Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Opferzahl steigt auf 72
International 2 Min. 05.04.2017 Aus unserem online-Archiv
Mutmaßlicher Giftgasangriff in Syrien

Opferzahl steigt auf 72

Nach der Giftgasattacke griffen Jets der Luftwaffe auch das örtliche Krankenhaus von Chan Scheichun an - so die Version der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte.
Mutmaßlicher Giftgasangriff in Syrien

Opferzahl steigt auf 72

Nach der Giftgasattacke griffen Jets der Luftwaffe auch das örtliche Krankenhaus von Chan Scheichun an - so die Version der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte.
Foto: AFP
International 2 Min. 05.04.2017 Aus unserem online-Archiv
Mutmaßlicher Giftgasangriff in Syrien

Opferzahl steigt auf 72

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Noch immer ist nicht klar, wer hinter dem mutmaßlichen Giftgasangriff auf die Stadt Chan Scheichun in Nordsyrien steckt. Jetzt soll eine UN-Resolution für Klärung sorgen. Unterdessen steigt die Zahl der Toten.

(dpa) - Die Zahl der Toten bei dem mutmaßlichen Giftgasangriff im Nordwesten Syriens ist nach Angaben von Aktivisten auf 72 gestiegen. Unter den Opfern in der von Rebellen kontrollierten Stadt Chan Scheichun seien 20 Kinder und 17 Frauen, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Mittwoch. Flugzeuge hätten den Ort in den Morgenstunden erneut angegriffen.

Gezielter Angriff oder Kollateralschaden?

Frankreich und Großbritannien sehen Syriens Regierung hinter dem mutmaßlichen Giftgasangriff am Dienstag. Russland zufolge traf die syrische Luftwaffe hingegen eine Chemiewaffenfabrik.

Es seien ein großes Munitionslager der Terroristen und eine Ansammlung militärischer Geräte ins Visier genommen worden, teilte das Verteidigungsministerium laut Nachrichtenagentur Tass am Mittwoch mit. Das gehe aus den Aufnahmen der russischen Luftraumbeobachtungssysteme hervor.

Auf dem Gebiet der Lagerstätte hätten sich Werkstätten befunden, in denen Geschosse mit chemischen Kampfstoffen produziert worden seien, hieß es weiter. Aus diesem großen Waffenlager seien Chemiewaffen an Kämpfer in den Irak geliefert worden. Rebellen hätten ähnliche Geschosse bereits in Aleppo eingesetzt.

Mögliche UN-Resolution am Mittwoch

Die USA, Frankreich und Großbritannien haben dem UN-Sicherheitsrat einen Resolutionsentwurf vorgelegt, in dem der mutmaßliche Giftgasangriff verurteilt und rasch aufgeklärt werden soll. Die zweiseitige Resolution könnte bei der Sitzung des Rats am Mittwoch in New York zur Abstimmung kommen. Unklar ist, wie in diesem Fall Russland und China abstimmen würden, die erst im Februar eine Resolution zu Syrien mit ihrem Veto blockiert hatten.

Sanktionen, etwa gegen das syrische Regime von Präsident Baschar al-Assad, sieht der Resolutionsentwurf nicht vor - diese werden ohne die Nennung des syrischen Regimes lediglich angedroht. Für das mit Syrien verbündete Russland wäre die Resolution damit vertretbarer. Der Entwurf fordert aber detaillierte Angaben über die Lufteinsätze des syrischen Militärs, darunter auch Flugpläne und -bücher vom Dienstag, dem Tag des Angriffs. Auch die Namen der Kommandeure jeglicher Hubschrauberstaffeln des Regimes werden gefordert.

Außerdem müsse Syrien Zugang zu relevanten Militärflugplätzen gewähren, von denen laut UN-Untersuchungsteams und der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) möglicherweise Chemiewaffen abgefeuert wurden. Auch Treffen mit Generälen und anderen Offizieren müssten im Rahmen der Untersuchungen innerhalb von höchstens fünf Tagen ermöglicht werden, heißt es in der Resolution, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Die USA riefen Russland und den Iran in scharfer Form dazu auf, ihren Einfluss auf den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad geltend zu machen. „Es ist klar, wie Assad operiert: mit brutaler, unverfrorener Barbarei“, erklärte US-Außenminister Rex Tillerson in Washington. Die Unterstützer Assads sollten sich keinerlei Illusionen über ihn oder seine Absichten hingeben.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Syrien bleibt ein Zankapfel zwischen Moskau und Washington. Das Weiße Haus sieht Vorbereitungen für einen Giftgasangriff. Der Kreml sagt fast schon absehbar: „Wir nicht.“
Der Syrische Diktator Baschar Al-Assad besuchte am Dienstag Einheiten der russischen Luftwaffe in Syrien.
Russland und der Iran haben den US-Angriff auf einen syrischen Militärflugplatz scharf kritisiert. Zustimmung kommt aus Großbritannien und aus Saudi-Arabien - einem langjährigen Gegner von Syriens Präsident Al-Assad
Wladimir Putin spricht im Zusammenhang mit dem Raketenangriff von einem "erdachten Vorwand".
US-Präsident Trump will sein Militär massiv aufrüsten - aber was heißt das für den Krieg in Syrien? Wegen begrenzter Möglichkeiten bleiben Andeutungen eines Alleingangs erstmal im Raum stehen. Auch UN-Diplomaten beschuldigen sich, anstatt zu handeln.
Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, hält Fotos von Opfern des Gasangriffs in die Höhe.