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Überreste von 215 Kindern unter kanadischer Schule entdeckt
International 1 2 Min. 28.05.2021
"Residential Schools"

Überreste von 215 Kindern unter kanadischer Schule entdeckt

Die Überreste sind bei Radar-Untersuchungen des Grundstücks in der Nähe der Stadt Kamloops im Westen Kanadas gefunden worden.
"Residential Schools"

Überreste von 215 Kindern unter kanadischer Schule entdeckt

Die Überreste sind bei Radar-Untersuchungen des Grundstücks in der Nähe der Stadt Kamloops im Westen Kanadas gefunden worden.
Foto: dpa
International 1 2 Min. 28.05.2021
"Residential Schools"

Überreste von 215 Kindern unter kanadischer Schule entdeckt

Es waren Kinder kanadischer Ureinwohner, die zwischen 1890 und 1969 in die Kamloops Residential School, eine Art Internat, gezwungen wurden.

(dpa/tom) - Überreste von 215 Kindern kanadischer Ureinwohner sind auf einem Grundstück einer sogenannten Residential School in Kanada entdeckt worden. Sie seien bei Radar-Untersuchungen des Grundstücks in der Nähe der Stadt Kamloops im Westen Kanadas gefunden worden, teilte Rosanne Casimir, die Leiterin der dort lebenden indigenen Gemeinschaft Tk'emlups te Secwepemc mit. „Unseres Wissens nach handelt es sich um nicht dokumentierte Todesfälle. Manche waren nur drei Jahre alt.“ Die Gemeinde habe von den Toten gewusst, aber bis jetzt ihre Existenz nicht bestätigen können. Es sei darüber gesprochen worden, so Casimir, aber die Schule habe die Todesfälle nie dokumentiert.

Die Kamloops Indian Residential School in den 1930er-Jahren.
Die Kamloops Indian Residential School in den 1930er-Jahren.
Foto: gemeinfrei

An der Stelle war zwischen 1890 und 1969 die Kamloops Residential School in Betrieb - eine Art Internat, von denen es in Kanada tausende gab und in die Kinder von Ureinwohnern gezwungen wurden. Ein vollständiger Bericht über die Funde werde folgen, kündigte Casimir an.

Die Nachricht breche sein Herz, teilte Premierminister Justin Trudeau am Freitag per Kurznachrichtendienst Twitter mit. „Es ist eine schmerzhafte Erinnerung an dieses dunkle und schamvolle Kapitel in der Geschichte unseres Landes.

Trudeau hatte sich bei den indigenen Völkern des Landes entschuldigt und Kanada arbeitet an Aufarbeitung und Wiedergutmachung. Trotzdem gibt es immer noch Diskriminierung und Ungleichheit.

Größere Bekanntheit hatte das Thema „Vermisste Kinder in Residential Schools“ vor einigen Jahren erlangt, als der 2017 verstorbene kanadische Rockmusiker Gord Downie ein Konzeptalbum über die Flucht des Indianerjungen Chanie Wenjack veröffentlichte und eine Stiftung zur Aussöhnung gründete. Chanie Wenjack war 1966 im Alter von zwölf Jahren aus einer „Residential School” geflüchtet und hatte sich zu Fuß auf den Weg von Kenora im Süden Ontarios zu seiner 600 Kilometer entfernten Familie im Norden der Provinz gemacht. Ungefähr 50 Kilometer von seinem Ausgangspunkt entfernt starb er bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt an Erschöpfung. 

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Der jüngste Fall in Kamloops erinnert stark an den Fund von knapp 800 toten Kindern unter einem „Mutter-und-Kind-Heim“ in der westirischen Stadt Tuam im Jahr 2014. Einer Studie zufolge starben bis zu 9.000 Kinder im System katholischer Kinderheime in Irland. Auch in Kanada könnten dem Fund in Kamloops weitere folgen. 


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