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Putin warnt vor Folgen der Russland-Sanktionen
International 3 Min. 16.11.2014 Aus unserem online-Archiv
G20-Gipfel

Putin warnt vor Folgen der Russland-Sanktionen

Einschüchtern lässt sich Putin nicht.
G20-Gipfel

Putin warnt vor Folgen der Russland-Sanktionen

Einschüchtern lässt sich Putin nicht.
REUTERS
International 3 Min. 16.11.2014 Aus unserem online-Archiv
G20-Gipfel

Putin warnt vor Folgen der Russland-Sanktionen

Beim G20-Gipfel in Australien nehmen westliche Staats- und Regierungschefs Kremlchef Putin wegen der Ukraine-Krise in die Mangel. Im ARD-Interview kritisiert der russische Präsident einseitige Sichtweisen und warnt vor schweren Folgen der Sanktionen.

Was auf dem G20-Gipfel wichtig war

- Ukraine: Sie war DAS Themas dieses Wirtschaftsgipfels und auch Gegenstand nächtlicher Gespräche der Kanzlerin mit Putin. Keine weiteren Sanktionen gegen Russland.

- Wachstum: Die G20-Staaten wollen bis 2018 zusätzlich 2,1 Prozent Wachstum der Weltwirtschaft erreichen.

- Steuern: Konzerne können erstmal weiter legale Tricks nutzen, um Steuern in großem Stil zu sparen.

- Klima: Alle wollen einen neuen Klimaschutzvertrag bis Ende 2015.

- Ebola-Erklärung: Sie bleibt maximal unverbindlich. Im Kampf gegen die Seuche wollen die mächtigsten Volkswirtschaften „das Nötige“ tun.

- Nächster G20-Gipfel: Am 15./16. November 2015 im türkischen Antalya

(dpa) -  Der russische Präsident Wladimir Putin hat im Ukraine-Konflikt vor einseitigen Schuldzuweisungen gewarnt. In einem Interview für die ARD-Sendung „Günther Jauch“ wies Putin außerdem darauf hin, dass Sanktionen gegen Russland auch für Deutschland ernste Folgen haben könnten. Der Ukraine-Konflikt war das dominierende Thema der Staats- und Regierungschefs beimG20-Gipfel in Australien.

Die Ukraine-Krise stand zwar nicht auf der Tagesordnung, doch bis spät in die Nacht führte Putin Einzelgespräche, auch mit Kanzlerin Angela Merkel, in denen es überwiegend um die Krise ging. US-Präsident Barack Obama sagte, die USA und die EU planten derzeit keine neuen Sanktionen gegen Russland wegen des Konflikts. Obama und Europas Staats- und Regierungschefs hatten sich über das weitere Vorgehen abgestimmt.

Der Kreml hatte bereits vor Ausstrahlung des Interviews in der ARD am Sonntagabend Gesprächsauszüge veröffentlicht. Demnach forderte Putin, in der Ukraine-Krise das Gesamtbild im Auge zu behalten. „Das Wichtigste ist, dass man das Problem nicht einseitig betrachten darf“, sagte er. Das ukrainische Militär setze im Kampf mit prorussischen Separatisten Raketen ein, aber dies werde nicht erwähnt, kritisierte der Kremlchef. Russland weist eine Beteiligung an dem Konflikt entschieden zurück.

 „Früher oder später auch Auswirkungen für Sie“

Putin warnte außerdem vor den Folgen der Strafmaßnahmen gegen sein Land. Durch eine Einschränkung russischer Banken am internationalen Finanzmarkt könnten diese weniger Kredite an russische Unternehmen vergeben, die mit deutschen Partnern arbeiteten. „Früher oder später hat das nicht nur für uns Auswirkungen, sondern auch für Sie“, meinte Putin. Er verwies auf Schätzungen, wonach in Deutschland Tausende Arbeitsplätze von der wirtschaftlichen Kooperation mit Russland abhängen sollen.

Auch für die Ukraine seien die Sanktionen gefährlich, meinte der Kremlchef. Russische Banken hätten Kredite über 25 Milliarden Dollar (20 Milliarden Euro) im Nachbarland vergeben. Mit Sanktionen treffe der Westen russische Banken und damit auch die Ukraine. „Denken Sie (der Westen) überhaupt nach, was Sie tun?“ fragte Putin.

Die EU- und US-Sanktionen hätten Russland zwar geschadet, sagte Putin. Als Chance für die Entwicklung bewertete Putin aber, dass Russland durch westliche Exportverbote nun selbst bestimmte Waren herstellen müsse.

Die russische Wirtschaft steht infolge der Ukraine-Krise und der Sanktionen massiv unter Druck. Der Rubelkurs brach in den vergangenen Monaten stark ein: Lag der Wechselkurs zu Jahresanfang noch bei etwa 45 Rubel für einen Euro, waren es Anfang November bis zu 60 Rubel. Die Zentralbank erwartet für 2014 einen Kapitalabfluss aus Russland von 129 Milliarden US-Dollar.


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