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Reaktionen auf Angriff: Teheran droht mit Rache
International 3 Min. 03.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Reaktionen auf Angriff: Teheran droht mit Rache

Zwei Soldaten der US-Armee beobachten von einem Posten aus die Proteste vor der Botschaft der Vereinigten Staaten in Bagdad.

Reaktionen auf Angriff: Teheran droht mit Rache

Zwei Soldaten der US-Armee beobachten von einem Posten aus die Proteste vor der Botschaft der Vereinigten Staaten in Bagdad.
Foto: DPA
International 3 Min. 03.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Reaktionen auf Angriff: Teheran droht mit Rache

Mit der gezielten Tötung des Generals Soleimani habe US-Präsident Trump „eine Stange Dynamit in ein Pulverfass geworfen“, sagt der frühere US-Vizepräsident Joe Biden.

 (dpa) - Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran spitzt sich gefährlich zu. Nach der Tötung des iranischen Generals Ghassem Soleimani durch einen gezielten US-Angriff in Bagdad droht die oberste Führung in Teheran den USA mit Vergeltung. „Soleimanis Weg wird auch ohne ihn weitergeführt, aber die Kriminellen erwartet eine schwere Rache“, schrieb Ajatollah Ali Chamenei am Freitag in einem Beileidsschreiben, das im iranischen Staatsfernsehen zitiert wurde. Die Eskalation löste international Furcht vor einem Krieg aus.


(FILES) A file image grab taken from a broadcast by Islamic Republic of Iran Broadcasting (IRIB) on October 1, 2019, shows Qasem Soleimani, Iranian Revolutionary Guards Corps (IRGC) Major General and commander of the Quds Force, speaking during an interview with members of the Iranian Supreme Leader's bureau in Tehran. - A US strike killed top Iranian commander Qasem Soleimani and the deputy head of Iraq's Hashed al-Shaabi military force at Baghdad's airport early on January 3, 2020, the Hashed announced. (Photo by - / IRIB TV / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO / HO / IRIB" - NO MARKETING NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS  /NO RESALE/ NO ACCESS ISRAEL MEDIA/PERSIAN LANGUAGE TV STATIONS/ OUTSIDE IRAN/ STRICTLY NI ACCESS BBC PERSIAN/ VOA PERSIAN/ MANOTO-1 TV/ IRAN INTERNATIONAL" /
Kommentar: Trumps drohender Krieg
Mit der Tötung von Ghassem Soleimani hat Donald Trumps Amtszeit eine grundlegende Wende genommen, meint LW-Korrespondent Karl Doemens.

Soleimani, der Kommandeur der iranischen Al-Kuds-Brigaden, wurde am Donnerstag (Ortszeit) bei einem US-Raketenangriff nahe dem Flughafen der irakischen Hauptstadt Bagdad getötet. Das Pentagon sprach von einem „Akt der Verteidigung“. Der Angriff sei auf Anweisung von Präsident Donald Trump erfolgt, um weitere Attacken auf US-Kräfte zu verhindern. Soleimani habe an Plänen gearbeitet, um US-Diplomaten und Einsatzkräfte im Irak und in der Region zu attackieren. Getötet wurde auch der stellvertretende Leiter der irakischen Volksmobilisierungskräfte, Abu Mahdi al-Muhandis, wie die Medienstelle der vom Iran unterstützten Miliz erklärte.

Im Iran gab es am Freitag in fast allen Teilen des Landes spontane Kundgebungen gegen die USA. Die US-Botschaft in Bagdad rief ihre Staatsbürger zur sofortigen Ausreise aus dem Irak auf. In den Vereinigten Staaten entbrannte eine Debatte über die Rechtmäßigkeit des US-Angriffs. „Präsident Trump hat soeben eine Stange Dynamit in ein Pulverfass geworfen“, erklärte der frühere US-Vizepräsident und demokratische Präsidentschaftsbewerber Joe Biden.

Gefährliche Entwicklung

Auch in Indien protestierten die Menschen gegen den US-Angriff.
Auch in Indien protestierten die Menschen gegen den US-Angriff.
AFP

Beobachter befürchten eine gefährliche Eskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Iran. Die im Irak eingesetzten Bundeswehrsoldaten verschärften ihre Sicherheitsmaßnahmen, wie ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam sagte. Im Militärkomplex Tadschi nördlich von Bagdad sind derzeit 27 Bundeswehrsoldaten für die Ausbildung irakischer Kräfte im Einsatz.


ARCHIV - 05.03.2019, Hessen, Frankfurt/Main: Bulle und Bär stehen als Bronzeskulpturen vor der Frankfurter Wertpapierbörse im Regen. (Zu dpa: «Mehr Umsatz und weniger Gewinn - Gemischte Bilanz der Top-Konzerne») Foto: Arne Dedert/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Spannungen zwischen USA und Iran setzen Finanzmärkte unter Druck
Börsen im Minus, der Ölpreis legt zu. Nach der Tötung eines iranischen Generals durch einen US-Raketenangriff im Irak wächst an den Finanzmärkten weltweit die Unruhe.

Der General und die Al-Kuds-Brigaden seien verantwortlich für den Tod von Hunderten Amerikanern und Verbündeten, erklärte das Pentagon. Soleimani habe in den vergangenen Monaten Angriffe auf Stützpunkte von US-Verbündeten gesteuert und auch die gewaltsamen Proteste an der US-Botschaft in Bagdad gebilligt. Mit Soleimanis Tötung habe man den Iran von weiteren Angriffen abhalten wollen.

Auch der iranische Präsident Hassan Ruhani kündigte Vergeltung an. „Zweifellos werden der Iran und andere unabhängige Staaten dieses schreckliche Verbrechen der USA rächen“, erklärte Ruhani in einem Kondolenzschreiben. Diese feige Tat zeige die Verzweiflung der US-Nahostpolitik. Außenminister Mohammed Dschwad Sarif twitterte: „Die Ermordung General Soleimanis war extrem gefährlich und wird zu einer Eskalation der Krise führen.“

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu brach wegen der Lage im Irak seinen Besuch in Griechenland ab, um die aktuellen Entwicklungen zu verfolgen, wie sein Büro am Freitag mitteilte. Der Regierungschef wäre planmäßig erst am Samstag nach Israel zurückgereist. Das Land befindet sich nach dem Vorfall im Irak in erhöhter Alarmbereitschaft. Israel und der Iran sind Erzfeinde. Teheran hat in der Vergangenheit mit Vergeltungsschlägen gegen den US-Verbündeten Israel gedroht.


A picture published by the media office of the Iraqi military's joint operations forces on their official Facebook page shows a destroyed vehicle on fire following a US strike on January 3, 2020 on Baghdad international airport road in which top Iranian commander Qasem Soleimani was killed along with eight others, including the deputy head of Iraq's powerful Hashed al-Shaabi paramilitary force. - Early Friday, a volley of US missiles hit Baghdad's international airport, striking a convoy belonging to the Hashed al-Shaabi, an Iraqi paramilitary force with close ties to Iran. Soleimani was killed in the US strike on the Iraqi capital's airport, according to Hashed, in a dramatic escalation of tensions between Washington and Tehran. (Photo by - / IRAQI MILITARY / AFP) / === RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO / HO / IRAQI MILITARY" - NO MARKETING NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS ===
US-Militär tötet hohen iranischen General
Ghassem Soleimani war der wichtigste Vertreter des iranischen Militärs im Ausland. Seine Tötung durch das US-Militär wird nicht ohne Folgen bleiben.

Die militanten Palästinenserorganisationen Hamas und Islamischer Dschihad im Gazastreifen verurteilten die Tötung Soleimanis. „Die Vereinigten Staaten von Amerika tragen die Verantwortung für das Blutvergießen in der arabischen Region“, teilte die Hamas mit. Die Extremistenorganisation Islamischer Dschihad bezeichnete die USA als den „großen Teufel“. Beide Palästinenserorganisationen werden vom Iran unterstützt und von der EU und den USA als Terrororganisationen eingestuft. Sie zielen auf eine Zerstörung Israels.

Auch Russland befürchtet nach der Tötung Soleimanis weitere Gewalt im Irak. Es könne zu Zusammenstößen zwischen radikalen Schiiten und den USA kommen, sagte der prominente russische Außenpolitiker Konstantin Kossatschow am Freitag der Agentur Interfax zufolge in Moskau. „Kriege lassen sich leicht beginnen, aber nur schwer beenden.“

China, das wie Russland als Verbündeter des Irans gilt, rief alle Seiten zur Mäßigung auf. „Wir mahnen alle beteiligten Parteien, besonders die Vereinigten Staaten, Ruhe und Zurückhaltung walten zu lassen, um weitere Spannungen und Eskalationen zu vermeiden“, sagte Außenministeriumssprecher Geng Shuang in Peking. Die Souveränität und territoriale Unversehrtheit des Iraks müssten respektiert werden.



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Iranians demonstrate against American crimes in the capital Tehran on January 3, 2020 following the killing of Iranian Revolutionary Guards top commander Qasem Soleimani in a US strike on his convoy at Baghdad international airport. - The Pentagon said US President Donald Trump had ordered Soleimani's "killing" after a pro-Iran mob this week laid siege to the US embassy in the Iraqi capital. Iran's supreme leader Ayatollah Ali Khamenei swiftly vowed "severe revenge" for Soleimani's death, the biggest escalation yet in a feared proxy war between Iran and the US on Iraqi soil. (Photo by ATTA KENARE / AFP)