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Plötzlicher Rücktritt wegen Krebserkrankung: Stühlerücken bei der SPD
Die Triererin Katarina Barley (links, mit der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer) rückt als Familienmnisterin in die Bundesregierung nach.

Plötzlicher Rücktritt wegen Krebserkrankung: Stühlerücken bei der SPD

Foto: Marcus Stölb
Die Triererin Katarina Barley (links, mit der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer) rückt als Familienmnisterin in die Bundesregierung nach.
International 30.05.2017

Plötzlicher Rücktritt wegen Krebserkrankung: Stühlerücken bei der SPD

Tom RUEDELL
Tom RUEDELL
Nach dem Rücktritt von Erwin Sellering dreht sich das SPD-Personalkarussell: Die Triererin Katarina Barley, bisher Generalsekretärin, wird neue Familienministerin. Sie folgt Manuela Schwesig, die Sellering als Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern beerbt.

(dpa/tom) - Diese Nachricht trifft die SPD mitten im Bundestagswahlkampf wie ein Blitz aus heiterem Himmel: Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschef gibt alle politischen Ämter auf, das teilte die SPD-Parteiführung am Dienstagmorgen mit. Grund: Sellering ist an Schilddrüsenkrebs erkrankt, er braucht zeitnah eine umfassende Therapie.

Sellering regiert das dünn besiedelte und strukturschwache Land im deutschen Nordosten seit 2008. Er war nach der Landtagswahl im September 2016 für eine dritte Amtszeit an die Spitze einer rot-schwarzen Koalition mit den Christdemokraten gewählt worden. Bei der Wahl hatte die SPD zwar deutlich Stimmen eingebüßt, war aber vor AfD und CDU die mit Abstand stärkste Partei geblieben.

Sellering ist einer von derzeit neun SPD-Länderchefs in Deutschland. Nach ihren Wahlniederlagen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen im Mai dürfte die SPD aber zwei Ministerpräsidenten-Posten einbüßen

Die große Rochade

Der Rücktritt  führt nun zum Stühlerücken bei der SPD in Berlin. Sellering hat die deutsche Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig als Nachfolgerin vorgeschlagen - als Regierungschefin ebenso wie als SPD-Landesvorsitzende. Schwesig kennt die Gegend, sie war bis Ende 2013 Sozialministerin in Mecklenburg-Vorpommern und dort auch Landtagsabgeordnete. Ein Bundestagsmandat hat sie nicht.

Doch auch dahinter verschieben sich die Personalien. Schwesigs Nachfolgerin soll Katarina Barley werden. Die aus Trier stammende Juristin war seit gerade mal anderthalb Jahren SPD-Generalsekretärin. Sie übergibt das Amt an Hubertus Heil, bisher Vize-Fraktionschef der Sozialdemokraten im Bundestag. Heil war bereits von 2005 bis 2009 SPD-Generalsekretär.

Die Personalien gab der SPD-Vorsitzende und Kanzlerkandidat Martin Schulz am Dienstag bekannt. Er nannte Heil eine „ganz ausgezeichnete Verstärkung in diesem Wahlkampf“.


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