Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Ohne Panzerwagen: Was der Papst in Ägypten will
International 2 Min. 26.04.2017

Ohne Panzerwagen: Was der Papst in Ägypten will

Das katholische Kirchenoberhaupt hat einen wichtigen Besuch vor sich.

Ohne Panzerwagen: Was der Papst in Ägypten will

Das katholische Kirchenoberhaupt hat einen wichtigen Besuch vor sich.
REUTERS
International 2 Min. 26.04.2017

Ohne Panzerwagen: Was der Papst in Ägypten will

Teddy JAANS
Teddy JAANS
Als zweiter Papst der Neuzeit besucht Franziskus Ägypten, um ein Zeichen für den Frieden zu setzen. Doch der Besuch ist nicht ohne. Und Franziskus geht ein zusätzliches Risiko ein.

(dpa) - Der letzte Papstbesuch in Ägypten liegt fast 20 Jahre zurück. Im Jahr 2000 kniete Papst Johannes Paul II. als erstes Katholikenoberhaupt der Neuzeit am Berg Sinai und rief die Religionen zum Frieden auf. Jetzt liegen Revolutionen und Regierungsstürze hinter dem größtenteils muslimischen Land - einem Schwergewicht im Nahen Osten, das seit Jahren nicht zur Ruhe kommt. Terroranschläge und Menschenrechtsverletzungen zeichnen das Image des Landes.

Trotzdem, oder gerade deshalb, macht sich Papst Franziskus am Freitag auf den Weg zu einem zweitägigen Besuch in das bevölkerungsreichste Land der arabischen Welt. Schon vorab wird er als historisch eingestuft.

Kritische Zeit

Der Besuch in Kairo, der unter dem Motto „Pope of Peace in Egypt of Peace“ („Papst des Friedens in Ägypten des Friedens“) steht, kommt zu einer kritischen Zeit. Erst vor etwa zwei Wochen starben bei einem Anschlag am Palmsonntag auf zwei christliche Kirchen in Nordägypten mehr als 40 Menschen. „Ich möchte, dass dieser Besuch eine persönliche Geste des Trostes und der Ermutigung für alle Christen im Nahen Osten sei, eine Botschaft der Freundschaft und Wertschätzung an alle Einwohner Ägyptens und der gesamten Region“, sagte der 80-jährige Pontifex vorab in einer Videobotschaft.

Die ägyptischen Katholiken - und nicht nur sie - bereiten sich derzeit auf den Besuch von Franziskus vor.
Die ägyptischen Katholiken - und nicht nur sie - bereiten sich derzeit auf den Besuch von Franziskus vor.
AFP

Die Sicherheitsvorkehrungen werden extrem hoch sein. „Wir machen uns keine Sorgen“, sagte Papst-Sprecher Greg Burke. Aber ein Risiko gebe es überall, egal ob in Frankreich, den USA oder eben in Ägypten. Der Papst werde in Kairo auf eigenen Wunsch nicht mit einem gepanzerten Wagen unterwegs sein, sondern mit einem normalen Auto. „Er will eben auch ein positives Signal setzen“, so Burke. Allerdings soll es keine Fahrt mit dem Papamobil geben.

Dialog der Religionen

Etwa zehn Prozent der Bevölkerung in Ägypten sind Christen, die meisten Kopten. Von den mehr als 90 Millionen Einwohnern sind nach Angaben des Vatikans gerade mal 272 000 Katholiken.

Der Besuch sei nach den Anschlägen ein „Zeichen der Nähe“, sagte Papstsprecher Burke. Der argentinische Pontifex wird bei dem Besuch auch Staatspräsident Abdel Fattah al-Sisi und den einflussreichen Großimam der Al-Azhar-Universität, Ahmed Mohammed al-Tajjib, treffen. Höhepunkt soll eine Rede bei einer Friedenskonferenz werden. Zudem ist eine Begegnung mit dem koptischen Papst Tawadros II. vorgesehen.

Franziskus treibt seit Beginn seiner Amtszeit den Dialog der Religionen voran. Es sei falsch, den Islam mit Terrorismus gleichzusetzen, auch Katholiken begingen Verbrechen, betonte er immer wieder. Fundamentalisten seien „gottlos“.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema