Rebellen geben Aleppo auf
Rebellen geben Aleppo auf
(dpa) - Die syrischen Regierungstruppen haben nach einem erbitterten Kampf wieder die Kontrolle über die Großstadt Aleppo übernommen. Die Gefechte im Osten der Stadt seien beendet, sagte Russlands UN-Botschafter Witali Tschurkin am Dienstag in New York. Die Rebellen hatten sich mit dem syrischen Regime von Präsident Baschar al-Assad auf einen Abzug aus den verbliebenen Stadtvierteln im Osten Aleppos verständigt. Wie es aus syrischen Regierungskreisen hieß, soll der Abzug am Mittwochmorgen beginnen.
Nahezu seit Beginn des Bürgerkrieges in Syrien vor gut vier Jahren war die frühere Handelsmetropole Aleppo geteilt zwischen Regierungstruppen im Westen und der Opposition im Osten. Im Sommer kappte die syrische Armee dann zunächst die letzten Versorgungswege in die Rebellengebiete, vor einem Monat begann sie eine Großoffensive mit Hilfe russischer Kampfflugzeuge. Die humanitäre Lage in der Stadt war nach Angaben von Hilfsorganisationen katastrophal. Mehr als 40 000 Menschen flohen in den vergangenen Tagen vor den Kämpfen.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte seiner Organisation angesichts der Situation Kapitalversagen bei der Lösung des Konflikts in Syrien attestiert. „Wir alle haben die Menschen in Syrien bislang kollektiv hängenlassen“, sagte Ban bei einer kurzfristig einberufenen Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats am Dienstag in New York. „Dieses Versagen zwingt uns, mehr zu tun, um den Menschen in Aleppo jetzt unsere Solidarität zu zeigen.
Sicherheitsexperten und Verteidigungspolitiker warfen dem Westen schwere Verfehlungen im Syrien-Konflikt vor.
Die Einigung über den Abzug aus der Stadt kam offenbar unter Vermittlung von Russland als Verbündetem der syrischen Regierung und der Türkei als Unterstützer der Rebellen zustande. Nach Angaben der türkischen Regierung sollen sie die Umsetzung des Abkommens garantieren. Unklar war zunächst, ob auch die Al-Kaida-nahe Fatah-al-Scham-Front (früher: Al-Nusra) abzieht und Teil der Abmachung ist.
Der anstehende Abzug bedeutet einen wichtigen Sieg für die syrische Regierung im fast sechs Jahre dauernden Bürgerkrieg. Das Regime von Präsident Baschar al-Assad kontrolliert damit wieder alle großen Städte des Landes. Beobachter rechnen trotzdem nicht damit, dass der Bürgerkrieg bald endet. Rebellen beherrschen unter anderem die Provinz Idlib im Nordwesten Syriens. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat im Norden und Osten Syriens noch große Gebiete unter Kontrolle.
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