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Notstopp im Schaumglas: Saarbrückens Landebahn wird sicherer
International 1 3 Min. 13.03.2019

Notstopp im Schaumglas: Saarbrückens Landebahn wird sicherer

Als erster Flughafen in Deutschland wird der Airport in Saarbrücken mit einem neuartigen Notbremssystem für Flugzeuge ausgerüstet.

Notstopp im Schaumglas: Saarbrückens Landebahn wird sicherer

Als erster Flughafen in Deutschland wird der Airport in Saarbrücken mit einem neuartigen Notbremssystem für Flugzeuge ausgerüstet.
Foto: dpa
International 1 3 Min. 13.03.2019

Notstopp im Schaumglas: Saarbrückens Landebahn wird sicherer

Als erster Flughafen in Deutschland wird der Airport in Saarbrücken mit einem neuartigen Notbremssystem für Flugzeuge ausgerüstet. Bis Ende März entsteht am Ende der Landebahn eine 85 Meter mal 45 Meter große Notfallzone, in der über die Piste hinausschießende Flugzeuge abgebremst werden sollen.

(dpa) - Es ist ein Alptraum. Ein Flugzeug landet, kommt aber nicht rechtzeitig auf der Piste zum Stehen und rast in ein Haus, gegen einen Berg oder ins Meer. Genau solche Katastrophen soll ein neuartiges Bremssystem verhindern. Erstmals in Deutschland wird es jetzt auf dem Flughafen in Saarbrücken installiert: Es soll im Notfall Flugzeuge beim Überrollen der Landebahn in einem Bett aus speziellem Schaumglas und Beton auffangen und abbremsen. Für die Arbeiten ist der Flugbetrieb seit dem 11. März eingestellt. Das ganze wird noch bis zum 30. März dauern.


(GERMANY OUT) Germany Saarland Saarbruecken - Saarbruecken - Ensheim airport  (Photo by Becker & Bredel/ullstein bild via Getty Images)
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Die knapp 2.000 Meter lange Landebahn in Saarbrücken sei „ein bisschen wie ein Flugzeugträger“, sagt der Geschäftsführer des Airports Saarbrücken, Thomas Schuck. An den Seiten sei es abschüssig, am Ende der Bahn geht es hinab ins Fechinger Tal. Mit dem neuen Notstopp EMAS („Engineered Materials Arresting System“) wolle man mehr Sicherheit für Piloten und Passagiere schaffen - und damit den Flughafen auch zukunftssicher machen, sagt er. Die Kosten betragen rund 4,3 Millionen Euro.

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Die Notfallspur am westlichen Ende der Bahn in Saarbrücken wird 85 mal 45 Meter groß sein. „Das reicht, um ein Flugzeug mit einem Tempo von bis zu 55 Knoten (102 km/h) kontrolliert abzubremsen“, sagt Niklas Siversjö von der Firma Runway Safe im schwedischen Göteborg. Sein Glasschaum-Schotter, der auf Asphalt ausgebracht und mit Beton überzogen wird, stamme aus recyceltem Glas aus Norwegen. Das Material sei extrem leicht, gleichzeitig aber fest genug, um ein Flugzeug abzufangen und zu halten. „Das Ganze ist 55 Zentimeter hoch“, sagt Philipp Althaus von der Kibag Airfield Construction in Zürich.

Die Vereinigung Cockpit begrüßt den Einbau des Bremssystems in Saarbrücken. „Es ist positiv, wenn es Sicherungssysteme gibt, die das Risiko eines Schadens beim Überschießen der Bahn minimieren“, sagt Sprecher Janis Georg Schmitt in Frankfurt. Sie machten Sinn bei Flughäfen, die aufgrund ihrer geografischen Lage keine erweiterten Ausrollzonen haben könnten. Es wäre wünschenswert, wenn sich andere Flughäfen auch überlegen würden, ob sie sich so ein System „im Sinne der erweiterten Sicherheit zulegen würden“, sagt er.

Seit Ende der 1990er Jahre gibt es EMAS-Systeme in den USA. Dort bestehen sie vor allem aus aneinandergefügten Leichtbetonplatten eines anderen Anbieters: Diese brechen beim Überrollen und lassen die Maschine einsinken. In den USA sind bereits rund 70 Airports mit Notfall-Bremszonen ausgestattet, in Europa sind es bisher Madrid und Zürich. Nach Angaben der US-Luftfahrtbehörde FAA wurden durch EMAS seit 1999 bereits 15 Flugzeuge in den USA abgebremst.

Ein Notfallsystem mit Zukunft

Runway Safe ist davon überzeugt, dass viele Flughäfen folgen werden. „Wir haben bereits acht Installationen gemacht. Und dieses Jahr werden es zusätzlich vier sein“, sagt Siversjö. Eine davon sei auf dem militärischen Flughafen in Northolt bei London geplant, eine weitere in Asien. Im Indischen Ozean habe das Unternehmen bereits auf den Inseln La Réunion und Mayotte die Flughäfen abgesichert. Noch im März treffen sich in Saarbrücken zwei Dutzend Flughafen-Experten aus acht Ländern, um sich das neue System vor Ort anzuschauen.

Der RESA (Runway End Safety Area) genannte Sicherheitsbereich am westlichen Ende der Start- und Landesbahn des Flughafens Saarbrücken. Als erster Flughafen in Deutschland wird der Airport in Saarbrücken mit einem neuartigen Notbremssystem für Flugzeuge ausgerüstet.
Der RESA (Runway End Safety Area) genannte Sicherheitsbereich am westlichen Ende der Start- und Landesbahn des Flughafens Saarbrücken. Als erster Flughafen in Deutschland wird der Airport in Saarbrücken mit einem neuartigen Notbremssystem für Flugzeuge ausgerüstet.
Foto: dpa

Der Flughafen Saarbrücken mit knapp 400.000 Passagieren im Jahr hat bisher noch keinen Zwischenfall gehabt, bei dem ein Flugzeug nicht rechtzeitig bremsen konnte. „Wir wollten einfach bei der Sicherheit ein kräftige Schippe drauflegen, um eine Verbesserung für den Flughafen zu erzielen“, sagt Schuck. In der Abbremszone sinken die Maschinen ein wie Lastwagen im Kiesbett oder Fahrräder im Sand.

Schmitt von der Vereinigung Cockpit sagt, dass es auf vielen anderen Flughäfen in Deutschland - wo dies eben möglich sei - erweiterte Ausrollzonen gibt. „200 bis 300 Meter Gras dahinter geht theoretisch auch, wenn auch vielleicht nicht ganz so gut.“ Kritisch sei es, wenn hinter der Landebahn gleich Zäune oder Straßen kämen.

Schlimme Unglücke beim Überrollen  der Landebahn

Zu den schlimmsten Unglücken beim Überrollen von Bahnen gehört der Crash einer indischen Maschine 2010 in Mangaluru, als 158 Menschen ums Leben kamen. Das Flugzeug hatte zu spät auf der Landebahn aufgesetzt und nicht mehr genügend Platz zum Stoppen. Beim Unfall eines portugiesischen Flugzeugs, das 1977 von einer regennassen Landebahn auf Madeira ins Meer rutschte, starben 131 Menschen.

In Deutschland sind Schmitt zwei Vorfälle bekannt, bei denen Flugzeuge über die Bahn hinaus schossen. Im Herbst 2017 rollte ein Airbus A320 von Air Berlin über die Piste hinweg und blieb im Gras stecken. Verletzt wurde niemand. Und 2005 brachte der Pilot eines Fracht-Jumbos der US-Gesellschaft Atlas Air in Düsseldorf seine Maschine nicht rechtzeitig zum Stehen - mit erheblichem Sachschaden.    


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