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Rackete fordert: Flüchtlinge aus libyschen Lagern nach Europa holen
International 2 Min. 15.07.2019 Aus unserem online-Archiv

Rackete fordert: Flüchtlinge aus libyschen Lagern nach Europa holen

Rackete fordert: Flüchtlinge aus libyschen Lagern nach Europa holen

Foto: AFP
International 2 Min. 15.07.2019 Aus unserem online-Archiv

Rackete fordert: Flüchtlinge aus libyschen Lagern nach Europa holen

Seenotretterin Carola Rackete ruft Europa dazu auf, einer halbe Million Menschen aus Libyen ins sichere Europa zu bringen. Die Forderung stößt auch auf Ablehnung.

(dpa) - Die Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete hat Europa zur Aufnahme Hunterttausender Migranten aufgefordert, die sich derzeit in Libyen befinden. „Die, die in Libyen sind, müssen dort sofort raus in ein sicheres Land“, sagte Rackete der „Bild“-Zeitung (Montag). „Wir hören von einer halben Million Menschen, die in den Händen von Schleppern sind oder in libyschen Flüchtlingslagern, die wir rausholen müssen.“ Ihnen müsse sofort bei einer sicheren Überfahrt nach Europa geholfen werden.


ARCHIV - 20.06.2019, ---, Mittelmeer: HANDOUT - Carola Rackete aus Kiel, deutsche Kapitänin der «Sea-Watch 3», aufgenommen an Bord des Rettungschiffs. Die Kapitänin des Rettungsschiffs ist bereit, die Konfrontation mit der italienischen Regierung weiter eskalieren zu lassen. Wenn es keine Einigung über die Migranten an Bord gebe und das Schiff somit anlegen dürfe, sei sie bereit, ohne Erlaubnis in den Hafen der Insel Lampedusa zu fahren, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. «Die Situation (auf dem Schiff) ist aktuell sehr angespannt.» Sie könne nicht mehr für die Sicherheit der Menschen an Bord garantieren. Manche drohten über Bord zu springen. Foto: Till M. Egen/Sea-Watch.org/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
Fragen und Antworten zur "Sea-Watch 3"
Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete ist in Lampedusa unter Hausarrest, ihre Passagiere durften an Land. Doch was ist eigentlich passiert, wie ist die Rechtslage und wie geht es jetzt weiter?

Racketes Forderung stieß auf gemischte Reaktionen. Bei den Linken gab es Zuspruch: Berlin müsse „allen in Libyen befindlichen Flüchtlingen (...) eine Aufnahme in Deutschland ermöglichen“, erklärte die innenpolitische Sprecherin der Linke-Bundestagsfraktion, Ulla Jelpke.

Nach Meinung des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann „schießt Frau ‎Rackete weit über das Ziel hinaus“. Der CSU-Politiker sagte: „Ich lehne das klar ab.“ Und weiter: „Wir ‎können nicht eine halbe Million Wirtschaftsflüchtlinge oder solche, die ‎aus Armut nach Europa kommen, ohne Weiteres bei uns aufnehmen.“ 

Ich lehne das klar ab.

Rackete erklärte in dem „Bild“-Interview, dass heute kein Unterschied mehr zwischen verschiedenen Migrantengruppen gemacht werden könne. „Wir kommen jetzt zu einem Punkt, wo es "forced migration" gibt, also eine durch äußere Umstände wie Klima erzwungene Migration. Und da haben wir keine Wahl mehr und können nicht einfach sagen, dass wir die Menschen nicht wollen“, so Rackete.


This handout photo taken on June 27, 2019 and released on June 28, 2019 by NGO Sea Watch shows rescuers evacuating a young migrant (C) for medical reason from the Sea Watch 3 rescue ship off the coast of Lampedusa. - A sick 19-year-old migrant and his young brother have been evacuated late on June 27 from a Sea-Watch rescue boat banned by Italy from docking on the island of Lampedusa, as another 40 migrants are still onboard. The stand-off between Sea-Watch 3 and the Italian authorities escalated on June 26 when the vessel entered Italian waters despite a threat of hefty fines from far-right Interior Minister Matteo Salvini. (Photo by Handout / Sea Watch / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO / SEA WATCH" - NO MARKETING NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS --- NO ARCHIVE ---
Tödliche Gleichgültigkeit
Eine Völkergemeinschaft, die Flüchtlinge und Schiffbrüchige nicht retten will, ist am Ende.

Herrmann hingegen sagte nun: Die ‎Anerkennungsquote für Flüchtlinge aus Afrika sei gering. Der richtige Weg sei es, Afrika zu helfen. „Wir müssen die Armut und ‎den Hunger in Afrika bekämpfen, aber nicht Tausenden von Menschen ‎eine vergebliche Hoffnung auf ein besseres Leben in Europa machen.“

"Historische Verantwortung"

Rackete hatte Ende Juni ein Rettungsschiff der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch mit Migranten an Bord unerlaubt nach Italien gefahren. Gegen die 31-Jährige aus Niedersachsen wird in Italien unter anderem wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung ermittelt. Die Staatsanwaltschaft in Agrigent bereitete derweil eine Berufung gegen die Freilassung Racketes beim obersten Gericht in Rom vor.


Ein Crew-Mitglied der "Alan Kurdi" bei einem Einsatz im Mittelmeer.
Rettung und kein Land in Sicht
Der Umgang von Matteo Salvini mit Bootsflüchtlingen im Mittelmeer und Seenotrettern wirft viele Fragen auf .

Migranten werden in Libyen ohne gültige Papiere in Internierungslager mit katastrophalen Zuständen gesteckt. Dort mangelt es an Toiletten, Duschen, Essen, Trinken und die Menschen werden nach Berichten von UN und Hilfsorganisationen teilweise misshandelt. Rackete sagte, Deutschland und andere europäische Staaten hätten „eine historische Verantwortung an den Umständen in Afrika noch aus der Kolonialzeit“.

Wie mit Migranten aus Libyen und Bootsflüchtlingen umgegangen werden soll, ist in der EU seit Jahren strittig. Am Montag sprachen auch die EU-Außenminister in Brüssel über das Thema, jedoch ohne Beschlüsse zu fassen.


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