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Regierung unter Druck
International 2 Min. 24.03.2016 Aus unserem online-Archiv
Politische Konsequenzen in Belgien

Regierung unter Druck

Die Menschen in Brüssel sind weiterhin fassungslos.
Politische Konsequenzen in Belgien

Regierung unter Druck

Die Menschen in Brüssel sind weiterhin fassungslos.
Foto: AFP
International 2 Min. 24.03.2016 Aus unserem online-Archiv
Politische Konsequenzen in Belgien

Regierung unter Druck

Kerstin SMIRR
Kerstin SMIRR
Das Terrorkommando von Brüssel war möglicherweise größer als bisher gedacht. Die Behörden hatten die Täter teils bereits seit Monaten im Visier.

(dpa) - Nach den blutigen Anschlägen von Brüssel sucht die Polizei laut Medienberichten nach zwei flüchtigen Terrorverdächtigen. Demnach soll der Selbstmordattentäter in der Brüsseler Metro in Begleitung eines Mannes mit einer großen Tasche gewesen sein. Die Polizei kontrollierte Züge, Flughäfen und Grenzen. Wegen möglicher Versäumnisse von Justiz und Polizei bei der Terrorfahndung boten zwei belgische Minister ihren Rücktritt an.

Zwei Täter weiter vermisst

Der Attentäter in der Brüsseler Metro, Khalid El Bakraoui, soll nicht alleine gewesen sein, berichteten belgische und französische Medien am Donnerstag. Auf Bildern einer Überwachungskamera sei ein zweiter Mann zu sehen. Wenig wahrscheinlich sei, dass dieser Mann bei der Explosion getötet wurde. Zudem fahndet die Polizei weiter nach einem Komplizen der Attentäter, der vom Flughafen Brüssel geflüchtet sein soll. Somit könnte das Terrorkommando aus mindestens fünf Tätern bestanden haben. Drei hatten sich in die Luft gesprengt.

In Belgien geboren

Alle drei Selbstmordattentäter sind in Belgien geboren und hatten Verbindungen zu den islamistischen Drahtziehern der Anschläge von Paris. Es handelt sich um die Brüder Ibrahim (29) und Khalid (27) El Bakraoui sowie Medienberichten zufolge um den 24-jährigen Najim Laachraoui. Letzterer war wegen der Anschläge von Paris erst vor kurzem zur Fahndung ausgeschrieben worden. Khalid El Bakraoui wurde seit Dezember per Haftbefehl gesucht, weil er für die Pariser Attentäter unter falschem Namen eine Wohnung gemietet haben soll.

Jambon und Geens bieten Ämter an

Innenminister Jan Jambon und Justizminister Koen Geens (r.) boten ihren Rücktritt an.
Innenminister Jan Jambon und Justizminister Koen Geens (r.) boten ihren Rücktritt an.
Foto: AFP

Belgiens Innenminister Jan Jambon und Justizminister Koen Geens stellten wegen möglicher Fahndungspannen im Fall Ibrahim El Bakraoui ihre Ämter zur Verfügung. Die Türkei hatte laut Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan im Juli 2015 gewarnt, der von ihr ausgewiesene Mann sei ein „terroristischer Kämpfer“. Die belgischen Behörden ließen ihn dennoch auf freiem Fuß. „Man hat die Information wohl weitergegeben, aber man ist nicht sehr schnell gewesen; oder nicht schnell genug“, sagte Geens dem Fernsehsender VRT. Premierminister Charles Michel lehnte die Rücktrittsgesuche ab.

Atomforscher im Visier

Die Brüsseler Terrorzelle spionierte nach Medienberichten auch einen hochrangigen Atomforscher aus. Die Brüder El Bakraoui hatten laut der Tageszeitung „La Dernière Heure“ eine heimlich vor dem Haus des Wissenschaftlers in Flandern montierte Überwachungskamera entfernt. Anti-Terror-Fahnder entdeckten die Aufnahmen der Kamera bei Ermittlungen zu den Pariser Terroranschlägen im belgischen Ort Auvelais. Eine Theorie lautet, dass die Islamisten von dem Forscher radioaktives Material für eine sogenannte schmutzige Bombe erpressen wollten.

Weitere Einsätze

In Brüssel herrschte derweil weiter Anspannung, zumal es erneut Polizeieinsätze in der Nähe des EU-Viertels gab. Über deren Ergebnis wurde zunächst aber nichts bekannt. Auch die Spurensuche am Brüsseler Flughafen ging weiter.

Tausende Menschen gedachten in einer Schweigeminute der Opfer vom Dienstag. Belgiens König Philippe und Königin Mathilde besuchten ein Krankenhaus in Löwen und ließen sich Metallteile zeigen, die Ärzte aus den Körpern von Anschlagsopfern entfernt hatten.

Kontrollen in belgisch-luxemburgischer Grenzregion

In der Grenzregion zu Deutschland und Luxemburg gibt es weiter verstärkte Polizeikontrollen. Innereuropäische Flüge von und nach Brüssel werden bis mindestens Sonntag über die Flughäfen in Antwerpen und Lüttich abgewickelt.


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