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Qualitätsjournalismus ausgezeichnet
International 5 Min. 05.07.2019 Aus unserem online-Archiv

Qualitätsjournalismus ausgezeichnet

Die als "Nazi-Jägerin" bekannte Deutsch-Französin Beate Klarsfeld wurde mit dem Großen Preis ausgezeichnet.

Qualitätsjournalismus ausgezeichnet

Die als "Nazi-Jägerin" bekannte Deutsch-Französin Beate Klarsfeld wurde mit dem Großen Preis ausgezeichnet.
Foto: dpa
International 5 Min. 05.07.2019 Aus unserem online-Archiv

Qualitätsjournalismus ausgezeichnet

Der Deutsch-Französische Journalistenpreis gehört zu den wichtigsten Medienpreisen Europas. Nun sind die Auszeichnungen am Mittwochabend zum 36. Mal verliehen worden.

Zum 36. Mal ist am Abend der Deutsch-Französische Journalistenpreis (DFJP) verliehen worden. Die Auszeichnung in den Kategorien Textbeitrag, Multimedia, Video, Audio und Nachwuchs erfolgte in diesem Jahr bei Radio France in Paris. Zudem erhielten Beate und Serge Klarsfeld den Großen Deutsch-Französischen Medienpreis für ihr Lebenswerk und ihr Engagement für ein demokratisch verfasstes Europa.

In den journalistischen Kategorien wurden ausgezeichnet:

Kategorie Audio: Caroline Gillet für „Foule continentale“, Radio France;

Kategorie Video: Kirsten Esch für „Forschung und Verbrechen – Die Reichsuniversität Straßburg“; Südwestrundfunk/ARTE;

Kategorie Textbeitrag: Lena Kampf für „Die unendliche Geduld von Papier“, Süddeutsche Zeitung Magazin;

Kategorie Multimedia: Studierende des CUEJ Strasbourg für „Champs de bataille“;

Kategorie Nachwuchspreis: (gestiftet vom Deutsch-Französischen Jugendwerk) Carolin Dylla für „Der Aachener Vertrag oder „Élysée 2.0“ – Upgrade für die deutsch-französische Zusammenarbeit?“, Saarländischer Rundfunk.

Beate Klarsfeld inmitten der anderen Preisträger des deutsch-französischen Journalistenpreises 2019 im Beisein der Laudatoren, Professor Thomas Kleist, Intendant des Saarländischen Rundfunks (l.) und dem Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen Armin Laschet (3 v. r.)
Beate Klarsfeld inmitten der anderen Preisträger des deutsch-französischen Journalistenpreises 2019 im Beisein der Laudatoren, Professor Thomas Kleist, Intendant des Saarländischen Rundfunks (l.) und dem Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen Armin Laschet (3 v. r.)
Foto: DFJP

Der DFJP gehört zu den wichtigsten Medienpreisen Europas. Die prämierten Beiträge stellen nach Auffassung der Jury exzellente Beispiele für Qualitätsjournalismus dar und tragen so zu einem besseren Verständnis der gesellschaftlichen Zusammenhänge in Deutschland, Frankreich und ganz Europa bei.

Großer Deutsch-französischer Medienpreis

Anlässlich der Verleihung des Großen Deutsch-Französischen Medienpreises des DFJP an Beate und Serge Klarsfeld für ihr außergewöhnliches Engagement für Gerechtigkeit und Menschenwürde sowie gegen Antisemitismus und Rassismus sagte der Intendant des Saarländischen Rundfunks, Professor Thomas Kleist, in seiner Begrüßungsrede: „Hasskommentare, absurde Verschwörungstheorien, Judenhass und antisemitische Straftaten haben im vergangenen Jahr in Frankreich und in Deutschland dramatisch zugenommen. Deshalb ist die Arbeit des Ehepaars Klarsfeld wider das Vergessen auch und gerade in Zeiten des Internets von großer Bedeutung. Beide sind für uns Vorbilder."


Die aus Berlin stammende Französin Beate Klarsfeld beschimpft während einer Bundestagssitzung am 02.04.1968 von der Zuschauertribüne im Bundestag in Bonn  Bundeskanzler Kiesinger als "Nazi" und "Verbrecher". Neben ihr ein Saaldiener. | Verwendung weltweit
Beate Klarsfeld: Mit einem Schlag berühmt
Am 7. November 1968 versetzte Beate Klarsfeld dem deutschen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger eine Ohrfeige. Ein symbolischer Akt, der ihren Kampf für die Aufklärung der deutschen Naziverbrechen ins Rampenlicht rückte.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und Bevollmächtigte für die deutsch-französischen Kulturbeziehungen, Armin Laschet, war in diesem Jahr als Ehrengast auf der Preisverleihung. Dabei betonte er die Wichtigkeit der Meinungs- und Pressefreiheit. „Beate und Serge Klarsfeld haben wachgerüttelt, als viele schweigen und vergessen wollten. Sie haben Finger in Wunden gelegt und verkörpern dadurch bis heute beispielhaft die Wächterfunktion von Journalismus. In Zeiten, in denen die Sorgen vor Populismus und Manipulation sowie vor Einschränkung der Pressefreiheit wachsen, erhält diese Rolle umso mehr Bedeutung. Wir Deutschen und Franzosen müssen gemeinsam daran erinnern, dass für eine funktionierende Demokratie die Meinungs- und Pressefreiheit zwingend ist.

Beate Klarsfeld wurde vor gut 50 Jahren, im April 1968, durch eine Ohrfeige an den damaligen Bundeskanzler Kurt-Georg Kiesinger wegen dessen Verstrickung in das NS-Regime auch international bekannt. Später sorgte sie mit ihrem Ehemann Serge Klarsfeld dafür, dass sich der frühere Gestapochef und sogenannte „Schlächter von Lyon“, Klaus Barbie, sowie weitere NS-Verbrecher vor Gericht verantworten mussten. Beide bedankten sich für die Auszeichnung und zeigten sich entsetzt über die aktuellen Nachrichten und die dramatische Zunahme antisemitischer Straftaten sowie die Anfeindungen von Menschen mit jüdischer Herkunft in vielen Ländern Europas Ausdruck.

Der leidenschaftliche EU-Befürworter Serge Klarsfeld hob die Bedeutung des Kampfes gegen den Extremismus hervor: „Keine rechts- oder linksextreme Partei hat den Völkern, deren Schicksal sie drei in die Hände nahm, Glück gebracht. Niemals. Das führte nur zu Katastrophen.“ Beate und Serge Klarsfeld sehen sich selbst als „intelligente Menschen, nicht als Intellektuelle“ und ziehen es vor, konkret zu handeln. „Wir hatten keine politischen Ambitionen, aber wir haben uns wie deutsch-französische Bürger verhalten.“ Beate und Serge Klarsfeld freuten sich über diesen Preis, der einmal mehr die Anerkennung ihrer Arbeit durch Deutschland und Frankreich sowie die Würdigung der Journalisten beider Länder deutlich mache. 


Die als "Nazi-Jägerin" bekannte Deutsch-Französin Beate Klarsfeld steht in ihrem Büro. Im Hintergrund hängt ein Zeitungsbericht über ihre Aktion gegen den damaligen deutschen Bundeskanzler Kiesinger.
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Am Mittwoch feiert Beate Klarsfeld ihren 80. Geburtstag. Berühmt wurde sie durch ihre Ohrfeige des deutschen Bundeskanzlers Kurt Georg Kiesinger im Jahr 1968.

Die Intendantin von Radio France und zweite Gastgeberin der Zeremonie, Sibyle Veil, erinnerte in ihrer Begrüßungsrede ebenfalls an die Bedeutung von Zivilcourage und Engagement der europäischen Bürgerinnen und Bürger, wenn es um die Verteidigung der Brüderlichkeit, des Friedens und der demokratischen Werte gehe. Sie betonte die Rolle des Journalismus bei der Verankerung des Europas der Bürger: „Der Journalismus, den wir heute feiern, bringt Europa den Bürgerinnen und Bürgern näher und bestärkt unsere gemeinsame Kultur. Er kann den Europäern auch Lust darauf machen, sich zu engagieren, und ihnen erklären, wie sie das machen können. Möge das Engagement unserer Ehrengäste Beate und Serge Klarsfeld den jungen Generationen auf ihrer Suche nach Sinn und Fortschritt als Beispiel dienen!“

Als neues Mitglied des Deutsch-Französischen Journalistenpreises e.V. begrüßte der Vorstandsvorsitzende, Prof. Thomas Kleist, den französischen Sender France Médias Monde (FMM). Das Unternehmen wurde im April 2008 gegründet und umfasst die drei Sender des französischen Auslandsrundfunks: Radio France Internationale (RFI), Radio Monte Carlo Doualiya (MCD, in arabischer Sprache) sowie das Fernsehprogramm France 24.


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