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Obama in Griechenland: Eine Lanze für die Demokratie
International 2 Min. 16.11.2016 Aus unserem online-Archiv

Obama in Griechenland: Eine Lanze für die Demokratie

Obama verließ Athen am Nachmittag in Richtung Berlin.

Obama in Griechenland: Eine Lanze für die Demokratie

Obama verließ Athen am Nachmittag in Richtung Berlin.
Foto: AFP
International 2 Min. 16.11.2016 Aus unserem online-Archiv

Obama in Griechenland: Eine Lanze für die Demokratie

Teddy JAANS
Teddy JAANS
Der US-Präsident fordert weniger Politikverdrossenheit und Populismus, dafür mehr Eigenverantwortung und Optimismus, um den Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen.

(dpa) - Barack Obama hat bei seiner letzten Rede in Europa als US-Präsident eine Demokratie ohne Abstriche beschworen. Dies gelte besonders dann, wenn Wahlergebnisse nicht so ausfallen, wie man es sich wünscht, sagte Obama gut eine Woche nach dem Wahlerfolg von Donald Trump in den USA. Demokratie sei zwar nicht perfekt, aber immer noch die beste Staatsform, die wir kennen, rief Obama am Mittwoch unter tosendem Applaus in Athen, der Wiege der Demokratie. Noch am Abend wurde er in Berlin erwartet, wo er sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zu bilateralen Gesprächen treffen wollte

Am Donnerstag will Obama mit Merkel über die Herausforderungen der künftigen transatlantischen Beziehungen unter dem designierten Präsidenten Trump beraten. Für Freitag ist in Berlin ein Spitzentreffen mit europäischen Staats- und Regierungschefs geplant.

Demokratie über alles

Der US-Präsident ließ sich einen Spaziergang über die Akropolis nicht entgehen.
Der US-Präsident ließ sich einen Spaziergang über die Akropolis nicht entgehen.
Foto: AFP

„Unsere Welt ist die wohlhabendste, gesündeste, friedlichste, die es je gab, auch wenn es nicht immer so scheint, wenn wir Nachrichten schauen“, sagte Obama im Athener Kulturzentrum der Stavros-Niarchos-Stiftung. Allein die Demokratie biete auch den Rahmen, die Staatsform noch besser zu machen. Dabei seien vor allem die Bürger gefragt, denn sie seien nicht etwa die Diener, sondern die Vertreter der Demokratie.

Als große Herausforderung nannte Obama die Ungleichheit in der Welt, die nicht zuletzt durch die Globalisierung entstehe. Zwar habe die wirtschaftliche Vernetzung zu mehr Wohlstand, mehr Bildung und weniger Gewalt geführt, „aber es gibt auch enorme Brüche“.

Die moderne Kommunikation ermögliche weltweite Information für jedermann. „Ungleichheit wurde früher eher toleriert, sie wird jetzt nicht mehr toleriert, weil jeder, auch in den entlegensten Regionen Afrikas, ein Smartphone hat und sehen kann, wie die Leute in London oder New York leben“, sagte der Präsident. „Ungleichheit ist die größte Gefahr für unsere Demokratien.“

Unsicherheitsgefühl

Vielerorts herrsche Unsicherheit und Unbehagen. „So viele Leute auf der ganzen Welt werden manchmal in Versuchung geführt, von Zynismus und davon, sich nicht einzubringen, weil sie glauben, dass Politiker und Regierung sich nicht um sie scheren.“ Dem müsse man entschieden entgegentreten, sagte Obama. Die Instrumente dazu gebe es - oft mangele es jedoch am politischen Willen. Die Vorteile der Globalisierung müssten mehr Menschen erreichen, forderte der Präsident.

Immer wieder brandete tosender Beifall auf. Für Begeisterung sorgten in Athen vor allem seine an die Griechen gerichteten Worte. „Denn es war hier vor 25 Jahrhunderten auf den steinigen Hügeln dieser Stadt, dass eine neue Idee entstanden ist: Demokratie.“ Auch forderte er in seiner Ansprache erneut einen Schuldenschnitt für das finanziell gebeutelte Land. Gleichzeitig mahnte er die Eigenverantwortung an: „Fortschritt ist keine Garantie. Fortschritt muss sich jede Generation verdienen.“

Hinweise auf Trump

Auch an Hinweisen auf seinen Nachfolger Trump mangelte es nicht. „Der nächste US-Präsident und ich könnten unterschiedlicher nicht sein“, sagte Obama. „Aber wir haben eine Tradition, dass der scheidende Präsident den neuen willkommen heißt und das habe ich letzte Woche getan“, betonte er. Die Grundpfeiler der Demokratie und eine offene Debatte müssten aufrechterhalten werden. „Dann sind wir auch okay.“

„Der Fortschritt folgt einem kurvenreichen Pfad - manchmal vorwärts, manchmal zurück“, sagte Obama. Vor allem für junge Leute sei es wichtig, das zu verstehen, auch wenn es schwerfalle. „Aber die amerikanische Demokratie ist größer als jede Einzelperson.“


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