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Republikanischer Sieg auf breiter Front: Trump wird 45. Präsident der USA
International 4 Min. 09.11.2016

Republikanischer Sieg auf breiter Front: Trump wird 45. Präsident der USA

Trump richtete Dankesworte an seine Anhänger.

Republikanischer Sieg auf breiter Front: Trump wird 45. Präsident der USA

Trump richtete Dankesworte an seine Anhänger.
Foto: AFP
International 4 Min. 09.11.2016

Republikanischer Sieg auf breiter Front: Trump wird 45. Präsident der USA

Teddy JAANS
Teddy JAANS
Davor hatten sich große Teile der Welt gefürchtet. Donald Trump beerbt Barack Obama. Der "President elect" hat mittlerweile vor seinen Anhängern eine erste Ansprache gehalten. Wladimir Putin gratuliert als einer der ersten.

(dpa/TJ) - Donald Trump hat die US-Präsidentschaftswahl für sich entschieden. Der umstrittene Republikaner entschied am frühen Mittwochmorgen wichtige Schlüsselstaaten für sich - darunter Florida, North Carolina und Ohio. Seine demokratische Konkurrentin Hillary Clinton gewann in Virginia und Colorado.

Als einer der ersten Staatschefs weltweit hat Russlands Präsident Wladimir Putin dem US-Wahlsieger Donald Trump gratuliert. Er hoffe, dass es ihnen gemeinsam gelingen werde, die russisch-amerikanischen Beziehungen aus der Krise zu holen, schrieb Putin am Mittwoch in einem Telegramm.

Am Mittwochmorgen hat die Demokratin ihrem Rivalen telefonisch zu dessen Sieg gratuliert. Sie habe, so Trump der ganzen republikanischen Mannschaft gratuliert. Trump zollte seiner Rivalin vor seinen Anhängern Respekt.

Trump will Präsident aller Amerikaner werden, deshalb zähle er auf jeden einzelnen. Millionen Menschen hätten während der letzten Wochen zusammengearbeitet, um dieses Resultat zu ermöglichen. Zusammen werde er nun mit seiner Mannschaft daran arbeiten "das Land wieder aufzubauen", so der gewählte Präsident am Mittwochmorgen in einem ersten öffentlichen Auftritt nach der Wahl.

"Partnerschaft statt Konflikte", dies war eine der Kernaussagen des frisch gewählten Präsidenten, der damit schon fast versöhnliche Töne im Vergleich zu seinen Äußerungen während der Wahlkampagne einschlug.

Er werde das Land zu großem Wachstum führen, kein Traum solle unerreichbar bleiben, nur das Beste sei gerade gut genug, so Trump weiter. Amerika werde, auch wenn es fair mit seinen Partnern umgehen werde, stets vorrangig auf seine eigenen Werte achten.

Die Infrastruktur solle wieder aufgebaut, Arbeitsplätze zurück in die USA geholt werden. Den Veteranen werde es besser gehen. Er habe einen „großartigen“ ökonomischen Plan für das Land.

Unerwartet

Die Siege Trumps kamen überraschend, er sicherte sich die meisten der umkämpften Wechselwähler-Staaten. Eigentlich war Clinton als Favoritin in die Wahl gegangen.

Um 0600 MEZ entfielen 232 Wahlleute auf Trump - für einen Sieg braucht er 270. Clinton kam auf 209 Wahlleute. Das Live-Prognosemodell der „New York Times“ gab Trump eine Siegchance von mehr als 95 Prozent. 

Vor allem in den Bundesstaaten im sogenannten Rostgürtel der USA wie Wisconsin und Michigan lag die Demokratin überraschend hinten. Trumps Wahlkampf, in dem er auch gegen internationale Handelsabkommen und Globalisierung Stimmung gemacht hatte, verfing in diesen von Abschwung geprägten Gegenden offensichtlich sehr. Das hatten Meinungsforscher so nicht vorausgesehen.

Für die Republikaner deutete sich ein politischer Durchmarsch an. Sie dominieren weiter im Repräsentantenhaus. Auch im Senat sah es nicht nach einem Sieg für die Demokraten aus, die sich darauf große Hoffnungen gemacht hatten. Im Falle eines Wahlsieges könnte Trump mit einer Mehrheit in beiden Parlamentskammern regieren.

Noch nie in der Geschichte der US-Wahlen waren zwei Kandidaten gleichermaßen so unbeliebt: Trump wegen seiner Art und seiner Ausfälle, Clinton wegen ihrer Skandale und ihrer Nähe zum bestehenden Machtsystem. In den vergangenen Wochen lieferten sie sich erbitterte Auseinandersetzungen. Der Wahlkampf gilt als einer der härtesten und schmutzigsten der amerikanischen Geschichte. Er war geprägt von persönlichen Beleidigungen und Schmähungen. Fakten und Inhalte spielten kaum eine Rolle.

Die internationalen Finanzmärkte reagierten nervös auf den Wahlverlauf. Der Dollar gab gegenüber anderen Währungen deutlich nach, der Eurokurs stieg im Gegenzug über 1,12 US-Dollar. Der mexikanische Peso, als „Trump-o-Meter“ gesehen, gab im Verhältnis zum US-Dollar um mehr als 11 Prozent nach. Trump hatte Mexiko mit einem Handelskrieg und dem Bau einer Mauer an der Landesgrenze gedroht.

Wahlberechtigt waren etwa 219 Millionen Menschen. Voraussetzung war, dass sich ein Wähler registrieren ließ und nicht von der Wahl ausgeschlossen wurde - beispielsweise wegen einer kriminellen Vergangenheit.

Weiteres Ziel verfehlt

Auch ein Umschwung im von den Republikanern dominierten Repräsentantenhaus gelang den Demokraten nicht. Sie verfehlten dieses Ziel klar. Noch schlimmer: Auch im Senat, auf den sich die Demokraten große Hoffnungen gemacht hatten, sieht es  - wie im Repräsentantenhaus - nicht nach einem Sieg aus. Im Falle eines Wahlsieges könnte Trump mit einer Mehrheit in beiden Parlamentskammern reagieren.

Sollte hingegen Trump ins Weiße Haus einziehen, hätte er dank der Mehrheiten in beiden Kammern eine gute Chance, seine politischen Vorhaben möglicherweise ohne große Gegenwehr durchzusetzen.

Schon vor der Wahl hatten Experten vorausgesagt, dass die Demokraten keine Chance für eine Machtübernahme des Repräsentantenhauses mit seinen 435 Sitzen hatten. Dafür hätten sie 30 Mandate dazugewinnen müssen. Doch nur in wenigen Wahlbezirken hatten die republikanischen Amtsinhaber eine Niederlage zu fürchten.

LW-Journalist Christoph Bumb verfolgt die Wahlnacht auf dem Times Square in New York:

Aus Nervosität über einen möglichen Sieg von Donald Trump bei den US-Präsidentschaftswahlen ist die Börse in Tokio am Mittwoch eingebrochen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte stürzte im Nachmittagshandel um fast fünf Prozent ab.

Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman ist entsetzt über Donald Trumps gutes Abschneiden bei der US-Wahl. „Ich dachte wirklich, ich kenne mein Land besser als es sich nun zeigt“, schrieb der 63-Jährige am frühen Mittwoch auf Twitter. „Ich habe gewarnt, dass wir ein „failed state“ werden könnten, aber ich habe nicht (...) den tiefen Hass in einem großen Teil der Bevölkerung erkannt.“

Als „failed state“ werden gescheiterte Staaten bezeichnet, die ihre grundlegenden Funktionen nicht erfüllen können. „Jetzt müssen wir herausfinden, was wir in dieser schrecklichen Welt machen können“, schrieb Krugman.



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