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Rückkehr der Gewalt: Krawalle zum Jahrestag der „Gilets jaunes“-Proteste
International 2 3 Min. 17.11.2019 Aus unserem online-Archiv

Rückkehr der Gewalt: Krawalle zum Jahrestag der „Gilets jaunes“-Proteste

Rückkehr der Gewalt: Krawalle zum Jahrestag der „Gilets jaunes“-Proteste

Foto: AFP
International 2 3 Min. 17.11.2019 Aus unserem online-Archiv

Rückkehr der Gewalt: Krawalle zum Jahrestag der „Gilets jaunes“-Proteste

In den letzten Monaten war von den „Gilets jaunes“ kaum noch die Rede. Den ersten Jahrestag wollte die Bewegung nutzen, um noch einmal Stärke zu zeigen. Doch wieder prägten Randalierer den Protest.

(dpa) - Der erste Jahrestag der „Gilets jaunes“-Proteste war in Paris wieder überschattet von Krawallen und heftigen Ausschreitungen. Im Süden von Paris randalierten am Samstag größtenteils Vermummte und lieferten sich einen regelrechten Straßenkampf mit der Polizei. Ein Großteil von ihnen trug keine gelbe Warnweste, das Erkennungszeichen der „Gelbwesten“. Der Pariser Polizeipräsident Didier Lallement sprach von „systematischen Angriffen auf Sicherheitskräfte und Feuerwehrleute“.

Am Wochenende des 17. Novembers 2018 fanden die ersten großen landesweiten Proteste der „Gilets jaunes“ in Frankreich statt. Der erste Jahrestag sollte der sozialen Bewegung, die zuletzt an Stärke verloren hatte, wieder neuen Auftrieb verleihen. Die Zahl der Demonstranten war allerdings deutlich niedriger als beim Auftakt vor einem Jahr. Nach offiziellen Angaben des Innenministeriums gingen in ganz Frankreich 28.000 Menschen auf die Straße, davon 4.700 in Paris.

An der Place d'Italie in Paris kam es zu gewalttätigen Zusammenstößen.
An der Place d'Italie in Paris kam es zu gewalttätigen Zusammenstößen.
Foto: AFP

Das sind zwar deutlich mehr als in den vergangenen Monaten, kommt aber bei weitem nicht an die Zahlen von damals heran. Zum Vergleich: Am ersten großen Demonstrationswochenende vor einem Jahr waren es mehr als 280.000 „Gilets jaunes“, in den darauffolgenden Wochen mehr als hunderttausend.


(FILES) In this file photo taken on November 24, 2018 Yellow vest (Gilets jaunes) protestors stand as a water canon sprays on the Champs Elysees in Paris, during a protest against rising oil prices and living costs. - On November 17, 2018, 282,000 people according to the authorities, responded to a Facebook call, yellow vest on their backs, outside any political or trade union framework, and invested hundreds of roundabouts, symbols of the peri-urban France. The movement, born after a contested planned fuel tax, had shaken power for months and is now looking for other ways to perpetuate a new social movement, marked by the denunciation of "police violence". (Photo by Lucas BARIOULET / AFP)
Was von der Wut übrig ist - Ein Jahr „Gelbwesten“-Proteste
Das Erkennungszeichen der „Gelbwesten“ sind die Warnwesten, die jeder im Auto dabei hat. Und so überrollte eine gelbe Wutwelle Frankreich. Doch zwölf Monate später hat die Bewegung an Schwung verloren.

Die Polizei wollte Krawalle wie in der Vergangenheit unbedingt verhindern. Zahlreiche Metro-Stationen in Paris bleiben am Wochenende geschlossen. Auf der Prachtmeile Champs-Élysées und anderen Orten in der Hauptstadt waren Demonstrationen verboten. Die berühmte Einkaufsstraße blieb dieses Mal von den Ausschreitungen verschont, stattdessen eskalierte die Lage im Süden von Paris, am Place d'Italie.

„Wir müssen unterscheiden zwischen den anfänglichen Forderungen der „Gelbwesten“, dieser tiefen Wut, (...), die wir hören mussten und gehört haben, und denen, die sehr schnell nur von Hass und Gewalt angetrieben wurden“, sagte Innenminister Christophe Castaner am Sonntag im Interview mit Europe 1. „Gestern sahen wir nur wenige Demonstranten, aber dafür Schläger und Gauner, die gekommen waren, um zu kämpfen, sich mit der Polizei zu schlagen und die Feuerwehr an ihrer Arbeit zu hindern.“

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Vermummte randalierten, schlugen Scheiben ein, warfen Steine und zündeten Fahrzeuge, Mülleimer oder Werbetafeln an. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Ein großes Einkaufszentrum am Place d'Italie schloss seine Pforten, als die Lage ernster wurde. Auch Polizeipräsident Lallement betonte, dass die Gewalt von Personen begangen würde, die nicht gekommen seien, um eine Sache zu verteidigen.

Eigentlich sollte am Nachmittag vom Place d'Italie ein angemeldeter Demonstrationszug starten. Die Polizei verlangte die Absage der Demo. Am späten Nachmittag konnte die Polizei den Platz schließlich räumen, die Gewalt verlagerte sich in die anliegenden Straßen. Eine besonders verstörende Szene spielte sich in einem Waschsalon im Zentrum der Stadt ab. Ein Video zeigt, wie Polizisten Zuflucht in dem Salon suchten, indem auch Kunden waren. Randalierer verfolgen sie, schlugen die Scheiben ein, nutzten eine Baustellenabsperrung als Rammbock.

Krawalle in Nantes.
Krawalle in Nantes.
Foto: AFP

Wieder wurde bei den Randalen ein Denkmal beschädigt - dieses Mal handelte sich um eine Tafel zum Gedenken an einen bekannten französischen Marschall. In der Vergangenheit wurde bei den Protesten der Pariser Triumphbogen schwer beschädigt, aber auch eine Gedenktafel für einen getöteten Polizisten.

Kurzzeitig blockierten am Samstagmorgen einige Hundert „Gelbwesten“ die Pariser Ringautobahn im Nordwesten der Stadt. Die Polizei löste die Blockade aber schnell auf. Auch an der Porte de Champerret und am Place de Clichy im Norden von Paris versammelten sich zahlreiche Demonstranten. Die „Gilest jaunes" zogen dort weitgehend friedlich durch die Straßen. Ab und an kam es zu Spannungen, so etwa auch am Abend im Einkaufsviertel Les Halles. In anderen Regionen Frankreichs gab es ebenfalls Demonstrationen, die ohne größere Zwischenfälle verliefen. In Städten wie Lyon, Marseille oder Nantes war die Lage aber angespannt.

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Proteste auch in Belgien

In der Vergangenheit hatten sich immer wieder Randalierer unter die „Gilets jaunes“ gemischt. Viele Anhänger der Bewegung besetzten zur Hochzeit der Proteste friedlich Kreisverkehre und Straßen. Die Gewalt eskalierte mehrmals in der Hauptstadt, dort herrschte an den ersten Demonstrationswochenenden regelrechter Ausnahmezustand. Die „Gelbwesten“ protestierten gegen soziale Ungerechtigkeit und die Politik von Präsident Emmanuel Macron.

Auch in Belgien demonstrierten „Gelbwesten“ zum Jahrestag ihrer Bewegung. Am Samstagabend blockierten rund 20 Personen an der französisch-belgischen Grenze bei Hensies einige Lastwagen auf der Autobahn Paris-Brüssel, wie die Nachrichtenagentur Belga meldete. Die Aktion wurde nach drei Stunden ohne größere Zwischenfälle beendet. Auch in Namur und vor einem Kraftstoffdepot bei Feluy wurde protestiert. Vor einem Jahr hatte sich wie in Frankreich auch eine „Gelbwesten“-Bewegung im Nachbarland Belgien formiert.


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(FILES) In this file photo taken on November 18, 2018 People block Caen's circular road in Caen, Normandy, on a second day of action, a day after a nationwide popular initiated day of protest called "yellow vest" (Gilets Jaunes in French) movement to protest against high fuel prices which has mushroomed into a widespread protest against stagnant spending power under French President. - On November 17, 2018, 282,000 people according to the authorities, responded to a Facebook call, yellow vest on their backs, outside any political or trade union framework, and invested hundreds of roundabouts, symbols of the peri-urban France. The movement, born after a contested planned fuel tax, had shaken power for months and is now looking for other ways to perpetuate a new social movement, marked by the denunciation of "police violence". (Photo by CHARLY TRIBALLEAU / AFP)