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Obama auf historischer Mission : Cuba libre?
Die jungen Einwohner Kubas schmücken ihre Kleider mit US-Emblemen.

Obama auf historischer Mission : Cuba libre?

Reuters
Die jungen Einwohner Kubas schmücken ihre Kleider mit US-Emblemen.
International 3 Min. 19.03.2016

Obama auf historischer Mission : Cuba libre?

Pierre LEYERS
Pierre LEYERS
Der letzte US-Präsident reiste 1928 noch mit dem Schiff an. Barack Obama besucht Kubas Staatschef Raúl Castro. Mit dessen Bruder Fidel hätte es diesen Wandel durch Annäherung wohl nicht gegeben, schreiben die dpa-Reporter Maren Hennemuth und Georg Ismar

Von Maren Hennemuth und Georg Ismar (dpa)

Im Stadion legen Arbeiter letzte Hand an. Die Bänke im Estadio Latinoamericano zu Havanna bekommen einen neuen Anstrich, der Rasen wird getrimmt. Am Dienstag spielt hier Kubas Baseball-Team gegen die Tampa Bay Rays aus Florida. Es ist mehr als nur ein simples Freundschaftsspiel, es ist das erste Spiel einer US-Mannschaft auf Kuba seit 1999. Und im Publikum wird ein Ehrengast sitzen, der bis vor einiger Zeit noch als Feindbild galt: US-Präsident Barack Obama.

Der Abstecher ist Teil seines dreitägigen Besuchs, der ersten Reise eines US-Präsidenten nach Kuba seit 1928. Auch das Zentralorgan der Kommunistischen Partei Kubas, die Granma, wo jahrzehntelang die USA als Erzfeind an den Pranger gestellt wurden, widmet sich betont freundlich Obama. Und es wird daran erinnert, dass beim letzten Mal Präsident Calvin Coolidge noch mit einem Kriegsschiff anreiste.

Jugendliche am berühmten Malecón in Havana.
Jugendliche am berühmten Malecón in Havana.
REUTERS

Manche sprechen von Obamas Baseball-Diplomatie - in Anlehnung an die politische Annäherung der USA an China in den 1970er Jahren mittels Tischtennis. „Baseball ist für Kuba, was Tischtennis für China war“, sagt Peter Kornbluh, Leiter eines Forschungsprojektes zu Kuba am National Security Archive in Washington. „Es ist ein Weg, zu zeigen, dass wir Gemeinsamkeiten haben und dasselbe kulturelle Interesse im Sport teilen, auch wenn sich unsere Weltanschauungen grundlegend unterscheiden.“ Hier wie dort ist Baseball ein Nationalsport.

Ein historischer Schritt

Obama hat im früheren Hinterhof Lateinamerikas keine sehr aktive Rolle übernommen, aber wenn er - mit dem Flugzeug - am Sonntag in Kuba landen wird, ist das zweifellos ein historischer Schritt. Obama sende die Botschaft aus, „dass die Zeiten gegenseitiger Feindschaft vorbei sind“, so Michael Shifter von der Georgetown Universität Washington.

Für Kubas Staatschef Raúl Castro ist es der Höhepunkt eines Prozesses der wachsenden internationalen Anerkennung. Vieles ist lockerer auf Kuba geworden, sich rasch vermehrende private Restaurants machen gute Geschäfte, die Repression hat nachgelassen. Die alten Phrasen an den Wänden wie „Sozialismus oder Tod“ wirken etwas aus der Zeit gefallen.

Eine Touristin in Fotografier-pose zwischen historischen Oldtimern.
Eine Touristin in Fotografier-pose zwischen historischen Oldtimern.
AFP

Der „Economist“ zeigt Barack Obama auf dem neuen Titel mit Cohiba und einem kleinen Wortspiel: „Cubama“. Der Besuch im letzten Jahr seiner Amtszeit ist fast schon logisch, nachdem beide Staaten im Juli 2015 wieder Botschaften eröffnet haben.

Tourismus weiter nicht möglich

Stück für Stück geht man aufeinander zu: US-Bürger dürfen den Karibikstaat aus Studienzwecken oder familiären Gründen besuchen - Tourismus ist aber weiter nicht möglich. Seit wenigen Tagen gibt es erstmals seit über 50 Jahren einen direkten Postverkehr. Bislang wurde die Sendung von Briefen und Paketen zwischen Kuba und den USA nur über Drittländer abgewickelt.

Das 1961 begonnene Embargo gilt als einer der längsten Boykotte der neueren Geschichte - es besteht genauso lang, wie Obama auf der Welt ist. Der Kalte Krieg ist 26 Jahre vorbei - da wirkt diese Feindschaft recht antiquiert. Das Handelsembargo sei „nur noch ein ideologisches Versatzstück zur Befriedigung der Weltanschauung einiger Hardliner im amerikanischen Kongress“, meint der Politologe Bernd Greiner im SWR.

Aber der Kuba-Kenner Bert Hoffmann vom Hamburger Giga-Institut für Lateinamerika-Studien meint auch, dass es ohne die Person Raúl Castro den Prozess nicht gäbe. Es ist nach der Blaupause des Architekten der deutschen Ost-Politik, Egon Bahr (SPD), ein Wandel durch Annäherung.

Touristen flanieren an einem Poster mit den Porträts der beiden Präsidenten Castro und Obama vorbei.
Touristen flanieren an einem Poster mit den Porträts der beiden Präsidenten Castro und Obama vorbei.
AFP

„Unter Fidel wäre dieser Schritt so nicht möglich gewesen“, glaubt Hoffmann. Es gebe auch kaum öffentliche Gutheißungen des Agierens seines Bruders. Der heutige Pensionär Fidel war der Anführer der Revolution, mit der 1959 der Diktator Fulgencio Batista gestürzt und ein karibischer Kommunismus mit sowjetischer Hilfe errichtet wurden war.

Ein morbides Freilichtmuseum

Obama wird ein morbides Freilichtmuseum zu sehen zu bekommen. Immer noch sind die Straßen gesäumt von uralten Straßenkreuzern, maroden Altbauten. Und während die internationale Journalistenschar im Hotel „Habana Libre“ bestens funktionierendes Internet haben wird, scharen sich die Jugendlichen abends um die ganz wenigen, kostenpflichtigen Hotspots. Oder sitzen zu Tausenden - mangels Smartphone - abends an der Meerespromenade, dem Malecón, unterhalten sich und musizieren.

Knackpunkt bleiben die Menschenrechte - es gab im Vorfeld des Besuchs Hunderte vorübergehende Festnahmen von Oppositionellen. Differenzen würden nicht über Nacht verschwinden, meint Obamas stellvertretender Sicherheitsberater Ben Rhodes. „Indem wir den Handel öffnen, indem wir Reisen möglich machen, stärken wir die kubanische Bevölkerung.“ Dadurch habe sie mehr Möglichkeiten, mehr Austausch mit dem Rest der Welt, sagte er in einem Interview. Eben ein Wandel durch Annäherung.


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