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Polizist schildert Überforderung in der Silvesternacht
International 3 Min. 07.01.2016 Aus unserem online-Archiv
Sexuelle Übergriffe auf Frauen

Polizist schildert Überforderung in der Silvesternacht

Die Polizei versuchte in der Silvesternacht stundenlang, die Lage in den Griff zu bekommen.
Sexuelle Übergriffe auf Frauen

Polizist schildert Überforderung in der Silvesternacht

Die Polizei versuchte in der Silvesternacht stundenlang, die Lage in den Griff zu bekommen.
AFP
International 3 Min. 07.01.2016 Aus unserem online-Archiv
Sexuelle Übergriffe auf Frauen

Polizist schildert Überforderung in der Silvesternacht

In einem internen Polizeibericht, aus dem deutsche Medien am Donnerstag zitieren, geht hervor, dass die Polizei die Lage am Silvesterabend am Hauptbahnhof von Köln nicht im Griff hatte.

(KNA/ks/dpa) - Eine überforderte Polizei mitten im Chaos: Diese Szene ergibt sich aus einem internen Polizeibericht, den die "Bild"-Zeitung am Donnerstag online veröffentlicht hat. Darin schildert ein Polizist die Geschehnisse am Hauptbahnhof von Köln in der Silvesternacht aus seiner Sicht. Auch "Spiegel Online" zitiert aus dem Dokument.

"Im Einsatzverlauf erschienen zahlreiche weinende und schockierte Frauen/Mädchen bei den eingesetzten Beamten und schilderten sex. Übergriffe durch mehrere männliche Migranten/ -gruppen. Eine Identifizierung war leider nicht mehr möglich. (...) Die Einsatzkräfte konnten nicht allen Ereignissen, Übergriffen, Straftaten usw. Herr werden, dafür waren es einfach zu viele zur gleichen Zeit", heißt es darin. Es sei zeitweise nicht möglich gewesen, Strafanzeigen aufzunehmen oder mutmaßliche Täter in Gewahrsam zu nehmen.

Alle eingesetzten Polizisten seien „ziemlich schnell an die Leistungsgrenze gekommen“. Wegen der zahlreichen Vorfälle hätten sich die Beamten „auf die Lagebereinigung mit den notwendigsten Maßnahmen“ beschränkt. 

Die Menge habe sich durch die Polizei nicht beeindrucken lassen. Die Beamten seien mit Feuerwerkskörpern und Flaschen beworfen worden. Viele Männer seien stark alkoholisiert gewesen. Immer wieder seien Polizisten daran gehindert worden, Frauen aus ihrer misslichen Lage zu befreien oder Täter zu ergreifen. Frauen hätten einen "Spießrutenlauf durch die stark alkoholisierten Männermassen" machen müssen.

16 Verdächtige identifiziert

Derweil hat die Polizei 16 Verdächtige ausfindig gemacht. „Wir prüfen nun, ob sie tatsächlich in Zusammenhang mit den Taten stehen“, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Die Zahl der Strafanzeigen ist unterdessen auf 121 gestiegen.

Die meisten der 16 Verdächtigen seien bislang nicht namentlich bekannt, aber auf Bild- oder Videoaufnahmen klar erkennbar. Einige Verdächtige seien vorübergehend festgenommen worden, jedoch vor allem wegen Diebstählen, teilweise auch außerhalb von Köln.

Bei den Ermittlungen hätten sich Hinweise ergeben, dass diese Männer - alle nordafrikanischer Herkunft - auch mit den Taten am Kölner Hauptbahnhof in Verbindung stehen könnten. Zwei Männer, die bereits am 2. Januar in Köln festgenommen wurden, sitzen wegen Taschendiebstählen in Untersuchungshaft. Die übrigen Festgenommenen sind nach Angaben des Polizeisprechers wieder auf freiem Fuß.

Bei etwa drei Viertel der angezeigten Taten hätten die Opfer angegeben, sexuell bedrängt worden zu sein. In 50 dieser Fälle seien die Frauen zudem bestohlen worden. Es seien zwei Vergewaltigungen angezeigt worden.

In der Silvesternacht hatten sich am Hauptbahnhof der viertgrößten deutschen Stadt aus einer Menge von rund 1000 Männern heraus kleinere Gruppen gelöst, die vor allem Frauen umzingelt, begrapscht und bestohlen haben sollen. Augenzeugen und Opfer hatten nach den Übergriffen ausgesagt, die Täter seien dem Aussehen nach größtenteils nordafrikanischer oder arabischer Herkunft.

Justizminister hält Ausweisungen für möglich

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hält eine Ausweisung von Tätern für möglich. "Wer glaubt, sich bei uns über Recht und Gesetz stellen zu können, der muss bestraft werden – völlig egal, woher er kommt", sagte Maas den Zeitungen der Funke Mediengruppe .

Asylsuchende könnten auch während eines laufenden Asylverfahrens bei einer Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr oder mehr ausgewiesen werden. "Ein solches Strafmaß ist grundsätzlich bei Sexualdelikten absolut möglich. Ausweisungen wären insofern durchaus denkbar", sagte Maas.

Maas rief dazu auf, "mit aller Entschlossenheit, aber auch besonnen" auf die Gewaltexzesse zu reagieren. "Dazu gehört auch, zunächst den Sachverhalt und die Täter genauestens zu ermitteln. Dann müssen die Täter für ihre widerwärtigen Taten bestraft werden." Das sei man den Opfern schuldig. "Dafür hält unser Rechtsstaat alle erforderlichen Mittel bereit."


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NIcht überall waren die Bilder in der Domstadt so harmonisch wie auf diesem Foto.