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Zwei Demonstranten bei Protesten getötet
International 3 Min. 31.12.2017 Aus unserem online-Archiv
Regimekritik im Iran

Zwei Demonstranten bei Protesten getötet

Die Proteste im Iran sollen bisher zwei Menschen das Leben gefordert haben.
Regimekritik im Iran

Zwei Demonstranten bei Protesten getötet

Die Proteste im Iran sollen bisher zwei Menschen das Leben gefordert haben.
Foto: AFP
International 3 Min. 31.12.2017 Aus unserem online-Archiv
Regimekritik im Iran

Zwei Demonstranten bei Protesten getötet

Diana HOFFMANN
Diana HOFFMANN
Bei den regimekritischen Protesten im Iran sind zwei Demonstranten getötet worden. Die iranische Polizei soll nicht an dem Vorfall beteiligt gewesen sein.

(dpa) - Bei den regimekritischen Protesten im Iran sind zwei Demonstranten getötet worden und sechs weitere verletzt. Nach Angaben des Gouverneursamts der Provinz Lorestan im Westiran soll aber die iranische Polizei nicht an dem Vorfall beteiligt gewesen sein. Vielmehr gebe es Hinweise auf eine Beteiligung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), behauptete der Sicherheitschef im Gouverneursamt, Habibollah Chodschasteh, nach iranischen Medienangaben am Sonntag.

Über den Tod der zwei Demonstranten in Dorud war schon am Samstagabend in sozialen Netzwerken berichtet worden. Er wurde am Sonntag vom Webportal des Staatsfernsehens bestätigt. In Videos ist zu sehen, wie Verletzte weggetragen werden. Landesweit sollen inzwischen mehr als 80 Demonstranten verhaftet worden sein.

Die meisten Videos kommen über das Nachrichtenportal Amad-News und werden auf der Messaging-App Telegram gepostet. Irans Telekommunikationsministerium forderte Telegram daher auf, das Konto des Portals zu blockieren. Daraufhin wurde das Portal dann auch blockiert. In vielen Teilen Teherans gab es am Samstag überhaupt kein Internet mehr oder nur sehr langsame Verbindungen. Am Sonntag lief das Internet jedoch wieder normal. 

Proteste halten an

Im Iran ist es in mindestens neun iranischen Städten seit Donnerstag zu regimekritischen Protesten gekommen - auch  in der Hauptstadt Teheran. Anfangs richteten sich Proteste in erster Linie gegen die hohen Preise und Ruhanis Wirtschaftspolitik. Sie wechselten jedoch schnell in regimekritische Slogans. Dieser Trend setzte sich dann fast landesweit fort. In Maschhad, der zweitgrößten Stadt des Landes, kam es zu Zusammenstößen mit Sicherheitskräften. Rund 50 Demonstranten wurden hier festgenommen.

Iranische Studenten vor der Universität in Teheran.
Iranische Studenten vor der Universität in Teheran.
Foto: AFP

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars, riefen Dutzende Demonstranten vor der Teheraner Universität „Tod den Taliban“ und verglichen damit das iranische Establishment mit den radikalen Islamisten in Afghanistan. Auf Videos in sozialen Netzwerken waren Demonstranten zu sehen, die Slogans gegen den regierenden Klerus skandierten - etwa „Mullahs schämt Euch, lasst unser Land in Ruhe“.

Iran verurteilt Unterstützung der USA

Das US-Außenministerium versuchte, andere Staaten auf die Seite der Demonstranten zu bringen. „Wir rufen alle Nationen dazu auf, das iranische Volk und seine Forderungen nach Grundrechten und einem Ende der Korruption öffentlich zu unterstützen“, erklärte das Ministerium in Washington.  US-Präsident Donald Trump warnte die Führung in Teheran auf Twitter: „Die Welt schaut hin“.

Der Iran hat bereits am Samstag die Unterstützung der USA für die Proteste im Land scharf verurteilt. „Das iranische Volk wird diese wertlosen und opportunistischen Bemerkungen der Amerikaner nicht beachten“, sagte Außenamtssprecher Bahram Ghassemi. Die Regierung von Präsident Donald Trump, die Iranern sogar die Einreise in die USA verbiete, sollte sich nun nicht besorgt um das iranische Volk zeigen, sagte der Sprecher. 

Iranisches Innenministerium warnt vor Teilnahme an "illegalen" Protesten

Das iranische Innenministerium warnte vor einer Teilnahme an „illegalen“ Protesten. „Diese Versammlungen sind illegal und wir fordern die Menschen auf, nicht daran teilzunehmen“, sagte Innenminister Abdulrahman Rahmani Fasli am Samstag. Sonst könnte es „problematische Konsequenzen“ geben, warnte der Minister nach Angaben der Nachrichtenagentur Isna. Das Innenministerium ist jedoch, Fasli zufolge,  bereit, Anträge auf friedliche Demonstrationen zu überprüfen.

Nach Augenzeugenberichten wurden in mehreren Teilen der Hauptstadt Teheran Sondereinheiten der Polizei stationiert. Besonders stark soll ihre Präsenz in der Nähe der Teheraner Universität in der Stadtmitte sein. Von Präsident Hassan Ruhani, der sich stets gegenüber Kritik offen gezeigt hatte, gab es zunächst keine Reaktion.

Die Sicherheitskommission des iranischen Parlaments plant eine Sondersitzung, um die regimekritischen Proteste im Land zu überprüfen. An dem nächste Woche geplanten Krisentreffen soll auch der Präsident teilnehmen.

Am Samstag gab es aber auch Gegendemonstrationen von Unterstützern des Regimes.
Am Samstag gab es aber auch Gegendemonstrationen von Unterstützern des Regimes.
Foto: AFP

Gleichzeitig gab es in Teheran und anderen Städten staatlich organisierte Demonstrationen gegen die regimekritischen Versammlungen, an denen, Medienangaben zufolge, landesweit Tausende teilnahmen. Über die regimekritischen Versammlungen gab es in den Medien kaum Berichte, dafür aber in den sozialen Medien.

Nach den Worten von Innenminster Abdulresa Rahmani Fasli sind das keine Proteste mehr, sondern ein Aufstand gegen das eigene Volk. „Problem mit Gewalt und Terror zu lösen, ist keine Option (...) - das können und werden wir nicht mehr dulden“, sagte der Minister am Sonntag. Daher werde die Polizei bei weiteren Ausschreitungen konsequent eingreifen.


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