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Ostermesse und Segen "Urbi et Orbi" in Rom
International 3 Min. 04.04.2021

Ostermesse und Segen "Urbi et Orbi" in Rom

Für den menschenliebenden Papst ist das Osterfest unter Corona-Bedingungen ernüchternd.

Ostermesse und Segen "Urbi et Orbi" in Rom

Für den menschenliebenden Papst ist das Osterfest unter Corona-Bedingungen ernüchternd.
Foto: AFP
International 3 Min. 04.04.2021

Ostermesse und Segen "Urbi et Orbi" in Rom

Papst Franziskus hat angesichts der anhaltenden Corona-Krise zu Frieden und internationalem Zusammenhalt aufgerufen.

„Die Pandemie ist immer noch in vollem Gange; die soziale und wirtschaftliche Krise ist sehr schwer, besonders für die Ärmsten“, sagte das Kirchenoberhaupt  in seiner Osterbotschaft am Sonntag im Petersdom. „Trotzdem - und das ist skandalös - nehmen die bewaffneten Konflikte kein Ende und werden die militärischen Arsenale verstärkt.“ Die Auferstehung Jesu könne „inmitten dieser komplexen Realität“ Hoffnung schenken, so das Oberhaupt der katholischen Kirche.

Wegen der immer noch geltenden Corona-Restriktionen verkündete der Papst seine Botschaft nicht von der Mittelloggia des Petersdoms, sondern verlas sie - wie im Jahr zuvor - nach einem Gottesdienst in der vatikanischen Basilika. Die vor der Pandemie üblichen Pilgerscharen fehlten. Nur rund 200 Personen waren zu der Zeremonie zugelassen. 170 TV-Sender übertrugen die päpstliche Ansprache weltweit.    

„Hilfe für die Armen“

Franziskus erbat Trost und Unterstützung für alle, die weiterhin unter den Folgen der Pandemie leiden. Vor allem die Armen benötigten Hilfe. Die internationale Gemeinschaft müsse Verzögerungen bei der Impfstoffversorgung überwinden und für eine solidarische Verteilung sorgen.

Der Nachfolger Petri sprach zahlreiche Konfliktregionen der Welt direkt an: In Myanmar wüssten die friedlichen Anhänger der Demokratiebewegung, dass "Hass nur durch Liebe vertrieben werden kann". Libanon und Jordanien lobte der Papst für die „großzügige“ Aufnahme vieler Flüchtlinge aus Syrien. Das „Getöse der Waffen“ in dem Bürgerkriegsland müsse endlich aufhören. Das gelte auch für den Jemen, wo die Ereignisse von einem „skandalösen Schweigen umhüllt“ seien.    

Nur etwa 200 Gläubige wohnten der Feier im Petersdom bei.
Nur etwa 200 Gläubige wohnten der Feier im Petersdom bei.
Foto: AFP

Der 84-Jährige warb für eine Verständigung zwischen Israelis und Palästinensern, prangerte Gewalt und Terror in Afrika an, forderte friedliche Lösungen für Libyen, die Ostukraine, Berg-Karabach. Sämtliche beteiligten Parteien sollten sich „effektiv dafür einsetzen“, all diese Konflikte zu beenden. Mit Gottes Hilfe sei es möglich, „Mentalität des Krieges“ zu überwinden.

Zum Ende seiner Ansprache griff der Papst den Welttag gegen Antipersonenminen auf, der jährlich am 4. April begangen wird. „Diese heimtückischen und schrecklichen Sprengkörper töten oder verstümmeln jedes Jahr viele unschuldige Menschen“, sagte er und mahnte: „Wie viel besser wäre eine Welt ohne diese Instrumente des Todes!“    

Ein Jahr zuvor - im April 2020, als die Pandemie in Italien in vollem Gang war - hatte Papst Franziskus am Ostersonntag in noch beschränkterer Form mit einigen wenigen Konzelebranten und Ordensschwestern die Ostersonntagsmesse gefeiert. Die Liturgie wurde etwas verkürzt.

Feiern abgesagt

Damals wie auch in diesem Jahr mussten Veranstaltungen ausfallen oder an andere Orte verlegt werden. Franziskus konnte zum Beispiel den Kreuzweg am Karfreitag nicht wie sonst am Kolosseum in Rom beten, sondern musste auf den Petersplatz ausweichen. 


Papst Franziskus allein auf dem Petersplatz im Vatikan.
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Für den 84-Jährigen, der als jemand gilt, der gerne unter Menschen ist, fallen die großen Kirchenfeste Ostern und Weihnachten in Pandemiezeiten ernüchternd aus. Seine Volksnähe war etwa auf seiner Irak-Reise sichtbar, als er im Fußballstadion der kurdischen Hauptstadt Erbil nach langer Zeit wieder eine Messe vor Tausenden Menschen halten konnte.

Urbi et Orbi

Der zweite wichtige Programmpunkt am diesjährigen Ostersonntag war die Spende des Segens „Urbi et Orbi“ (Für die Stadt und den Erdkreis) im Anschluss an den Gottesdienst. Damit erlässt der Papst den Gläubigen die Strafen für ihre Sünden, wenn sie diese schon zuvor - beispielsweise in der Beichte oder durch Gebete - getilgt haben. Früher konnten Gläubige den Ablass nur auf dem Petersplatz empfangen. Über die Jahre wurde das auch über das Radio (1967), das Fernsehen (1985) und das Internet (1995) möglich.

Der Segen steht in der Regel an Ostern und Weihnachten auf dem Programm - und dann, wenn ein Papst neu gewählt wurde. Im vergangenen Jahr spendete der Pontifex den Segen zudem aus außerordentlichem Anlass am 27. März. Grund dafür war die Corona-Pandemie. Damals rief er die Katholiken zu Nächstenliebe und dem Erkennen der wahren Prioritäten im Leben auf.    

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