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Orban bei Israel-Besuch: Null Toleranz für Antisemitismus in Ungarn
Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban (l.) mit seinem israelischen Kollegen Benjamin Netanjahu.

Orban bei Israel-Besuch: Null Toleranz für Antisemitismus in Ungarn

Foto: AFP
Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban (l.) mit seinem israelischen Kollegen Benjamin Netanjahu.
International 2 Min. 19.07.2018

Orban bei Israel-Besuch: Null Toleranz für Antisemitismus in Ungarn

Gegen Ungarns rechtsnationale Regierung sind immer wieder Antisemitismus-Vorwürfe laut geworden. Bei seinem ersten Israel-Besuch wird Regierungschef Orban jedoch mit offenen Armen empfangen.

(dpa) - Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban hat bei seinem ersten Israel-Besuch versichert, es gebe „null Toleranz“ für Antisemitismus in seinem Land. „Alle jüdischen Bürger in Ungarn stehen unter dem Schutz der Regierung und darauf sind wir stolz“, sagte Orban zu Beginn eines Treffens mit seinem Kollegen Benjamin Netanjahu.

Netanjahu dankte Orban dafür, dass dieser Israel in internationalen Einrichtungen verteidige. „Wir beide verstehen, dass die Bedrohung durch den radikalen Islam echt ist“, sagte Netanjahu ferner. Er bedrohe Europa und die ganze Welt. Orban versucht seit 2015, Ungarn strikt gegen Flüchtlinge abzuschotten und hat immer wieder betont, dass das Christentum Europa definiere.

In Jerusalem sagte Orban, die Osteuropäer seien weniger antisemitisch als die Westeuropäer: „In Europa sind Formen des modernen Antisemitismus entstanden, wir leben jetzt in Zeiten, in denen der Antisemitismus in Westeuropa steigt und in Osteuropa aber sinkt“, sagte der rechtsnationale Politiker und fügte hinzu: „Ich betrachte auch die Israel-Feindlichkeit als Ausdruck des Antisemitismus.“

Orban hat bisher immer wieder mit Blick auf seine restriktive Flüchtlingspolitik betont, dass Ungarn und seine Verbündeten im Visegrad-Pakt (Polen, Tschechien und die Slowakei) derzeit die wahren Wächter europäischer Werte seien. 

Israels Opposition hatte Orbans Besuch zuvor scharf kritisiert. Orban hatte im vergangenen Jahr mit Lob für den ungarischen rechts-autoritären Führer und Hitler-Verbündeten Miklos Horthy (1868-1957) für Irritationen gesorgt. Er bezeichnete diesen als „außergewöhnlichen Staatsmann“.

Der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin warnte bei einem Treffen mit Orban vor „Neo-Faschismus“ in Europa. „Wir dürfen nicht vergessen, wenn wir sagen, "Nie wieder": Neo-Faschismus und neo-faschistische Gruppen sind eine echte Gefahr für die Existenz der freien Welt“, sagte Rivlin nach Angaben der „Times of Israel“. Dies wurde als subtile Kritik an Orban und seiner Politik gewertet.

Am Nachmittag besuchte Orban die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Israelische Demonstranten blockierten nach Abschluss des Besuchs kurzzeitig seinen Wagen. Auf Videoaufnahmen des israelischen Armeesenders waren mehrere Menschen zu sehen, die schwarze Schilder in die Höhe hielten. „Erinnert Euch“, stand auf einem davon. Die Polizei habe die Demonstranten nach einer Weile zur Seite gedrängt, so dass Orbans Wagen durchfahren konnte, berichtete die Nachrichtenseite „ynet“.

Am Freitag steht ein Besuch an der Klagemauer auf Orbans Programm. Treffen mit den Palästinensern sind nicht vorgesehen.

Netanjahu hatte Ungarn vor einem Jahr besucht. Der israelische Regierungschef hat Orban in der Vergangenheit klar unterstützt - wofür er sowohl von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde in Ungarn als auch der israelischen Opposition kritisiert wurde. So wurde etwa die Regierungskampagne gegen den liberalen US-Milliardär George Soros als antisemitisch kritisiert.


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