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Rätsel um das Ziel des Getreidefrachters „Razoni“
International 09.08.2022
Nach spontaner Kursänderung

Rätsel um das Ziel des Getreidefrachters „Razoni“

Die „Razoni" bei der Fahrt durch den Bosporus in Richtung Libanon – das war zumindest das angegebene Ziel. Stattdessen ankert das Schiff in der Türkei.
Nach spontaner Kursänderung

Rätsel um das Ziel des Getreidefrachters „Razoni“

Die „Razoni" bei der Fahrt durch den Bosporus in Richtung Libanon – das war zumindest das angegebene Ziel. Stattdessen ankert das Schiff in der Türkei.
Foto: Onur Dogman/SOPA Images via ZUMA
International 09.08.2022
Nach spontaner Kursänderung

Rätsel um das Ziel des Getreidefrachters „Razoni“

Statt wie geplant nach Syrien zu fahren, lag die „Razoni" in Iskenderun vor Anker. Nun ankert das Schiff sogar in einem Hafen westlich davon.

(dpa) - Das mit ukrainischem Getreide beladene Frachtschiff „Razoni“ hat unerwartet vor dem türkischen Hafen in Mersin geankert. Das zeigten die Schiffsortungsdienste vesselfinder.com und marinetraffic.com am Dienstag. Eigentlich sollten die 26.000 Tonnen Mais in den libanesischen Hafen Tripoli und von dort nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur weiter ins benachbarte Syrien transportiert werden. Etwa einen Tag vor Ankunft änderte das Schiff dann seinen Kurs.


ACHTUNG: SPERRFRIST 16. AUGUST 20:00 UHR. ACHTUNG: DIESER BEITRAG DARF NICHT VOR DER SPERRFRIST, 16. AUGUST 20.00 UHR DEUTSCHER ZEIT VERÖFFENTLICHT WERDEN! - ARCHIV - 14.07.2018, Bayern, Straubing: Reifer Weizen auf einem Feld. Nach jahrelangen internationalen Anstrengungen ist das komplexe Erbgut des Weizens nahezu vollständig entschlüsselt. Eine Gruppe von mehr als 200 Forschern aus 73 Einrichtungen in 20 Ländern veröffentlichte in der Fachzeitschrift «Science» eine Beschreibung des Genoms von Brotweizen. (zu dpa:" Brot für die Welt - Erbgut des Weizens entschlüsselt" vom 16.08.2018) Foto: Armin Weigel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Die ukrainische Weizenblockade ist zu Ende
In Istanbul wurde eine Vereinbarung für die Wiederaufnahme der ukrainischen Getreideexporte unterzeichnet. Das ist ein bedeutender Schritt.

Die „Razoni“ hatte den ukrainischen Schwarzmeer-Hafen Odessa vor einer Woche verlassen - als erstes Schiff nach Ende einer Getreide-Blockade Russlands. Nach einer Inspektion in Istanbul steuerte sie zuerst den Libanon an, erklärte als neues Ziel dann aber unerwartet „Order“, also einen unbestimmten Ort, von dem aus ein Händler die geladene Ware dann bestellt.

Seit Samstag lag die „Razoni“ nahe der türkischen Küste bei Iskenderun vor Anker - und machte sich laut Marinetraffic dann in der Nacht zum Dienstag auf in Richtung des Hafens von Mersin, gut 100 Kilometer westlich von Iskenderun. Der Hafenbetreiber war vorerst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Mais sollte vielleicht nach Syrien geliefert werden

Die ukrainische Botschaft im Libanon teilte am Montagabend unter Berufung auf die Spediteure mit, der Käufer sei abgesprungen - unter Verweis auf eine fünf Monate lange Wartezeit. Man sei auf der Suche nach einem neuen Empfänger im Libanon oder anderswo. Dass die „Razoni“ ihren Zielort kurz vor Ankunft geändert habe, sei aber „etwas seltsam“, sagte ein Sprecher von Marinetraffic.


A picture shows the damaged grain silos at the port of the Lebanese capital Beirut, on August 2, 2022, following a partial collapse due to an ongoing fire since the beginning of the month. - On August 4, Lebanon will mark two years since the port's massive explosion that killed more than 200 people. It was caused by a stockpile of haphazardly stored ammonium nitrate fertiliser catching fire. The silos, had shielded the western part of the Lebanese capital when the  catastrophic blast took place two years ago. (Photo by PATRICK BAZ / AFP)
Der Libanon verharrt im Stillstand
Zwei Jahre nach der Explosionskatastrophe im Beiruter Hafen hat sich die humanitäre Krise weiter verschärft. Nun gibt es etwas Hoffnung.

Libanesische Regierungsvertreter hatten der dpa zuvor gesagt, Händler hätten wohl einen Teil der erwarteten Mais-Ladung vom Libanon ins benachbarte Syrien bringen wollen. Der Export von Lebensmitteln nach Syrien ist legal, wird aber erschwert durch Finanzsanktionen des Westens gegen die syrische Regierung. Die Hisbollah etwa schmuggelt in großem Stil unter anderem Lebensmittel und Medizin nach Syrien und kontrolliert auch die meisten illegalen Grenzübergänge.

Beobachter im Libanon machte die große Ladung Mais ebenfalls stutzig, die angeblich gemahlen und an Tiere verfüttert werden sollte. Der Libanon brauche in seiner schweren Wirtschafts- und Lebensmittelkrise Weizen, keinen Mais, sagte Hani Buschali, Präsident des libanesischen Konsortiums für Lebensmittelimporte. Möglich schien auch, dass der angedachte Transport nach Syrien platzte - wegen der großen medialen Aufmerksamkeit für die „Razoni“.


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