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Papst will Reformen: Eine Kirche der Armen, weniger ausufernder Klerikalismus
«Eine übertriebene Zentralisierung kompliziert das Leben der Kirche und ihre missionarische Dynamik, anstatt ihr zu helfen.» Namentlich erwähnt Franziskus in seinem Schreiben eine stärkere Rolle der nationalen und regionalen Bischofskonferenzen.

Papst will Reformen: Eine Kirche der Armen, weniger ausufernder Klerikalismus

Foto: AFP
«Eine übertriebene Zentralisierung kompliziert das Leben der Kirche und ihre missionarische Dynamik, anstatt ihr zu helfen.» Namentlich erwähnt Franziskus in seinem Schreiben eine stärkere Rolle der nationalen und regionalen Bischofskonferenzen.
International 3 Min. 12.03.2014

Papst will Reformen: Eine Kirche der Armen, weniger ausufernder Klerikalismus

Säkularisierung, ideologischer Individualismus, hemmungsloses Konsumdenken und geistige Wüstenbildung.  Papst Franziskus hat "seine Regierungserklärung" vorgelegt und überrascht einmal mehr die Weltgemeinschaft.

Die Forderung nach einer gerechteren Welt und nach einer Kirche im Dienst der Armen stehen im Zentrum des ersten Lehrschreibens von Papst Franziskus. In dem Apostolischen Schreiben «Evangelii gaudium» (Die Freude des Evangeliums), die der Vatikan am Dienstag veröffentlichte, prangert Franziskus Auswüchse der globalen Wirtschaftsordnung an und entwickelt Linien für eine zeitgemäße Verkündung der christlichen Botschaft sowie für eine Reform der Kirchenstrukturen. 

Säkularisierung, ein ideologischer Individualismus und ein hemmungsloses Konsumdenken hätten vielfach zu einer «geistigen Wüstenbildung» geführt. Aufgabe der Kirche sei es, darauf neu zu reagieren und den Menschen die Frohe Botschaft zu verkünden.

"Diese Wirtschaft schafft eine Kultur des Abfalls"

Als wichtigste Ursache aller sozialen Übel und der Gewalt bezeichnet Franziskus die ungleiche Verteilung des Reichtums auf der Welt. Das derzeitige Wirtschaftssystem sei «in der Wurzel ungerecht». Diese Wirtschaft töte, weil sie allein nach dem Gesetz des Stärkeren funktioniere und eine Kultur des Abfalls schaffe, in der Menschen wie Müll behandelt würden.

«Solange die Probleme der Armen nicht von der Wurzel her gelöst werden, indem man auf die absolute Autonomie der Märkte und der Finanzspekulation verzichtet und die strukturellen Ursachen der Ungleichverteilung der Einkünfte in Angriff nimmt,werden sich die Probleme der Welt nicht lösen und kann letztlich überhaupt kein Problem gelöst werden», so der Papst. Die Kirche muss dagegen nach seinen Worten zu allererst eine «arme Kirche für die Armen» sein, die an die Ränder der Gesellschaft geht.

"Mir ist eine verbeulte und beschmutzte Kirche lieber"

Ihm sei eine verbeulte und beschmutzte Kirche, die auf die Straße geht, lieber als eine Kirche, die sich verschlossen und bequem an die eigenen Sicherheiten klammere, so Franziskus. Zu den Bedürftigen zählten dabei auch die Opfer der neuen Formen von Sklaverei wie die Ausgebeuteten in der Arbeitswelt und der Prostitution. Dabei gebe es viele Arten von Mittäterschaft; auch das bequeme Schweigen zähle dazu.

Für die Neuevangelisierung müsse die Kirche «neue Wege» und «kreative Methoden» entwickeln, heißt es in dem 184 Seiten umfassenden Dokument. Dies schließe eine Reform der Kirchenstrukturen ein. «Eine übertriebene Zentralisierung kompliziert das Leben der Kirche und ihre missionarische Dynamik, anstatt ihr zu helfen.» Namentlich erwähnt Franziskus eine stärkere Rolle der nationalen und regionalen Bischofskonferenzen. 

"Mehr Laien, weniger ausufernder Klerikalismus"

Zudem spricht er von einer «Reform des Papsttums», das den gegenwärtigen Notwendigkeiten der Evangelisierung mehr entsprechen müsse. Die Laien sollen nach Franziskus' Überzeugung mehr Verantwortung in der Kirche tragen. Dies werde teilweise durch einen «ausufernden Klerikalismus» verhindert. Auch müssten Frauen mehr Raum in der Kirche erhalten, vor allem dort, wo die wichtigen Entscheidungen fielen. Dieses Thema dürfe nicht «oberflächlich umgangen werden».

Rückwärtsgewandte Gläubige, und ein vergangener Stil von Katholizismus

Franziskus bekräftigt jedoch, das Priestertum sei den Männern vorbehalten und stehe nicht zur Diskussion. Überdies warnt er vor Gruppenbildungen in der Kirche durch rückwärtsgewandte Gläubige, die einem vergangenen Stil von Katholizismus anhingen.

Weiter widmet sich der Papst in seinem Schreiben der Krise der Familie, deren Bande durch einen globalisierten Individualismus bedroht seien. Er bekräftigt die Ablehnung von Abtreibung und bekennt sich zu weiteren Anstrengungen für die christliche Ökumene und den Dialog mit Juden und Muslimen.

In seinem Schreiben zitiert der Papst häufig seine Vorgänger JohannesPaul II. (1978-2005) und Benedikt XVI. (2005-2013) sowie einige Male auch die Konzilspäpste Johannes XXIII. (1958-1963) und Paul VI.(1963-1978). Ferner greift er auf die Konzilsdokumente «Lumen gentium» und «Gaudium et spes» zurück. Auffallend oft erwähnt er denText der lateinamerikanischen Bischofsversammlung in Aparecida von 2007. Ferner verweist er auf Texte der Bischofskonferenzen in Brasilien, Frankreich, USA und den Philippinen sowie auf Texte kontinentaler Bischofssynoden. (KNA)