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Proteste in Hongkong: Die Lage spitzt sich zu
International 4 3 Min. 31.08.2019 Aus unserem online-Archiv

Proteste in Hongkong: Die Lage spitzt sich zu

Ein Polizist zielt auf Demonstranten. Bei Protesten in Hongkong ist es erneut zu schweren Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen.

Proteste in Hongkong: Die Lage spitzt sich zu

Ein Polizist zielt auf Demonstranten. Bei Protesten in Hongkong ist es erneut zu schweren Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen.
Foto: dpa
International 4 3 Min. 31.08.2019 Aus unserem online-Archiv

Proteste in Hongkong: Die Lage spitzt sich zu

Die Festnahme führender Köpfe der Demokratiebewegung in Hongkong hat die Atmosphäre aufgeheizt. Trotz des Verbots einer Großdemonstration protestieren wieder Tausende. China rasselt mit dem Säbel.

(dpa) - Bei neuen Demonstrationen in Hongkong ist es am Samstag wieder zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei gekommen. Nahe dem Parlamentssitz gingen Sicherheitskräfte mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Demonstranten vor. Radikale Aktivisten schleuderten Gegenstände, Steine und auch Brandsätze. Trotz des Verbots einer Großdemonstration waren am Samstag wieder Tausende auf die Straßen gegangen. Demonstranten besetzten die Verkehrsadern in der Nähe des Regierungsviertels. Die Polizei sprach von einer „ungenehmigten Versammlung“ und „illegalen Aktionen“.

Möglicherweise als Warnung berichteten chinesische Staatsmedien, dass das Militär neue paramilitärische Kräfte nach Shenzhen an der Grenze zu Hongkong verlegt habe. In Videoaufnahmen, die von Bürgern aufgenommen worden sein sollen, waren Militärwagen zu sehen, die nach diesen Angaben am Samstagmorgen in der Grenzstadt einrollten. Details über Stärke und Zweck der Truppenverlegung wurden nicht genannt. Nach Angaben der „Gobal Times“ soll es sich um „Spezialkräfte“ und Personal der „Wujing“ genannten paramilitärischen Elitepolizei handeln.


In this picture taken on August 25, 2019, Abby (L), 19, and her boyfriend Nick, 20, wait for tear gas to be fired by police as they attend a protest in Tsuen Wan, an area in the New Territories in Hong Kong. - A gas mask lovingly adjusted, a hand squeezed before approaching police lines�and a frantic search through swirls of tear gas -- Abby and Nick's relationship has blossomed on the barricades during Hong Kong's long summer of protest.� (Photo by Anthony WALLACE / AFP) / TO GO WITH AFP STORY HONG KONG-POLITICS-CHINA-UNREST-PROTEST,FOCUS BY AIDAN JONES AND JASMINE LEUNG
Drei Demokratieaktivisten in Hongkong festgenommen
Eigentlich ist für dieses Wochenende erneut ein großer Massenprotest in Hongkong geplant. Kurz vorher verhängt die Polizei ein Verbot und nimmt bekannte Aktivisten fest.

Die politische Atmosphäre in Hongkong ist ausgeheizt, da mehrere führende Mitglieder der Demokratiebewegung festgenommen wurden. Am Freitag wurden zuletzt noch die oppositionellen Abgeordneten des Legislativrates, Au Nok-hin und Jeremy Tam, aufgegriffen. Ihnen wird Behinderung der Polizei vorgeworfen. Der Abgeordnete Au soll außerdem einen Polizisten angegriffen haben. Gegen insgesamt neun prominente Köpfe der Bewegung wurde inzwischen Anklage erhoben.

Der Tag hatte zunächst mit einem friedlichen Marsch begonnen. Die Demonstranten folgten einem Aufruf zu einer religiösen Prozession, die entlang prominenter sakraler Stätten in den historischen Distrikt Sheung Wan und weiter in Richtung Regierungsviertel führte. Viele „spazierten“ nur, wie sie sagten, friedlich auf dem Fußweg. Doch kam es am späten Nachmittag an anderer Stelle zu Straßenblockaden.

Die Polizei der chinesischen Sonderverwaltungsregion hatte eine ursprünglich geplante Großdemonstration aus Sicherheitsgründen verboten. Mit dem Protestzug wollte die Demokratiebewegung eigentlich den fünften Jahrestag des Scheiterns der Wahlreform 2014 begehen, die die kommunistische Führung in Peking nicht erlauben wollte. „Es ist ein Gedenktag für uns“, sagte die Demonstrantin Beatrix Wong. „Deswegen haben wir uns versammelt, um gemeinsam für unser Recht zu kämpfen. Wir tun es ohne Erlaubnis, weil es ein Menschenrecht ist.“

Das Ende der Wahlreform 2014 war der Anfang der heute als „Regenschirmbewegung“ bekannten prodemokratischen Demonstrationen, die Teile der asiatischen Wirtschafts- und Finanzmetropole wochenlang lahmgelegt hatten. Der Name stammt von den Regenschirmen, mit denen sich die Demonstranten damals gegen die Sonne, den Regen, aber auch gegen das Pfefferspray der Polizei schützten.

Nach dem Verbot nahmen die Organisatoren der Civil Human Rights Front (CHRF) ihren Aufruf zu der Demonstration zurück. Es wäre eine illegale Versammlung gewesen, so dass Teilnehmer mit rechtlichen Konsequenzen hätten rechnen müssen. Früheren Aufrufen der Gruppe waren jeweils Hunderttausende gefolgt - nach CHRF-Angaben einmal sogar bis zu 1,7 Millionen.

Die Polizei beteuerte, die Festnahmen der führenden Mitglieder der regierungskritischen Bewegung hätten nichts mit den geplanten neuen Demonstrationen zu tun. Mehrere von ihnen, darunter der bekannte frühere Studentenführer Joshua Wong und seine Mitstreiterin Agnes Chow, kamen kurze Zeit später auch wieder auf Kaution frei. Demonstranten warfen der Polizei vor, damit ein „Klima der Angst“ schaffen zu wollen, um die Menschen von neuen Protesten abzuhalten.


Pro-democracy activist Joshua Wong leaves the Eastern Magistrates� Courts after being released on bail in Hong Kong on August 30, 2019. - Prominent democracy activists including a lawmaker were arrested on August 30 in a dragnet across Hong Kong -- a move described by rights groups as a well-worn tactic deployed by China to suffocate dissent ahead of key political events. (Photo by Lillian SUWANRUMPHA / AFP)
Hongkongs Demokratie-Ikone erneut in Haft - Ein Porträt von Joshua Wong
Einen Tag vor der verbotenen Großdemonstration gegen die pekingtreue Führung in Hongkong, verhaften Polizisten den prominenten Aktivisten Joshua Wong und seine Mitstreiterin. Das könnte viele Demonstranten noch mehr anstacheln.

Seit fast drei Monaten kommt es in Hongkong immer wieder zu Protesten, die oft mit Zusammenstößen zwischen einem kleinen Teil der Demonstranten und der Polizei endeten. Die Protestbewegung befürchtet steigenden Einfluss der chinesischen Regierung auf Hongkong und eine Beschneidung ihrer Freiheitsrechte. Auch fordern die Demonstranten eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt bei den Protesten.

Seit der Rückgabe 1997 an China wird die frühere britische Kronkolonie in ihrem eigenen Territorium als chinesische Sonderverwaltungsregion nach dem Grundsatz „ein Land, zwei Systeme“ autonom regiert. Die sieben Millionen Einwohner stehen unter Chinas Souveränität, genießen aber - anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik - mehr Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit.


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