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Rettungseinsatz der "Aquarius" im Mittelmeer am Ende

Rettungseinsatz der "Aquarius" im Mittelmeer am Ende

AFP
International 07.12.2018

Rettungseinsatz der "Aquarius" im Mittelmeer am Ende

Die Hilfsorganisation SOS Méditerranée zieht ihr Rettungsschiff "Aquarius" aus dem Dienst am Mittelmeer zurück - wegen "gezielter politischer Angriffe auf die lebensrettende Arbeit", so die Organisation.

(dpa) - Die Hilfsorganisation SOS Méditerranée beendet den Einsatz im Mittelmeer mit dem Flüchtlingsrettungsschiff „Aquarius“. Der Entscheidung sei „eine Reihe von gezielten politischen Angriffen auf die lebensrettende Arbeit der Hilfsorganisation“ vorausgegangen, teilte die Organisation am Donnerstagabend in Berlin mit. Allerdings wolle man mit einem anderen Schiff „sobald wie möglich“ zu neuen Einsätzen ausfahren, um Migranten zu retten.


Die Aquarius lief am 15. August 2018 in Malta ein.
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Luxemburg hatte sich bereit erklärt, fünf Flüchtlinge aus Malta aufzunehmen, die mit dem Rettungschiff Aquarius dort angekommen waren. Die Asylantragsteller sind am Sonntag in Findel angekommen.

Die von Ärzte ohne Grenzen (MSF) und SOS Méditerranée gemeinsam betriebene „Aquarius“ liegt derzeit im französischen Marseille vor Anker. Zweimal wurde dem Schiff die Flagge entzogen. Zuletzt warfen italienische Behörden der NGO vor, illegal Müll in Italien entsorgt zu haben und drohten mit der Beschlagnahmung des Schiffs. Die populistische Regierung in Italien hat die Häfen des Landes für Seenotretter weitgehend dicht gemacht.

„Wir haben den Höhepunkt der Kriminalisierung von humanitärer Hilfe auf See erreicht. Dass wir jetzt dazu gezwungen sind, den Betrieb der Aquarius einzustellen, während europäische Mitgliedsstaaten ihrer Verantwortung, Menschen im Mittelmeer zu retten, nicht gerecht werden, ist ein Armutszeugnis für Europa“, sagte Verena Papke, Geschäftsführerin von SOS Méditerranée Deutschland.


Der Kirchenstaat lehnte einen Antrag auf Eintragung der "Lifeline" in sein Schiffsregister aus formalen Gründen ab, will Menschen in Seenot aber in Gebete einschließen.
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Im bürokratischen Hickhack um die korrekte Registrierung des Rettungsschiffs "Lifeline" hatten sich dessen Betreiber an den Vatikan gewandt - unter desse Flagge könnten die Retter freier agieren. Doch der Kirchenstaat lehnte ab.

Nun sollten Möglichkeiten für ein neues Schiff ausgelotet werden. Man sei „auf die Initiative von mutigen Reedereien angewiesen, die bereit sind, ein Zeichen der Solidarität“ zu setzen.

Die „Aquarius“ war seit Februar 2016 im Einsatz und hat etwa 30 000 Migranten im Meer gerettet. Weltweit Beachtung fand die Blockade des Schiffs im Sommer mit hunderten Migranten an Bord. Damals ließ der rechte Innenminister Matteo Salvini das Boot nicht in Italien anlegen. Es musste nach Spanien ausweichen.


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