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Wie Politiker und Sportstars ihr Vermögen verschleiern
International 4 Min. 03.04.2016 Aus unserem online-Archiv
"Panama Papers"

Wie Politiker und Sportstars ihr Vermögen verschleiern

Die sogenannten "Panama Papers" zeigen, wie Spitzenpolitiker, Sportstars und Kriminelle ihr Vermögen verschleiern.
"Panama Papers"

Wie Politiker und Sportstars ihr Vermögen verschleiern

Die sogenannten "Panama Papers" zeigen, wie Spitzenpolitiker, Sportstars und Kriminelle ihr Vermögen verschleiern.
Foto: Shutterstock
International 4 Min. 03.04.2016 Aus unserem online-Archiv
"Panama Papers"

Wie Politiker und Sportstars ihr Vermögen verschleiern

Yves BODRY
Yves BODRY
Die „Süddeutsche Zeitung“ hat brisante Daten über Finanzgeschäfte bekannter Persönlichkeiten zugespielt bekommen. Die Unterlagen sollen zeigen, wie Spitzenpolitiker, Sportstars und Kriminelle ihr Vermögen verschleierten. Namen aus Luxemburg tauchten bislang nicht auf.

(dpa) - Hunderte Journalisten aus fast 80 Ländern haben Finanzgeschäfte über Briefkastenfirmen in Panama und in anderen Steueroasen recherchiert. Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und der Sportwelt könnten in Erklärungsnot kommen. Namen aus Luxemburg tauchten bislang nicht auf. Allerdings zeigen die Recherchen, in welchem Ausmaß luxemburgische Banken an der Vermittlung von Offshore-Geschäften beteiligt sind.

Enormes Datenleck 

Spitzenpolitiker, Sportstars und Kriminelle sind nach Recherchen der „Süddeutschen Zeitung“ und anderer Medien in Geschäfte mit Briefkastenfirmen in mehreren Steueroasen verwickelt. Ein enormes Datenleck habe die Geschäfte von 215.000 Briefkastenfirmen offengelegt, berichteten die Zeitung sowie die Tagesschau am Abend. NDR und WDR sind in einem Rechercheverbund mit der „Süddeutschen“. Weltweit veröffentlichten zeitgleich viele Medien, darunter zum Beispiel „Le Monde“, die Informationen. Der Enthüller des NSA-Skandals, Edward Snowden, sprach auf Twitter vom „größten Leck in der Geschichte des Daten-Journalismus“.

FIFA bestätigt Vorermittlungen  

Die Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes FIFA bestätigte bereits interne Vorermittlungen gegen ihr eigenes Mitglied Juan Pedro Damiani aus Uruguay. „Ja, der Bericht ist richtig. Ich kann bestätigen, dass wir eine sogenannte Voruntersuchung in die Wege geleitet haben“, sagte der Sprecher der ermittelnden Kammer der Ethikkommission, Roman Geiser. Weitere Details nannte er nicht.

Laut ARD umfassen die ausgewerteten Unterlagen „E-Mails, Urkunden, Kontoauszüge, Passkopien und weitere Dokumente zu rund 215.000 Offshore-Firmen. Zu den Profiteuren der Offshore-Dienste zählen zwölf Staatsoberhäupter und 128 weitere Politiker, aber auch internationale Finanzinstitute, darunter 15 deutsche Banken oder ihre Töchter. Die Recherchen der „PanamaPapers“ basieren auf einem Datenleck bei der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca“, teilte die ARD mit.

Zwölf amtierende Staats- und Regierungschefs

Die Daten legen laut NDR die Offshore-Geschäfte von insgesamt 140 Politikern und hohen Amtsträgern aus aller Welt offen. Insgesamt fänden sich in den Unterlagen die Namen von zwölf amtierenden und ehemaligen Staats- und Regierungschefs. In den Unterlagen tauchten aber auch Namen von Spionen, Drogenhändlern und anderen Kriminellen auf. Zudem hätten zahlreiche Sportstars und Prominente Offshore-Firmen genutzt.

 In der überwältigen Zahl der Fälle geht es vor allem darum zu verschleiern, wem die Firma in Wahrheit gehört.

„Generell gilt: Der Besitz einer solchen Offshore-Firma ist für sich nicht illegal“, schreibt die „Süddeutsche“. „Aber wer sich in den Panamapapers umsieht, stellt sehr schnell fest, dass es in der überwältigen Zahl der Fälle vor allem um eines geht: zu verschleiern, wem die Firma in Wahrheit gehört.“ 

Die Daten belegten, wie die globale Offshore-Industrie im Verbund mit großen Banken, Anwaltskanzleien und Vermögensverwaltern, in aller Verschwiegenheit die Besitztümer von Politikern, Funktionären, Drogenschmugglern, aber auch von Milliardären, Prominenten oder Sport-Stars verwalte.

Ermittlungen in Panama

Igor Angelini, Chef der Finanzermittlungseinheit von Europol, erklärt dem Bericht zufolge, dass Briefkastenfirmen auch eine „wichtige Rolle bei Geldwäsche-Aktivitäten im großen Maßstab“ spielen. Gleiches gelte für Korruption: Offshore-Firmen würden besonders genutzt, „um die Bestechungsgelder weiterzuleiten“.

Die Staatsanwaltschaft von Panama hat Ermittlungen zu den Vorwürfen eingeleitet. „Nachdem Informationen zu den sogenannten „Panama Papers“ publik geworden sind, gibt die Staatsanwaltschaft den Beginn entsprechender Ermittlungen bekannt“, hieß es in einer Mitteilung der Behörde vom Sonntag.

Panamas Staatschef Juan Carlos Varela sagte die volle Kooperation seines Landes bei der Aufklärung des Falls zu.

Kanzlei-Teilhaber wehrt sich gegen Anschuldigungen

Kanzlei-Teilhaber Ramón Fonseca Mora wehrte sich gegen die Vorwürfe. Sein Unternehmen helfe nicht bei Geldwäsche oder Steuerhinterziehung, sagte er im Fernsehsender TVN. Mossack Fonseca gründe lediglich Firmen und verkaufe sie dann an Banken, Vermögensverwalter oder Anwälte. Eine Geschäftsbeziehung zu den Endkunden bestehe nicht. „Alle, die jetzt in den Veröffentlichungen auftauchen, sind keine Kunden von uns, sondern der Zwischenhändler.“

Fonseca räumte ein, dass die von mehreren Medien am Sonntag veröffentlichten Dokumente zum Teil aus seiner Kanzlei stammen. „Wir wurden gehackt. Das ist ein Verbrechen“, sagte der frühere Berater von Panamas Präsident Juan Carlos Varela.

Ein Überblick

  • Die „PanamaPapers“-Recherchen basieren nach Angaben der daran beteiligten Medien auf einem Datenleck bei einer panamaischen Anwaltskanzlei.
  • Das Leck soll E-Mails, Urkunden, Kontoauszüge, Passkopien und weitere Dokumente zu rund 214 000 Gesellschaften umfassen, vor allem in Panama und den Britischen Jungferninseln.
  • Zu den Profiteuren der Offshore-Dienste sollen unter anderem zwölf Staatsoberhäupter und 128 weitere Politiker gehören.
  • Zu den Profiteuren sollen internationale Finanzinstitute, darunter den Angaben zufolge auch 15 deutsche Banken oder ihre Töchter gehören.
  • Der Datensatz wurde der „Süddeutschen Zeitung“ von einer anonymen Quelle zugespielt.
  • Die „Süddeutsche Zeitung“ teilte die Daten demnach mit dem Internationalen Konsortium investigativer Journalisten (ICIJ) und Partnern auf der ganzen Welt.
  • Etwa 370 Journalisten aus 78 Ländern haben im Zuge der Recherchen rund 11,5 Millionen Dateien ausgewertet. Es handle sich um „ein gigantisches Leak in einer bislang nicht vorstellbaren Dimension von rund 2,6 Terabyte“.

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Der US-Handelsminister Wilbur Ross profitiere als Privatmann von Geschäften mit einer Firma, die dem Schwiegersohn des russischen Präsidenten Wladimir Putin und Kreml-nahen Geschäftsleuten gehöre.
Die brisanten Daten zu Finanzgeschäften bekannter Persönlichkeiten in Steueroasen sind auch von dem Internationalen Konsortium investigativer Journalisten (ICIJ) ausgewertet worden. Das ICIJ wurde 1997 als Projekt des „Center for Public Integrity“ (CPI) gegründet.
Das ICIJ wurde 1997 gegründet.
Das Geschäft mit den Offshore-Firmen
Die Kanzlei Mossack Fonseca aus Panama bietet die Gründung und Verwaltung von Offshorefirmen an. Nach eigenen Angaben beschäftigt das Unternehmen über 500 Mitarbeiter auf der ganzen Welt.
Einlagen von 65 Milliarden US-Dollar
Panama ist einer der wichtigsten Finanzplätze in Lateinamerika. Ein äußerst liberales Bankengesetz hat zahlreiche Kreditinstitute nach Mittelamerika gelockt. Derzeit sollen etwa 90 Banken Einlagen in Höhe von rund 65 Milliarden US-Dollar verwalten.
FILE - Aerial view of the Panama City bay taken on March 23, 2015. Close aides of Russian president Vladimir Putin are among those whose assets feature in a vast expose of tax havens published on April 3, 2016 after a year-long investigation into 11.5 million leaked documents. The assets of around 140 political figures -- including 12 current of former heads of states -- are mentioned in the revelations, according to the probe by the International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) and German daily Sueddeutsche Zeitung. AFP PHOTO/ Rodrigo ARANGUA
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