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Rechtspopulisten und ihre Sympathie für Putin
Gute Freunde: Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban pflegt ein gutes Verhältnis zu Putin, das auch Geschäftsbeziehungen einschließt.

Rechtspopulisten und ihre Sympathie für Putin

Foto: AFP
Gute Freunde: Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban pflegt ein gutes Verhältnis zu Putin, das auch Geschäftsbeziehungen einschließt.
International 4 Min. 19.03.2018

Rechtspopulisten und ihre Sympathie für Putin

In Westeuropa wettern Rechtspopulisten gegen die alten Eliten. Wenn es aber um Russlands Präsidenten Wladimir Putin geht, freuen sich Gauland, Le Pen & Co., wenn alles beim Alten bleibt.

(dpa) - Waren es früher vor allem europäische Parteien aus dem linken Spektrum, die Verständnis für russische Befindlichkeiten zeigten, so fällt diese Rolle heute eher den Rechtspopulisten zu. Der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland und die Chefin der französischen Front National, Marine Le Pen, gehören denn auch zu den ersten europäischen Politikern, die dem russischen Präsidenten Wladimir Putin mit warmen Worten zu seiner Wiederwahl gratulieren.

Sie und andere Rechtspopulisten zeigen Sympathie für den Nationalismus, den Putin zelebriert. Und sie trommeln für ein Ende der Sanktionen, die von der Europäischen Union nach der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim verhängt worden waren. Eine Ausnahme bildet da die polnische Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS). Polen fühlt sich seit Ausbruch der Ukraine-Krise von Moskau bedroht und hat sich deshalb gemeinsam mit den baltischen Staaten für die Aufrüstung der Nato-Ostflanke eingesetzt. Das Wahlergebnis könne niemanden überraschen, kommentiert PiS-Europaminister Konrad Szymanski Putins Wahlsieg. Er wirft Moskau Manipulation und politische Diskriminierung vor

Der AfD-Abgeordnete Markus Frohnmaier weilte am Montag noch als Wahlbeobachter in Russland. Das, was deutsche Russland-Kenner oft als „gelenkte Demokratie“ bezeichnen, möchte er nicht kommentieren. Er sagt: „Ich will keine russischen Verhältnisse in Deutschland, aber vielleicht wollen die Russen ja auch keine deutschen Verhältnisse in Russland.“ Die Wiederwahl Putins begrüßt er: „Ich bin der Meinung, dass ein multiethnisches, multireligiöses Land wie Russland, das in den 90er Jahren große Veränderungen erlebt hat, Stabilität braucht, und die kann dieser Präsident geben.“

Marine Le Pen und Wladimir Putin im April 2017 in Moskau.
Marine Le Pen und Wladimir Putin im April 2017 in Moskau.
Screenshot TF1

Putins Wahlerfolg bestätige „die Stabilität und die demokratische Verankerung Russlands“, heißt es von Le Pens Front National (FN). Das Wahlergebnis müsse die EU dazu bringen, ihre „absurde und kontraproduktive Politik der Erpressung, der Bedrohungen und der Sanktionen zu beenden“. Le Pen zeigt schon länger Sympathien für Putin - während des französischen Präsidentschaftswahlkampfs im vergangenen Jahr hatte sie den Kreml-Chef in Moskau besucht.  

Für die FN-Europaabgeordnete Mylène Troszczynski ist Putin sogar ein Vorbild. Sie kommentiert den Ausgang der Wahl via Twitter: „Patriotismus, Unabhängigkeit, Respekt der Souveränität der Staaten: Unsere westlichen Anführer täten gut daran, sich von einer solchen Politik inspirieren zu lassen.“

Die österreichischen Rechtspopulisten geben sich da vorsichtiger. Seit ihrem Einzug in die Koalitionsregierung mit den Konservativen hat die FPÖ ihre Putin-Begeisterung zumindest öffentlich etwas gedämpft. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache achtet auf gemäßigteres Auftreten. Grundsätzlich unterstützte die FPÖ die Positionen Russlands in der Vergangenheit aber - auch mit Blick auf die Situation auf der Krim. Ende 2016 unterzeichnete die Partei sogar einen Kooperationsvertrag mit der Kreml-Partei „Einiges Russland“. Als Ziel formulierte man damals unter anderem die „Erziehung der jungen Generation im Geiste von Patriotismus und Arbeitsfreude“.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban, zugleich Vorsitzender der Fidesz-Partei, pflegt ein gutes Verhältnis zu Putin, das auch Geschäftsbeziehungen einschließt. In seiner Rede vom Juli 2014, in der er sich zum „illiberalen Staat“ bekannte, nannte er Russland neben der Türkei und China als Vorbilder.

In den Niederlanden äußerte sich zunächst keiner der prominenten Rechtspopulisten zur Wiederwahl des russischen Präsidenten - eine Pro-Putin Äußerung wäre angesichts der Kommunalwahlen am Mittwoch taktisch auch unklug. Das Verhältnis zwischen den Niederlanden und Russland ist durch den Abschuss des Passagierfluges MH17 von einer russischen Buk-Rakete angekratzt. Rechtspopulist Geert Wilders hatte Moskau zuletzt Ende Februar besucht und war dort mit führenden russischen Politikern zusammengetroffen. Er sieht in der russischen Regierung unter Putin einen Verbündeten im Kampf gegen „Islam-Terrorismus und Massenimmigration“.

Der außenpolitische Sprecher der rechtspopulistischen dänischen Volkspartei, Søren Espersen, zeigt vor allem Verständnis für die russischen Wähler. Er sagte laut Nachrichtenagentur Ritzau, Putin habe „ein sehr starkes Mandat“ bekommen. „Ich denke, die Menschen in Russland haben das Gefühl, dass Wladimir Putin sie wieder in die Superliga gehoben hat, nachdem sie sich nach dem Fall der Sowjetunion jahrelang schlecht behandelt fühlten.“

Alexander Gauland von der deutschen AfD sagt, im deutsch-russischen Verhältnis müsse man zu einer „konstruktiven Normalität“ zurückkehren. Dazu zähle auch ein Ende der „für beide Seiten schädlichen Sanktionen“. 

Ähnlich tönt es sonst fast nur noch aus dem entgegengesetzten Ende des politischen Spektrums bei Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht. Sie schreibt auf Twitter: „Keine Verschärfung des Kalten Krieges, sondern neue Entspannungspolitik: Nach Wiederwahl von Putin ist Neustart der Beziehungen mit Russland nötig. Statt Vorverurteilungen & immer absurderen Sanktionsforderungen muss das Sanktionsregime beendet werden.



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