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Rotes Kreuz: Erst Krisen meistern, dann Perspektiven schaffen
International 2 Min. 12.10.2019

Rotes Kreuz: Erst Krisen meistern, dann Perspektiven schaffen

Durch die Zunahme extremer Wetterphänomene steigt auch die Zahl der Klimaflüchtlinge, die auf humanitäre Hilfe angewiesen sind.

Rotes Kreuz: Erst Krisen meistern, dann Perspektiven schaffen

Durch die Zunahme extremer Wetterphänomene steigt auch die Zahl der Klimaflüchtlinge, die auf humanitäre Hilfe angewiesen sind.
Foto: AFP
International 2 Min. 12.10.2019

Rotes Kreuz: Erst Krisen meistern, dann Perspektiven schaffen

Steve BISSEN
Steve BISSEN
Die klimatischen Veränderungen führen zu einer Häufung beziehungsweise Verstärkung globaler Wetterphänomene. Eine Herausforderung für die Mitarbeiter des Luxemburgischen Roten Kreuzes.

UN-Klimagipfel, CO2-Steuer, Greta Thunberg. Hitzige Diskussionen und der Streit über den richtigen Weg in der Umwelt- und Klimapolitik bestimmen derzeit die öffentliche Debatte. Wie dem Klimawandel begegnen? Dabei sind die Auswirkungen für viele Bewohner unseres Planeten bereits heute deutlich spürbar. 


TOPSHOT - People stand by damaged houses and fallen trees on April 25, 2019 in Moroni after tropical storm Kenneth hit Comoros before heading to recently cyclone-ravaged Mozambique. - Cyclone Kenneth passed the Indian Ocean archipelago nation Comoros today but its effects, including high winds and heavy rains, were still being felt, the country's Meteorological Office wrote on Facebook. (Photo by Ibrahim YOUSSOUF / AFP)
Zyklon trifft in Mosambik auf Land - Drei Tote auf Komoren
Erst vor sechs Wochen hinterließ Zyklon „Idai“ in Mosambik ein Bild der Zerstörung. Nun erleben die Menschen in dem Staat eine zweite Katastrophe: Zyklon „Kenneth“ trifft im Norden auf Land.

Und das Klima unterscheidet nicht nach dem Verursacherprinzip. Die klimatischen Veränderungen treffen zuerst die Schwächsten. Beispiel Afrika: Hier häufen beziehungsweise verstärken sich extreme Wetterphänomene wie lang anhaltendende Dürreperioden in der Sahelzone. Oder wiederkehrende Zyklone, die regelmäßig große Teile des Inselstaates Madagaskar verwüsten - eine Bedrohung für die Existenzgrundlage der dort lebenden Menschen. 

Beispiel Madagaskar

Um diesen Menschen unter die Arme zu greifen, leistet das Luxemburgische Rote Kreuz wertvolle logistische und materielle Unterstützung zum nachhaltigen Wiederaufbau der lokalen Infrastruktur. Dazu gehören unter anderem die Verwendung von standfesteren Materialien, die Pflanzung von Bäumen oder das Legen von Kanälen, damit das Wasser beim nächsten heraufziehenden Sturm ungehindert abfließen kann. 

Den Menschen schnell helfen, wieder auf die Beine zu kommen.

Antje Mengel

Denn der nächste Sturm kommt bestimmt. In Madagaskar ist das nur eine Frage der Zeit - drei- bis viermal pro Jahr wird die im Indischen Ozean gelegene Insel von Zyklonen heimgesucht.

Antje Mengel, Projektleiterin des Roten Kreuzes, ist seit einem Jahr in Madagaskar aktiv.
Antje Mengel, Projektleiterin des Roten Kreuzes, ist seit einem Jahr in Madagaskar aktiv.
Foto: Croix-Rouge

"Den Menschen schnell helfen, wieder auf die Beine zu kommen" und ihnen eine Perspektive geben. Um beim nächsten Mal nicht wieder bei Null anfangen zu müssen, so beschreibt Antje Mengel, Projektleiterin des Roten Kreuzes vor Ort, ihre Aufgabe. Denn "die Menschen können und wollen auch nicht weg". 

Beispiel Niger

Im zentralafrikanischen Niger ist dagegen die Trockenheit der größte Feind. Wenn es dann aber mal regnet, dann richtig, was in der Folge zu verheerenden Überflutungen führt. Hier baut das Luxemburgische Rote Kreuz Deiche zum Schutz vor den Wassermassen und einzelne Gebiete werden weider aufgeforstet, um dem Boden bei der nächsten Flut mehr Halt zu geben, so Alexander Jacoby, Projektleiter vor Ort. 


Evacuees wait to board a bus heading to an evacuation shelter after getting off a ferry from Marsh Harbour on Abaco island in the aftermath of hurricane Dorian in Nassau, Bahamas on September 9,2019 - President Donald Trump said Monday that the US would have to be careful about allowing Bahamian survivors of Hurricane Dorian into the country, warning there could be "very bad people" among them. The previous day, several hundred storm survivors were prevented from boarding a ferry from the Bahamas to Florida because they lacked US visas -- an incident that a top American immigration official said was a mistake. (Photo by ANDREW CABALLERO-REYNOLDS / AFP)
Extremwetter: 7 Millionen Binnenflüchtlinge weltweit
Klimawandel und Flüchtlingswellen sind immer stärker miteinander verstrickt. Massenvertreibungen durch extreme Wetterereignisse drohen zur Norm zu werden.

Neben der Kernaufgabe des Aufbaus von nachhaltiger Infrastruktur für die lokale Bevölkerung leistet das Rote Kreuz auch humanitäre Hilfe. Denn im Niger kommt ein weiteres Phänomen hinzu. 

Zahl der Klimaflüchtlinge steigt

Aus dem Nachbar- und Bürgerkriegsland Mali suchen Flüchtlinge Schutz vor der dort wütenden Terrormiliz Boko Haram. Erste Hilfe leisten die Mitarbeiter des Roten Kreuzes beim Aufbau von Notunterkünften und sanitären Anlagen.

Alexander Jacoby leitet im Süden des Niger wertvolle Unterstützung beim Aufbau nachhaltiger Infrastruktur.
Alexander Jacoby leitet im Süden des Niger wertvolle Unterstützung beim Aufbau nachhaltiger Infrastruktur.
Foto: Croix-Rouge

Vielschichtig sind demnach die Aufgabenbereiche der Helfer vor Ort, wie Antje Mengel oder Alexander Jacoby aus ihrer Erfahrung berichten können. Einerseits kurzfristig Krisensituationen meistern, andererseits langfristige Perspektiven für die Betroffenen vor Ort schaffen.  

2050 könnten bis zu 200 Millionen Menschen weltweit auf humanitäre Hilfe angewiesen sein, aufgrund der Erderwärmung. So schätzt das Rote Kreuz. Demnach werden die Herausforderungen für karitative Hilfsorganisationen in Zukunft nicht kleiner.


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