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Rechtsruck in Österreich
International 2 Min. 24.04.2016 Aus unserem online-Archiv
FPÖ-Sieg im Wahl-Vorentscheid

Rechtsruck in Österreich

FPÖ-Kandidat Norbert Hofer an der Urne.
FPÖ-Sieg im Wahl-Vorentscheid

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FPÖ-Kandidat Norbert Hofer an der Urne.
Foto: AFP
International 2 Min. 24.04.2016 Aus unserem online-Archiv
FPÖ-Sieg im Wahl-Vorentscheid

Rechtsruck in Österreich

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Der europakritische Slogan „Österreich zuerst“ und der Missmut über die rot-schwarze Regierung haben der rechten FPÖ einen Triumph beschert. Alle anderen Kandidaten blieben bei der ersten Runde der Bundespräsidentenwahl unter den Erwartungen.

(dpa) -  Die Rechtspopulisten der FPÖ haben in Österreich bei der Wahl zum Bundespräsidenten einen spektakulären Erfolg erzielt. FPÖ-Kandidat Norbert Hofer bekam am Sonntag nach einer Hochrechnung des Meinungsforschungsinstitutes Sora 35,4 Prozent der Stimmen und lag damit weit vor den anderen fünf Kandidaten. Es ist das bisher beste Ergebnis der FPÖ auf Bundesebene.

Da der 45-Jährige die 50-Prozent-Hürde verfehlte, kommt es am 22. Mai zu einer Stichwahl zwischen ihm und dem zweitplatzierten Alexander Van der Bellen. Der 72-jährige Ex-Grünen-Chef erhielt laut Hochrechnung 21,3 Prozent der Stimmen. Die unabhängige Kandidatin Irmgard Griss (69) überzeugte 19 Prozent der Wähler.

Alexander Van der Bellen musste um den Einzug in die kommende Stichwahl zittern.
Alexander Van der Bellen musste um den Einzug in die kommende Stichwahl zittern.
Foto: AFP

Ein Debakel wurde die Wahl für die Bewerber der rot-schwarzen Regierung. Rudolf Hundstorfer (SPÖ) und Andreas Khol (ÖVP) kamen auf jeweils nur rund elf Prozent. Damit steht fest, dass der nächste Bundespräsident erstmals nicht aus dem Lager der sozialdemokratischen SPÖ oder konservativen ÖVP kommt. Den Bauunternehmer Richard Lugner wählten 2,3 Prozent. Die Angaben beruhten auf 99,8 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 68 Prozent.

Sammelbecken der Protestwähler

Die FPÖ hatte unter dem europakritischen Slogan „Österreich zuerst“ Stimmung auch in der Flüchtlingsfrage gemacht. Die einst von Jörg Haider dominierte FPÖ wurde aber nach ersten Analysen darüber hinaus zu einem Sammelbecken der Protestwähler ganz generell. „Es war eine Anti-System-Wahl. Die Menschen sind unzufrieden, wie die Demokratie gestaltet wird“, sagt der Politikberater Thomas Hofer.

Der FPÖ-Kandidat, ein gelernter Flugzeugtechniker, hatte sich zunächst für zu jung für eine Kandidatur gehalten. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache überredete den bisher eher unbekannten 45-Jährigen aber dann doch.

Der eher wegen seines Lebenswandels gerne in der Öffentlichkeit stehende Bauunternehmer Richard Lugner trat ebenfalls an.
Der eher wegen seines Lebenswandels gerne in der Öffentlichkeit stehende Bauunternehmer Richard Lugner trat ebenfalls an.
Foto: Reuters

Der in den Umfragen hoch gehandelte ehemalige Grünen-Chef Van der Bellen blieb letztlich unter den Erwartungen. Der 72 Jahre alte Wirtschaftsprofessor war als unabhängiger Kandidat mit massiver Unterstützung der Grünen aufgetreten. Unabhängig war auf jeden Fall die Top-Juristin Griss (69), die ihren Wahlkampf aus privaten Spenden finanzierte und für einen liberal-bürgerlichen Kurs steht.

Es wird erwartet, dass das desolate Abschneiden der Kandidaten der Regierungsparteien zu heftigen innerparteilichen Diskussionen bei Sozialdemokraten und Konservativen führen wird.

Am Sonntag waren 6,4 Millionen Österreicher ab 16 Jahren zur Wahl aufgerufen. Das Staatsoberhaupt wird für sechs Jahre gewählt und kann einmal wieder kandidieren. Amtsinhaber Heinz Fischer scheidet im Juli nach zwei Amtsperioden aus.


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Es sah lange nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen aus - mit Vorteilen für den FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer. Zuletzt hatte aber Alexander Van der Bellen die Nase vorn. Der Ausgang ist eine Schlappe für die Rechtspopulisten.
CORRECTION - Alexander Van der Bellen, leader of the Green Party, candidate for presidential election shows journalists how he casted his ballot as he leaves the polling station at the 6th district in Vienna during Austria's Presidential elections on December 04,2016. / AFP PHOTO / APA / ROLAND SCHLAGER / Austria OUT / �The erroneous mention[s] appearing in the metadata of this photo by ROLAND SCHLAGER has been modified in AFP systems in the following manner: [Alexander Van der Bellen, candidate for presidential election] instead of [Alexander Van der Bellen, leader of the Green Party, candidate for presidential election]. Please immediately remove the erroneous mention[s] from all your online services and delete it (them) from your servers. If you have been authorized by AFP to distribute it (them) to third parties, please ensure that the same actions are carried out by them. Failure to promptly comply with these instructions will entail liability on your part for any continued or post notification usage. Therefore we thank you very much for all your attention and prompt action. We are sorry for the inconvenience this notification may cause and remain at your disposal for any further information you may require.�
Der österreichische Wahl-Krimi wird fortgesetzt. Das Votum der Briefwähler wird ausgezählt. Der Sieg des Kandidaten der rechten FPÖ oder seines grünen Kontrahenten hängt an wenigen tausend Stimmen.
Presidential candidates Norbert Hofer of the Freedom Party (FPOe) and Alexander Van der Bellen (L) who is supported by the Greens party, take part in a TV debate after the Austrian presidential election in Vienna, Austria, May 22, 2016. REUTERS/Heinz-Peter Bader
Rennen um die Staatsspitze
Schon vor der Wahl wurde vor einem zerrissenen Land gewarnt. Das Ergebnis der Wahl vom Sonntag, bei welcher der Rechtspopulist Hofer und der linksliberale Hofer sich ein Kop-an-Kopf-Rennen liefern, dokumentiert die Sorge: Österreich ist zur Hälfte jeweils „national“ und „international“ ausgerichtet.
Alexander Van der Bellen (links) and Norbert Hofer (rechts) während einem TV-Duell.