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Paar in Salisbury durch Nowitschok vergiftet

Paar in Salisbury durch Nowitschok vergiftet

AFP
International 3 Min. 05.07.2018

Paar in Salisbury durch Nowitschok vergiftet

Ein Mann und eine Frau kollabieren in einem Haus in Südengland. Nach erstem Rätselraten folgt die schockierende Ursache: Sie wurden - wie die Skripals - durch das Nervengift Nowitschok schwerstkrank. Gibt es Verbindungen zwischen beiden Fällen?

(dpa) - Vier Monate nach dem Anschlag auf die Skripals in Südengland sind dort wieder ein Mann und eine Frau durch den Kampfstoff Nowitschok vergiftet worden. Das teilte Scotland Yard am späten Mittwochabend mit. Das britische Paar liegt lebensbedrohlich erkrankt in derselben Klinik der Stadt Salisbury wie damals der ehemalige russische Doppelagent Sergej Skripal (67) und seine Tochter Julia (33). Erwartungsgemäß seien Terrorexperten in die Ermittlungen einbezogen worden, teilte Scotland Yard am Mittwoch mit. Die Polizei in der englischen Grafschaft Wiltshire sprach von einem „größeren Vorfall“.


14.03.2018, Großbritannien, Gillingham: Soldaten tragen Schutzanzüge während der Ermittlungen zur Vergiftung des Ex-Doppelagent Skripal und dessen Tochter. Beide waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank entdeckt worden. (Zu dpa "Experte: «Keine präzise» Quelle für Gift im Fall Skripal") Foto: Andrew Matthews/PA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Es war Nowitschok, doch die Herkunft bleibt unbekannt
Der Giftanschlag auf den russischen Ex-Spion Skripal in Südengland löste schwere Spannungen zwischen dem Westen und Russland aus. Nun bestätigt die OPCW den Einsatz des Giftes. Doch wer steckt hinter dem Anschlag?

Bei den Opfern handelt es sich nach Polizeiangaben um einen 45-Jährigen und eine 44-Jährige aus der Region. Zunächst sei die Frau am Samstag kollabiert, später mussten die Ärzte auch den Mann ins Krankenhaus bringen. Der Sicherheitsrat der Regierung, das sogenannte Cobra-Komitee, tritt am Donnerstag zu einer Krisensitzung zusammen.

Es sei unklar, ob das Paar absichtlich als Ziel ausgewählt wurde, erklärte Neil Basu von Scotland Yard am Abend vor Journalisten. Wissenschaftler müssten auch klären, ob das Gift mit der Substanz identisch sei, die bei den Skripals verwendet worden war. Unter dem Begriff Nowitschok läuft eine ganze Gruppe eines bestimmten Nervengifts.

Britische Medien hatten bereits spekuliert, dass das Paar möglicherweise unabsichtlich mit dem Gift in Berührung gekommen sein könnte, das beim Anschlag auf die Skripals verwendet worden war.

Im März waren Teile der Innenstadt von Salisbury abgeriegelt worden, nachdem die Skripals mit dem Kampfstoff vergiftet worden waren. Sie saßen bewusstlos auf einer Parkbank. Großbritannien bezichtigte Russland, als Drahtzieher hinter der Tat zu stehen. Nowitschok war in der früheren Sowjetunion hergestellt worden.

Das Attentat auf die Skripals löste eine schwere internationale Krise aus. Zahlreiche westliche Staaten, auch Deutschland, wiesen Dutzende russische Diplomaten aus. Moskau reagierte mit ähnlichen Maßnahmen. Die Skripals leben inzwischen an einem unbekannten Ort.

Nach dem jüngsten Vorfall wurden einige Bereiche in Salisbury und in dem Wohnort des Paares, dem rund 13 Kilometer weiter nördlich gelegenen Amesbury, vorsichtshalber abgesperrt. Bewohner des Ortes reagierten verunsichert und forderten mehr Informationen von den Behörden. Die Gesundheitsbehörde ging zunächst nicht von einer „bedeutenden Gesundheitsgefährdung“ für die Öffentlichkeit aus.

Das Paar soll unter anderem eine Veranstaltung in einer Kirche besucht haben, bevor es am Samstag erkrankte. Die Beamten waren zunächst davon ausgegangen, dass die beiden möglicherweise verunreinigtes Heroin oder Crack-Kokain eingenommen haben könnten und sich daher im kritischen Zustand befinden.

Das Forschungslabor für Chemiewaffen im nahe gelegenen Porton Down wurde mit den Untersuchungen befasst. Dort war auch das Nervengift Nowitschok im Fall Skripal identifiziert worden. Unabhängige Untersuchungen der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) bestätigten damals das Ergebnis.

Amesbury liegt ganz in der Nähe des Unesco-Weltkulturerbes Stonehenge. Bewohner des Ortes waren verunsichert und forderten mehr Informationen von den Behörden. 


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