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Russischer Oppositioneller in Flugzeug festgenommen
International 2 Min. 01.06.2021

Russischer Oppositioneller in Flugzeug festgenommen

Andrej Piwowarow hatte bis vor kurzem die kremlkritische Organisation „Offenes Russland“ geleitet.

Russischer Oppositioneller in Flugzeug festgenommen

Andrej Piwowarow hatte bis vor kurzem die kremlkritische Organisation „Offenes Russland“ geleitet.
Foto: dpa
International 2 Min. 01.06.2021

Russischer Oppositioneller in Flugzeug festgenommen

Eine Woche nach der erzwungenen Landung in Belarus wird auch in Russland ein Regierungskritiker festgenommen - allerdings noch vor dem Start.

(dpa) - Der prominente russische Oppositionspolitiker Andrej Piwowarow ist bei der versuchten Ausreise nach Polen an Bord eines Flugzeugs festgenommen worden. Polizisten hätten die bereits rollende Maschine am Montagabend in St. Petersburg gestoppt, schrieb Piwowarow in seinem Telegram-Kanal. Die zuständige Ermittlungsbehörde erklärte am Dienstag, dem 39-Jährigen werde die Beteiligung an einer in Russland „unerwünschten Organisation“ vorgeworfen. Ihm drohen damit bis zu sechs Jahre Freiheitsentzug.

Piwowarow hatte bis vor kurzem die kremlkritische Organisation „Offenes Russland“ geleitet. Vor wenigen Tagen wurde die von dem im Ausland lebenden Kremlgegner Michail Chodorkowski unterstützte Gruppe in Russland zur „unerwünschten Organisation“ erklärt und damit faktisch verboten. Unter dem staatlichen Druck hatte Piwowarow daraufhin die Auflösung bekannt gegeben.


23.05.2021, Ukraine, Kiew: Demonstranten fordern vor dem ukrainischen Außenministerium in Kiew die Freilassung des in Weißrussland verhafteten weißrussischen Journalisten und Oppositionsaktivisten Roman Protassewitsch. Die Behörden im autoritär regierten Belarus hatten ein Flugzeug auf dem Weg von Athen nach Vilnius umgeleitet und in der Hauptstadt Minsk zur Landung gezwungen. Der vom belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko international gesuchte Blogger Protassewitsch wurde nach Angaben des Menschenrechtszentrums Wesna am 23.05.2021 in Minsk festgenommen. Foto: -/Ukrinform/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
EU straft Belarus nach erzwungener Landung mit Flugverbot ab
Dies ist Teil eines neuen Sanktionspakets gegen Belarus, auf das sich die 27 Staaten beim EU-Sondergipfel in Brüssel einigten.

Dass er nun trotzdem festgenommen wurde, bezeichnete er als „völlige Gesetzlosigkeit“. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach von einer „Hexenjagd“ gegen „Offenes Russland“ und forderte die sofortige Freilassung Piwowarows. Der Sprecher des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell sprach von einem „fortschreitenden Muster schrumpfenden Platzes für Zivilgesellschaft, Opposition und kritische Stimmen“ in Russland. Auch die EU fordere die Freilassung Piwowarows.

Der Politiker wurde am Dienstag in die Stadt Krasnodar etwa 1200 Kilometer südlich von Moskau gebracht. Piwowarows Anwältin erklärte die Verlegung mit mehreren Facebook-Beiträgen, die ihr Mandant vor rund einem Jahr von Krasnodar aus veröffentlicht habe. In einem von ihnen habe er sich etwa mit einer von der russischen Justiz verfolgten Oppositionspolitikerin solidarisiert.

Weitere Verhaftung in Moskau

Am Dienstagabend wurde außerdem der Moskauer Oppositionelle Dmitri Gudkow festgenommen. Zuvor hatte er schon von der Durchsuchung seiner Datscha berichtet. Auch die Wohnung eines Mitarbeiters sei durchsucht worden.

Vor rund einer Woche hatte sich die Konfrontation zwischen Russlands Nachbarland Belarus und der EU zugespitzt, nachdem der autoritäre Machthaber Alexander Lukaschenko ein Passagierflugzeug zur Landung gezwungen hatte, um einen seiner Gegner festnehmen zu lassen. Roman Protassewitsch und seine russische Freundin Sofia Sapega sitzen seitdem in Haft. Die EU und die USA erließen daraufhin Sanktionen gegen Belarus.


Die Besatzung des Flugzeuges war von belarussischer Seite über eine mögliche Sicherheitsbedrohung an Bord informiert und angewiesen worden, zum Flughafen in Minsk zu fliegen.
Russland verweigert Airlines Alternativ-Routen nach Moskau
Nach der erzwungene Landung eines Flugzeugs und der Festnahme eines Regierungskritikers hatte die EU am Dienstag Sanktionen gegen Belarus verhängt.

Am Dienstag wurde in Belarus ein Korrespondent der Deutschen Welle (DW) nach 20 Tagen Haft wieder freigelassen. Nach seiner Freilassung klagte Alexander Burakow laut DW-Mitteilung über unmenschliche Haftbedingungen. Zweimal pro Nacht sei er aufgeweckt worden und habe sich nackt ausziehen müssen. Außerdem habe er weder Kissen noch eine Decke bekommen und oft gefroren. Einen Hungerstreik habe er nach sieben Tagen wegen gesundheitlicher Probleme beenden müssen. Burakow war im Mai in der Stadt Mogiljow östlich der Hauptstadt Minsk festgenommen worden, als er über einen Prozess gegen Oppositionspolitiker berichten wollte.


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