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Papst geht auf wiederverheiratete Geschiedene zu
International 3 Min. 08.04.2016 Aus unserem online-Archiv
Dokument zu Familie und Ehe

Papst geht auf wiederverheiratete Geschiedene zu

Die Erwartungen an das Schreiben des Papstes waren hoch.
Dokument zu Familie und Ehe

Papst geht auf wiederverheiratete Geschiedene zu

Die Erwartungen an das Schreiben des Papstes waren hoch.
Foto: AFP
International 3 Min. 08.04.2016 Aus unserem online-Archiv
Dokument zu Familie und Ehe

Papst geht auf wiederverheiratete Geschiedene zu

Kerstin SMIRR
Kerstin SMIRR
Zweieinhalb Jahre lang hat die katholische Kirche über umstrittene Ehe- und Familienthemen diskutiert. Heute stellte der Vatikan die Schlussfolgerungen des Papstes vor.

(KNA/dpa/ks) - Papst Franziskus macht wiederverheirateten Geschiedenen in seinem mit Spannung erwarteten Schreiben zu Ehe und Familie vage Hoffnungen auf eine Teilnahme an der Kommunion. Er plädiert an das Gewissen der einzelnen Pfarrer und Priester, die Entscheidung je nach Einzelfall abzuwägen.

"Es ist nur möglich, eine neue Ermutigung auszudrücken zu einer verantwortungsvollen persönlichen und pastoralen Unterscheidung der je spezifischen Fälle", schreibt er in dem am Freitag vorgestellten Dokument "Amoris Laetitia - über die Liebe in der Familie". "Es ist kleinlich, nur bei der Erwägung stehen zu bleiben, ob das Handeln einer Person einem Gesetz oder einer allgemeinen Norm entspricht oder nicht."

Keine konkreten Vorgaben

In dem Text fasst der Argentinier die Ergebnisse der Bischofssynoden aus den vergangenen Jahren mit seinen eigenen Schlussfolgerungen zusammen. Im Zentrum steht die Liebe mit all ihren Facetten. Dabei spricht der 79-jährige auch Themen wie Leidenschaft, Zärtlichkeit und Erotik an, die bisher in der katholischen Kirche meist ausgespart wurden.

Klare Vorgaben zum Umgang mit Homosexuellen oder Geschiedenen macht er jedoch nicht. Wegen der zahllosen Unterschiede konkreter Situationen sei es klar, "dass man von der Synode oder von diesem Schreiben keine neue, auf alle Fälle anzuwendende generelle gesetzliche Regelung kanonischer Art erwarten durfte".

Das Dokument ist 200 Seiten stark.
Das Dokument ist 200 Seiten stark.
Foto: AFP

Weitere Aussagen im Dokument:

  • Papst Franziskus bekräftigt die kirchliche Ablehnung gleichgeschlechtlicher Ehen. Für die Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften mit der Ehe gebe es im Plan Gottes "kein Fundament".  Es gebe zwar eine große Vielfalt familiärer Situationen, "die einen gewissen Halt bieten können". Aber, so der Papst: "Keine widerrufliche oder der Weitergabe des Lebens verschlossene Vereinigung sichert uns die Zukunft der Gesellschaft."
  • Er verurteilt die Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen. Er nennt neben häuslicher Gewalt und sexueller Erniedrigung insbesondere die "schlimme Genitalverstümmelung der Frau in manchen Kulturen".
  • Papst Franziskus verteidigt den Feminismus gegen Vorwürfe aus konservativen Kirchenkreisen. Eine deutlichere Anerkennung der Würde der Frau und ihrer Rechte sei "ein Werk des Heiligen Geistes".
  • Die künstliche Befruchtung kritisiert er als Akt der Manipulation des Lebens. Die Zeugung eines Menschen könne nicht von der sexuellen Beziehung zwischen Mann und Frau abgekoppelt werden. "Verfallen wir nicht der Sünde, den Schöpfer ersetzen zu wollen!", schreibt Franziskus.
  • In seinen Reflexionen über das Zusammenleben in der Ehe äußert sich Papst Franziskus zur steigenden Lebenserwartung der Menschen, die dazu führt, dass auch Ehen länger andauern: "Wir können einander nicht versprechen, das ganze Leben hindurch die gleichen Gefühle zu haben. Stattdessen können wir aber sehr wohl ein festes gemeinsames Vorhaben teilen, uns verpflichten, einander zu lieben und vereint zu leben, bis der Tod uns scheidet, und immer in reicher Vertrautheit leben." Die Sexualität könne sich im Laufe der Jahre wandeln.
  • Papst Franziskus bemängelt, dass in der Ausbildung von geweihten Amtsträgern nicht genug darauf eingegangen wird, wie sie Familien, die Probleme haben, unterstützen können. Dieser Aspekt müsse in der Ausbildung verstärkt werden.
  • Das Thema Verhütung wird ebenfalls aufgegriffen. Papst Franziskus befürwortet zwar die Sexualerziehung, warnt aber vor dem Begriff "sicherer Sex". Dieser vermittle "eine negative Haltung gegenüber dem natürlichen Zeugungszweck der Geschlechtlichkeit, als sei ein eventuelles Kind ein Feind, vor dem man sich schützen muss."
  • Papst Franziskus bekräftigt den Wert der Keuschheit vor der Ehe. Junge Paare müssten in der Ehevorbereitung vor allem an "die Bedeutung der Tugenden" erinnert werden. Dazu gehöre auch die Keuschheit als "wertvolle Voraussetzung für ein echtes Wachstum der zwischenmenschlichen Liebe"

Es handelt sich bei dem Dokument um das Schreiben des Papstes zur ordentlichen Bischofssynode über Ehe und Familie im Oktober 2015. Solche Dokumente, in denen das Kirchenoberhaupt die Ergebnisse einer Bischofssynode gültig zusammenfasst, sind üblich. Der Titel des sogenannten nachsynodalen Schreibens lautet "Amoris laetitia" (Freude der Liebe), der Untertitel "Über die Liebe in der Familie".

Der Diskussionsprozess in einer Chronologie


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