstungsexperte Markus Schiller. Die Feststoffraketen seien verhältnismäßig leicht zu handhaben, da sie nicht im Gelände aufgetankt werden müssten.

Ob die iranischen Lenkwaffen bereits gegen Ziele in der Ukraine eingesetzt worden sind, ist unklar. Für das osteuropäische Land stellten sie aber „eine erhebliche Bedrohung“ dar, betont Schiller. Da die Lenkung dieser ballistischen Waffen inzwischen „beeindruckend gut“ sei, könnte jeder Winkel der Ukraine durch sie zum Ziel werden.


-- AFP PICTURES OF THE YEAR 2022 --

A protester holds a portrait of Mahsa Amini  during a demonstration in support of Amini, a young Iranian woman who died after being arrested in Tehran by the Islamic Republic's morality police, on Istiklal avenue in Istanbul on September 20, 2022. - Amini, 22, was on a visit with her family to the Iranian capital when she was detained on September 13 by the police unit responsible for enforcing Iran's strict dress code for women, including the wearing of the headscarf in public. She was declared dead on September 16 by state television after having spent three days in a coma. (Photo by Ozan KOSE / AFP) / AFP PICTURES OF THE YEAR 2022
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Ein Abschuss der iranischen Raketen durch die ukrainische Luftabwehr sei überdies schwierig, weil sie im Gegenzug zu den niedrig fliegenden russischen Marschflugkörpern „sehr schnell und im steilen Winkel einschlagen“ würden, befürchtet der Militärexperte Gustav Gressel vom European Council of Foreign Relations. Ihr Einsatz würde den Russen zwar kaum neue militärische Fähigkeiten verleihen. Im Abnutzungskrieg gegen die zivile Infrastruktur in der Ukraine würden sie ihre Wirkung aber nicht verfehlen.

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