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Polizeigewalt in Frankreich: Macron entsetzt über Video
International 1 2 Min. 27.11.2020

Polizeigewalt in Frankreich: Macron entsetzt über Video

Der französische Musikproduzent, der Opfer mutmaßlicher Polizeigewalt wurde, spricht mit der Presse.

Polizeigewalt in Frankreich: Macron entsetzt über Video

Der französische Musikproduzent, der Opfer mutmaßlicher Polizeigewalt wurde, spricht mit der Presse.
Foto: Aurore MESENGE / AFP
International 1 2 Min. 27.11.2020

Polizeigewalt in Frankreich: Macron entsetzt über Video

Ein von einer Überwachungskamera aufgenommenes Video zeigt, wie drei Polizisten in Eingang eines Musikstudios minutenlang auf einen schwarzen Mann einprügeln. Die Beamten wurden inzwischen vom Dienst supendiert.

(dpa) - In Frankreich reißt nach der Veröffentlichung eines brutalen Videos die Kritik an der Polizei nicht ab. Auch Präsident Emmanuel Macron hat inzwischen auf die Veröffentlichung des Videos reagiert. 

Die gesehenen Bilder seien „inakzeptabel“, schrieb er am Freitag auf Twitter. „Frankreich darf sich niemals für Gewalt oder Brutalität entschließen, woher sie auch komme.“ Macron forderte die Regierung auf, schnell Vorschläge im Kampf gegen Diskriminierung und zur Stärkung des Vertrauens in die Polizei vorzulegen.

Vier Beamte wurden am Nachmittag in Polizeigewahrsam genommen und sollten befragt werden, wie die Pariser Staatsanwaltschaft mitteilte. Die Polizei-Aufsichtsbehörde ist für die Ermittlungen zuständig. Ein am Donnerstag veröffentlichtes Video zeigt, wie mehrere Polizisten einen Musikproduzenten im Eingang seines Produktionsstudios massiv attackieren.

„Diese Polizisten sind Straftäter“

Innenminister Gérald Darmanin muss sich nun am Montag in der Nationalversammlung zu den jüngsten Vorfällen erklären. Drei Beamten werden nun unter anderem Gewalt durch Amtspersonen rassistischer Natur, Hausfriedensbruch und Fälschung öffentlicher Dokumente vorgeworfen. Dem vierten Beamten werden etwa Gewalt durch Amtspersonen und Sachbeschädigung zur Last gelegt.

„Diese Polizisten haben keinen Mist gebaut, sie sind Straftäter, die schwere Verbrechen begangen haben. Sie haben meinen Mandanten mehrfach fast sieben Minuten lang geschlagen“, sagte die Anwältin Hafida El Ali am Freitag dem Sender BFM TV. 

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Innenminister Gérald Darmanin hatte am Donnerstagabend erklärt, dass die Beamten entlassen werden sollten, wenn ein Fehlverhalten festgestellt werde. Sie wurden zunächst suspendiert, der Vorfall wird untersucht. Erst Anfang der Woche hatte die brutale Räumung eines Migrantencamps in Paris für Entrüstung gesorgt.  

Die Anwältin des Musikproduzenten betonte im Gespräch mit dem Sender Franceinfo, dass es ihrem Mandanten mittlerweile besser ginge. Er gerate aber ein wenig in Panik, wenn er in der Nähe seines Studios Polizeifahrzeuge sehe. Sie ist sich sicher: Hätte die Überwachungskamera in dem Studio den Vorfall nicht gefilmt, würde ihr Mandant jetzt im Gefängnis sitzen. „Von Anfang an wurde ihm “Gewalt gegen einen Amtsträger" sowie "Rebellion„ vorgeworfen“, sagte sie. Die Polizisten hätten schamlos gelogen.

Zahlreiche Politiker aber auch Sportler zeigten sich nach der Veröffentlichung des Videos schockiert. Die französischen Top-Fußballer Antoine Griezmann und Kylian Mbappé drückten auf Twitter ihr Entsetzen aus. „Stop des Rassismus“, schrieb Mbappé. Der schwarze Musikproduzent hatte angegeben, von den Polizisten mehrfach rassistisch beleidigt worden zu sein.


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