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"Ohne Helmut Kohl gäbe es den Euro nicht."
International 3 Min. 16.06.2017 Aus unserem online-Archiv
Jean-Claude Juncker tief getroffen

"Ohne Helmut Kohl gäbe es den Euro nicht."

Die beiden Politiker verband eine tiefe Freundschaft.
Jean-Claude Juncker tief getroffen

"Ohne Helmut Kohl gäbe es den Euro nicht."

Die beiden Politiker verband eine tiefe Freundschaft.
International 3 Min. 16.06.2017 Aus unserem online-Archiv
Jean-Claude Juncker tief getroffen

"Ohne Helmut Kohl gäbe es den Euro nicht."

Teddy JAANS
Teddy JAANS
Lesen Sie hier die Erklärung des Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker zum Tod von Altbundeskanzler Helmut Kohl.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker veröffentlichte zum Tod von Helmut Kohl ein persönliches Würdigungsschreiben (Hervorhebungen durch die  Redaktion):

"Die Nachricht vom Tod des früheren Bundeskanzlers und meines engen Freundes Helmut Kohl hat mich tief getroffen. Er wird uns fehlen, denn er war Europa und mir persönlich ein echter Vertrauter und Verbündeter.

Er hat mich persönlich auf allen europäischen Wegen geleitet und begleitet. Helmut Kohl hat das europäische Haus mit Leben erfüllt − nicht nur, weil er Brücken nach Westen wie nach Osten gebaut hat, sondern auch, weil er niemals aufgehört hat, noch bessere Baupläne für die Zukunft Europas zu entwerfen.

Er hat damit immer die historische Bedeutung gesehen − auch im perspektivischen Sinne des Wortes. Ohne Helmut Kohl gäbe es den Euro nicht. Er hat von Anfang an erfasst, welche politische und wirtschaftliche Bedeutung, welchen unschätzbaren Wert und welche Strahlkraft eine einheitliche Währung für unseren Kontinent hat.

Für ihn wie für seinen engsten Weggefährten François Mitterrand war Europa immer ein Friedensprojekt. Ungeachtet welches politische Thema der Altbundeskanzler angepackt hat: Er hat nie vergessen, dass das europäische Projekt diesen Kontinent nach den Weltkriegen gerettet hat. Für ihn war es also nicht nur eine Frage des Wohlstands, sondern auch und vor allem eine Berufung, gemeinsam Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.

Besuch in Verdun

Als Helmut Kohl die Schlachtfelder von Verdun besuchte und in einer rührenden Geste seine Freundschaft zum französischen Präsidenten zeigte, war das für ihn keine Symbolpolitik, sondern Ausdruck seiner Mission. Er betonte daher auch in seiner Dankesrede für den Karlspreis, den er zusammen mit François Mitterrand erhalten hatte, dass die Gemeinsamkeit von Franzosen und Deutschen auch Voraussetzung, Grundlage und bleibender Antrieb für den europäischen Einigungsprozess sei. Die deutsche Einheit, die ihm wie keinem anderen zu verdanken ist, hat er stets als Teil des europäischen Projekts verstanden.

Das erklärt auch, warum er, wenn er die Wahl hatte zwischen nationalem Durchmarschieren oder europäischem Gleichklang, stets die europäische Karte gezogen hat. Dabei war er immer ganz besonders aufmerksam für die Befindlichkeiten und Interessen kleinerer Länder. Das alles entsprach seiner Grundhaltung, die auch meine ist, dass der Austausch und der politische Ausgleich, den einzigartigen Gewinn und besonderen Zauber Europas ausmachen.

Großer Europäer

Dass Helmut Kohl diese Haltung auch dann vertreten hat, wenn es gerade nicht populär war, sollte uns ein Auftrag sein. Helmut Kohl war ein großer Europäer und ein sehr guter Freund. Ersteres ist eine objektive Feststellung, letzteres sehr persönlich. Er war mein Förderer − ein lieber Mensch, der hineinhören konnte in das Leben anderer, der auch mal ohne parteipolitische Brille in die Welt schaute, der viel Humor hatte.

Als Politiker vermochte er es, den Menschen Politik näher zu bringen, auch weil bei ihm Reden und politische Taten zusammenfanden. Ich bin stolz, ihn gekannt zu haben. Ich wünsche uns heute den gleichen Mut, Geduld und Entschlossenheit, um so unerschütterlich wie Helmut Kohl die europäischen Herausforderungen anzugehen. Uns verband und verbindet auf immer die gemeinsame Vision für Europa, unsere beider Herzensangelegenheit.

Flaggen auf Halbmast

Mir ist es daher politischer wie persönlicher Wunsch, daran mitzuwirken, dass sein Traum von Europa in Erfüllung geht. Nur drei Menschen, Jean Monnet, Jacques Delors und Helmut Kohl haben für ihre Verdienste für die europäische Zusammenarbeit die Ehrenbürgerschaft Europas erhalten. Ich denke, das spricht für sich und macht unseren Verlust heute umso größer – politisch wie menschlich. In Gedenken an Helmut Kohl habe ich deshalb die Europaflaggen vor den europäischen Institutionen auf Halbmast setzen lassen. Meine Gedanken sind bei den Menschen in Deutschland und vor allem bei denen, die ihm nahe standen."


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