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Papst Franziskus erhält den Karlspreis
International 18 1 3 Min. 06.05.2016 Aus unserem online-Archiv
Feierliche Messe zum Auftakt

Papst Franziskus erhält den Karlspreis

Franziskus ist der erste Papst, der den Karlspreis regulär bekommt. Hier gratuliert ihm Jean-Claude Juncker.
Feierliche Messe zum Auftakt

Papst Franziskus erhält den Karlspreis

Franziskus ist der erste Papst, der den Karlspreis regulär bekommt. Hier gratuliert ihm Jean-Claude Juncker.
Foto: AFP
International 18 1 3 Min. 06.05.2016 Aus unserem online-Archiv
Feierliche Messe zum Auftakt

Papst Franziskus erhält den Karlspreis

Teddy JAANS
Teddy JAANS
Papst Franziskus mahnt, kritisiert und appelliert - auch wenn es um die Lage Europas und die Politik der EU geht. Für seine Verdienste rund um den Kontinent bekommt er nun den Aachener Karlspreis.

(dpa) - Papst Franziskus hat Europa angesichts der Flüchtlingskrise zu einem neuen Humanismus aufgerufen. Er träume „von einem Europa, in dem das Migrantsein kein Verbrechen ist“.

Er wünsche sich ein Europa, das die Rechte der Einzelnen fördert und schützt, ohne die Verpflichtungen gegenüber der Gemeinschaft außer Acht zu lassen, sagte das Kirchenoberhaupt am Freitag nach der Verleihung des Karlspreises im Apostolischen Palast in Rom. „Ich träume von einem Europa, von dem man nicht sagen kann, dass sein Einsatz für die Menschenrechte an letzter Stelle seiner Visionen stand.“ Die Zuhörer im Vatikan erhoben sich und würdigten Franziskus mit starkem Applaus.

Europäische Ideale nicht vergessen

Der Papst erinnerte die Politik daran, dass sie vor der grundlegenden und nicht verschiebbaren Arbeit der Integration stehe. Dabei reiche die bloß geografische Eingliederung der Menschen nicht aus, die Herausforderung bestehe in einer starken kulturellen Integration.

„Das Gesicht Europas unterscheidet sich nämlich nicht dadurch, dass es sich anderen widersetzt, sondern dass es Züge verschiedener Kulturen eingeprägt trägt und die Schönheit, die aus der Überwindung der Beziehungslosigkeit kommt.“

Der Papst erinnerte an die Gründerväter Europas und deren Ideale. „Sie hatten die Kühnheit, nicht nur von der Idee Europa zu träumen, sondern wagten, die Modelle, die bloß Gewalt und Zerstörung hervorbrachten, radikal zu verändern“, sagte er.

Mit einer Messe haben im Vatikan die Feierlichkeiten zur Verleihung des Karlspreises an Papst Franziskus begonnen. Das katholische Kirchenoberhaupt erhält die renommierte Auszeichnung der Stadt Aachen für seine Verdienste um Europa.

Franziskus ist der erste Papst, der mit dem regulären Karlspreis ausgezeichnet wurde. Johannes Paul II. hatte 2004 - ebenfalls in Rom - einen außerordentlichen Karlspreis für sein Lebenswerk erhalten. Der Vorsitzende des Karlspreisdirektoriums, Jürgen Linden, überreichte dem Papst eine Urkunde und eine Medaille.

Ins Gewissen reden

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker dankte Papst Franziskus bei der Karlspreisverleihung in Rom dafür, dass dieser als Mahner Europa ins Gewissen rede. Immer wieder rufe er die ursprünglichen Werte Europas ins Gedächtnis.

Das Kirchenoberhaupt erinnere daran, dass die Europäer ihre Verantwortung und gewaltiges Potenzial besser ausschöpfen könnten und müssten - für Flüchtlinge, für soziale Gerechtigkeit, für den Ausgleich zwischen Menschen und Völkern, erklärte Juncker am Freitag bei der feierlichen Zeremonie im Apostolischen Palast.

Franziskus lebe vor, dass Solidarität und Nächstenliebe nicht nur wohlklingende Worte seien, sondern Werte, die immer wieder aufs Neue zu Haltung und Handeln verpflichteten.

Nach einer Audienz für EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und EU-Ratspräsident Donald Tusk kam Merkel zu einer gesonderten Unterredung mit dem Papst zusammen.

Gealterter Kontinent

Franziskus hatte im November 2014 eine viel beachtete Rede vor dem Europaparlament gehalten und den Mächtigen die Leviten gelesen. Dabei verglich er Europa mit einer Großmutter, sprach von einem müden und gealterten Kontinent. Er warb für ein gemeinsames Europa, das sich nicht nur um die Wirtschaft dreht, sondern vor allem solidarisch mit Armen und Alten ist. Zudem forderte er eine gemeinsame Politik zur Rettung der Migranten im Mittelmeer.

Franziskus erhält den Karlspreis für seine ermutigenden Worte und seine Verdienste um Europa. Der Argentinier ist der erste Papst, der den regulären Karlspreis erhält. Johannes Paul II. war 2004 ein außerordentlicher Karlspreis verliehen worden.

Eindringlicher Aufruf

Der in Buenos Aires geborene Franziskus hatte im November 2014 eine viel beachtete Rede vor dem Europaparlament gehalten und darin für ein gemeinsames Europa plädiert, das sich nicht nur um die Wirtschaft dreht, sondern vor allem solidarisch mit Armen und Alten ist. Zudem forderte er eine gemeinsame Politik zur Rettung der Migranten im Mittelmeer.

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Erst im April hatte Franziskus die griechische Insel Lesbos besucht und die internationale Gemeinschaft eindringlich dazu aufgerufen, mit Menschlichkeit auf die Flüchtlingskrise zu reagieren. Dies gelte besonders für die Europäer, mahnte er.

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