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Polizei setzt Tränengas gegen Flüchtlinge ein
International 8 2 Min. 29.02.2016 Aus unserem online-Archiv
Griechisch-mazedonische Grenze

Polizei setzt Tränengas gegen Flüchtlinge ein

International 8 2 Min. 29.02.2016 Aus unserem online-Archiv
Griechisch-mazedonische Grenze

Polizei setzt Tränengas gegen Flüchtlinge ein

Teddy JAANS
Teddy JAANS
Hunderte verzweifelte Migranten haben am Montagmorgen die Bahntrasse, die Griechenland mit Mazedonien verbindet, sowie den Grenzzaun gestürmt.

(dpa) - Eskalation der Flüchtlingskrise in Griechenland: Hunderte verzweifelte Migranten haben am Montag versucht, den Zaun an der griechisch-mazedonischen Grenze zu stürmen und in das Nachbarland durchzubrechen.

Zwischen Idomeni und Gevgelija rissen sie mit einfachen Werkzeugen Teile des von Mazedonien errichteten Grenzzauns nieder. Eine Öffnung des Tores gelang ihnen aber nicht. Die mazedonischen Grenzpolizisten setzten massiv Tränengas gegen die Flüchtlinge ein, die sich daraufhin teils in Panik auf griechischem Territorium zurückzogen.

Etliche von ihnen klagten anschließend über Atemwegsbeschwerden, wie Augenzeugen der Deutschen Presse-Agentur sagten. Die griechische Polizei hielt sich aus Angst vor einer Eskalation zurück. Am frühen Nachmittag beruhigte sich die Lage etwas. Allerdings schleuderten junge Migranten Steine über den Zaun auf die mazedonische Polizei und beschimpften die Beamten.

Die Länder an der Balkanroute - Mazedonien, Serbien, Kroatien und Slowenien - hatten sich unter Führung Österreichs darauf verständigt, täglich nur noch bis zu 580 Migranten nach Norden durchzulassen. Da der Zustrom der Menschen aus der Türkei nach Griechenland anhält, sitzen nach Medienberichten dort schätzungsweise 25.000 Menschen fest - mit steigender Tendenz.

Mehr als 7000 von ihnen harren am Grenzübergang Idomeni-Gevgelija aus. In der Nacht zum Montag durften 305 Flüchtlinge nach Norden weiterreisen, wie griechische Polizisten der dpa sagten. Um etwa vier Uhr am frühen Montagmorgen wurde der Grenzzaun wieder geschlossen.

Auslöser des versuchten Durchbruchs war dann nach Medienberichten ein Gerücht, wonach Mazedonien angeblich seine Grenze wieder für alle Migranten geöffnet habe. «Frei, frei, wir können rüber», schrie ein Flüchtling im griechischen Fernsehen. Allerdings stimmte das nicht.

Chaotische Szenen in Athen

In der Hafenstadt Piräus kamen am Montagmorgen an Bord von drei Fähren mehr als 2000 Migranten an. Sie hatten zuvor von der türkischen Küste aus zu den griechischen Inseln übergesetzt.

Im Zentrum der Hauptstadt Athen spielten sich chaotische Szenen ab: Am zentralen Viktoria-Platz verbrachten Hunderte Flüchtlinge - darunter Familien mit Kleinkindern - die Nacht im Freien, wie Augenzeugen berichteten. Anwohner und freiwillige Helfer versuchten den Menschen zu helfen. Sie brachten Lebensmittel und Medikamente.

Am Hafen von Piräus sind Flüchtlinge gestrandet.
Am Hafen von Piräus sind Flüchtlinge gestrandet.
REUTERS

Unterdessen gab es in Nordgriechenland einen ersten vermutlich fremdenfeindlich motivierten Brandanschlag auf geplante Flüchtlingsunterkünfte. Zwei ehemals vom griechischen Militär benutzte Hallen in der Kleinstadt Giannitsa wurden fast vollständig zerstört, wie das griechische Fernsehen berichtete.

Auffanglager, mehrere Wartehallen in Piräus und die Hallen eines alten, geschlossenen Flughafens von Athen sind überfüllt, wie das Staatsfernsehen berichtete. Schleuser versuchen, «auf die Schnelle» Geld zu machen. Sie versprechen den Migranten, sie auf neuen Routen über Albanien nach Mitteleuropa zu bringen. Das sagten mehrere Migranten Reportern.

Notfallpläne für Griechenland

Derweil bereitet die EU-Kommission Notfallpläne für Griechenland und andere Länder auf der Balkanroute vor. Zu den geplanten Schritten gehörten die Verstärkung von Aufnahmekapazitäten oder die Kontrolle von Grenzen, sagte eine Sprecherin der Behörde am Montag in Brüssel. Derzeit sitzen schätzungsweise 25.000 Menschen in Griechenland fest.

Athen habe mitgeteilt, welche Art von Unterstützung gewünscht werde, sagte die Kommissionssprecherin. Die Gespräche dazu liefen bereits seit Mitte des Monats. Beim Sondergipfel der EU-Chefs mit der Türkei am 7. März wird es auch um die zugespitzte Lage in Griechenland gehen.

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