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Prozess gegen Moschee-Angreifer in Norwegen
International 3 Min. 06.05.2020 Aus unserem online-Archiv

Prozess gegen Moschee-Angreifer in Norwegen

Der Attentäter Philip Manshaus kurz nach dem Anschlag bei einer Anhörung vor Gericht. Bei seiner Verhaftung war er verletzt worden.

Prozess gegen Moschee-Angreifer in Norwegen

Der Attentäter Philip Manshaus kurz nach dem Anschlag bei einer Anhörung vor Gericht. Bei seiner Verhaftung war er verletzt worden.
AFP
International 3 Min. 06.05.2020 Aus unserem online-Archiv

Prozess gegen Moschee-Angreifer in Norwegen

Ein Beschuldigter zeigt vor Gericht mehrmals den Hitlergruß: Solche Szenen hat Norwegen zuletzt erlebt, als dem Rechtsterroristen Breivik 2012 der Prozess gemacht wurde. Nun startet in dem skandinavischen Land die Verhandlung gegen den Moschee-Attentäter von Bærum.

(dpa) - Acht Jahre nach dem Prozess gegen den Massenmörder Anders Behring Breivik beginnt in Norwegen ein neues Gerichtsverfahren gegen einen mutmaßlichen Rechtsterroristen. Der 22-jährige Norweger ist angeklagt, im vergangenen August erst seine Stiefschwester getötet und dann eine Moschee angegriffen zu haben - „mit dem Ziel, so viele Muslime wie möglich zu töten“, wie es die Staatsanwaltschaft formulierte. Ihm drohen bis zu 21 Jahre Gefängnis.


CORRECTION - Terror suspected Philip Manshaus and his lawyer Unni Fries arrive for a hearing at an Oslo courthouse on August 12, 2019 in Norway. - Norwegian 21-year old Philip Manshaus, is formally suspected of murder in the death of his 17-year-old stepsister, and of a "terrorist act" at the Al-Noor mosque on August 10, 2019, police said in a statement. (Photo by Cornelius POPPE / NTB Scanpix / AFP) / Norway OUT / �The erroneous mention[s] appearing in the metadata of this photo by Cornelius Poppe has been modified in AFP systems in the following manner: [terror suspected] instead of [terror charged]. Please immediately remove the erroneous mention[s] from all your online services and delete it (them) from your servers. If you have been authorized by AFP to distribute it (them) to third parties, please ensure that the same actions are carried out by them. Failure to promptly comply with these instructions will entail liability on your part for any continued or post notification usage. Therefore we thank you very much for all your attention and prompt action. We are sorry for the inconvenience this notification may cause and remain at your disposal for any further information you may require.�
Nach Moschee-Angriff in Oslo: Terrorverdächtiger in U-Haft
Der 21-Jährige, der am Samstag in einer Moschee in Oslo um sich geschossen hat, weist die Anschuldigungen von sich. Im Raum steht zudem eine Mordanklage.

Ab Donnerstagmorgen muss sich der Mann vor dem Bezirksgericht der Kommunen Asker und Bærum verantworten. 14 Hauptverhandlungstage sind bis zum 26. Mai in Saal 11 des Gerichts in Sandvika westlich von Oslo angesetzt, um unter anderem die Tathintergründe, die Rolle einer rechtsextremen Widerstandsbewegung und die Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten zu klären. Er sitzt seit fast neun Monaten in Untersuchungshaft und gestand die Taten bereits - für schuldig hält er sich aber nicht.

Wegen der Corona-Pandemie werden bei dem Prozess nur die wichtigsten Akteure, darunter die zuständige Richterin, die Staatsanwaltschaft und der Angeklagte mit seinen Verteidigern, im Saal anwesend sein. Presse und Publikum können lediglich per Video dabei sein, die knapp 30 Zeugen werden nach Angaben einer Gerichtssprecherin für ihre Aussagen aus einem anderen Saal zugeschaltet. Wann ein Urteil gefällt wird, ist noch unklar - und erst danach wird klar sein, ob Norwegen zum zweiten Mal innerhalb von zehn Jahren einen Angeklagten mit offen rechtsextremer Haltung zu einer langen Haftstrafe verurteilt.


Ein Polizeifahrzeug vor der Synagoge in Halle.
Das Manifest des Halle-Attentäters: Seitenweise purer Hass
Nach dem Attentat von Halle ist ein Manifest im Internet aufgetaucht, das Ermittler für authentisch halten und dem 27-jährigen Tatverdächtigen zuschreiben. Es ist ein extrem verstörendes Dokument.

Bei Breiviks Anschlägen im Osloer Regierungsviertel und auf der Insel Utøya waren am 22. Juli 2011 insgesamt 77 Menschen getötet worden. Der Rechtsterrorist wurde ein Jahr später zur Maximalstrafe von 21 Jahren Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt.

Verglichen mit der schwersten Straftat der jüngeren norwegischen Geschichte ging der Moschee-Angriff deutlich glimpflicher aus, wenn auch nicht ohne Todesopfer: Wie aus der Anklageschrift der Osloer Staatsanwaltschaft hervorgeht, tötete der damals 21-Jährige am Nachmittag des 10. Augusts 2019 zunächst seine 17 Jahre alte und aus China adoptierte Stiefschwester mit vier Schüssen aus einem Jagdgewehr.

Eine knappe Stunde später griff er demnach bewaffnet mit zwei Schusswaffen die Moschee in Bærum an. Er gab vier Schüsse auf eine Glastür des Gotteshauses ab, ehe er in den Gebetsraum eindrang und auf drei Gläubige zielte. Einer von ihnen konnte den Angreifer jedoch überwältigen. Die Polizei nahm den Attentäter schließlich fest.


10.10.2019, Baden-Württemberg, Karlsruhe: Eine Person wird von Polizisten aus einem Hubschrauber gebracht. Am 10.10.2019 soll beim Bundesgerichtshof (BGH) die Haftprüfung des mutmaßliche Rechtsextremisten Stephan B., der vermutlich am 09.10.2019 in Halle die Synagoge mit Waffengewalt stürmen wollte und dabei zwei Menschen erschossen haben soll, stattfinden. Foto: Uli Deck/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Rechter Terror: Behörden wollen Internet stärker beobachten
BKA und Verfassungsschutz wollen nicht erst seit dem Attentat von Halle aufrüsten im Kampf gegen Rechtsextremisten. BKA-Chef Münch sagt: „Die Situation ist ernst.“

Niemand außer der Stiefschwester des Angeklagten starb an diesem Tag. Dennoch wühlte das Attentat die Norweger auf, auch international machte es Schlagzeilen. Es reihte sich 2019 in mehrere Taten von Rechtsextremisten weltweit ein, darunter die auf zwei Moscheen in Neuseeland fünf Monate vor und auch die auf eine Synagoge in Halle zwei Monate nach dem Moschee-Angriff von Bærum.

Wie beim Halle-Mordanschlag am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur hatte auch der Norweger ein wichtiges religiöses Fest für seine Pläne ausgewählt: Er attackierte die Al-Noor-Moschee am Vorabend des islamischen Opferfestes Eid al-Adha. Zuvor soll er in Online-Foren rechtsextreme und islamfeindliche Haltungen geäußert und die Tat eines Australiers als Vorbild gehuldigt haben - jenes Attentäters, der bei seinen Angriffen auf die beiden Moscheen im neuseeländischen Christchurch 51 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt hatte.


Das Manifest des Tobias R.: Er wollte komplette Völker vernichten
Tobias R. tötet im hessischen Hanau neun Menschen mit Migrationshintergrund, danach seine Mutter, dann sich selbst. Wie andere Attentäter vor ihm hinterlässt auch er ein Manifest. Es ist verwirrende Lektüre.

Nach Polizeiangaben wollte der 22-jährige Norweger Angst unter Muslimen schüren. Er selbst zeigte bei Haftprüfungsterminen vor Gericht immer wieder den Hitlergruß und verwies nach Angaben der Zeitung „Dagbladet“ unter anderem darauf, er befürchte einen „Rassenkrieg“ in Norwegen. Seine Verteidiger Unni Fries und Audun Beckstrøm kündigten an, dass er während der Hauptverhandlung wahrscheinlich eine Erklärung für sein Vorgehen abgeben wolle - ob mit oder ohne erhobenem rechten Arm, das wird sich zeigen.


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