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Plötzlich Feindesland
International 2 Min. 10.11.2016 Aus unserem online-Archiv
Mexiko und Donald Trump

Plötzlich Feindesland

An der Grenze von Mexiko und den Staaten kommt es regelmäßig zu langen Staus und Wartezeiten.
Mexiko und Donald Trump

Plötzlich Feindesland

An der Grenze von Mexiko und den Staaten kommt es regelmäßig zu langen Staus und Wartezeiten.
Foto: REUTERS
International 2 Min. 10.11.2016 Aus unserem online-Archiv
Mexiko und Donald Trump

Plötzlich Feindesland

Teddy JAANS
Teddy JAANS
Das Verhältnis zwischen den USA und Mexiko war noch nie einfach - jetzt aber wird es richtig kompliziert. Auf niemanden hat Trump im Wahlkampf so eingeprügelt wie auf die stolzen Mexikaner.

(dpa) - Der schlimmste Alptraum der Mexikaner ist wahr geworden: Donald Trump wird der nächste Präsident der USA. Er hat aus seiner Verachtung für Latinos nie einen Hehl gemacht, will Zehntausende Einwanderer ohne Papiere abschieben und droht mit dem Bau einer Mauer an der Südgrenze. Mexiko muss sich auf harte Zeiten gefasst machen.

„Der Triumph von Donald Trump ist eine sehr schlechte Nachricht für Mexiko“, sagt der Politikwissenschaftler Mauricio Merino der Hochschule Cide in Mexiko-Stadt. Der Forscher und Ex-Diplomat Sergio Alcocer sagt: „Das ist ein trauriger Tag. Die Simplifizierung, die Donald Trump an den Tag legt, verhindert eine echte Diskussion über die Themen.“

Mexiko und die USA pflegen ein ambivalentes Verhältnis. Es ist geprägt von gegenseitiger Abhängigkeit, Minderwertigkeitskomplexen in Mexiko, gelegentlicher Überheblichkeit in den USA und engen wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Austauschbeziehungen.

Trump hat in seinen hitzigen Wahlkampfreden viel Porzellan zerschlagen. „Mexiko schickt uns nicht die besten. Es schickt Menschen, die viele Probleme haben. Sie bringen Drogen, sie bringen Kriminalität, sie sind Vergewaltiger“, sagte er. Und: „Mexiko ist nicht unser Freund.“

Gemeinsame Lösungen gefragt

Die beiden Länder trennt die verkehrsreichste Grenze der Welt, das Handelsvolumen beträgt mehr als 532 Milliarden US-Dollar, 34,6 Millionen Menschen mit mexikanischen Wurzeln leben in den Vereinigten Staaten. Probleme wie die organisierte Kriminalität und illegale Migration lassen sich nur gemeinsam lösen.

Bereits als sich in der Wahlnacht langsam der Sieg von Trump abzeichnete, trommelt der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto sein Kabinett zusammen. „Es öffnet sich ein neues Kapitel in der Beziehung zwischen Mexiko und den USA“, sagt er nach einem Telefongespräch mit Trump. Noch vor dessen Amtsantritt im Januar wolle er sich persönlich mit ihm treffen.

Peña Nieto hatte Trump bereits während des Wahlkampfes in Mexiko-Stadt empfangen und dafür viel Prügel bezogen. Der Kurztrip endete in einem PR-Desaster für die mexikanische Regierung. Trump schwadronierte im Präsidentenpalast von seinen Mauerplänen, Peña Nieto gab eine bemitleidenswerte Figur ab.

Der mexikanische Präsident Enrique Pena Nieto muss sich auf ein neues Verhältnis mit dem großen Nachbarn gefasst machen.
Der mexikanische Präsident Enrique Pena Nieto muss sich auf ein neues Verhältnis mit dem großen Nachbarn gefasst machen.
Foto: REUTERS

Das Verhältnis zwischen Mexiko und den USA werde sich nun ändern, sagt Außenministerin Claudia Ruiz Massieu. Allerdings sei die Wahl in den Vereinigten Staaten weder Ausgangspunkt noch Ende der Beziehung zwischen beiden Ländern.

Nach dem ersten Schock muss sich Mexiko nun neu sortieren. Um die Märkte zu beruhigen, treten Finanzminister José Antonio Meade und Notenbankchef Agustín Carstens noch vor Öffnung der Börse vor die Presse. „Mexiko ist in einer starken Position, um den neuen Gegebenheiten zu trotzen“, sagt Meade.

Vor allem die protektionistische Haltung Trumps in Wirtschaftsfragen macht die mexikanischen Unternehmer nervös. Der Immobilien-Mogul hat angekündigt, dass Nordamerikanische Freihandelsabkommen (Nafta) neu verhandeln oder sogar aufkündigen zu wollen.


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