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Notre-Dame: "Feuerwehren haben bemerkenswerte Arbeit geleistet"
International 1 3 Min. 16.04.2019

Notre-Dame: "Feuerwehren haben bemerkenswerte Arbeit geleistet"

An die 400 Feuerwehrkräfte waren an den Löscharbeiten an der Pariser Kathedrale beteiligt.

Notre-Dame: "Feuerwehren haben bemerkenswerte Arbeit geleistet"

An die 400 Feuerwehrkräfte waren an den Löscharbeiten an der Pariser Kathedrale beteiligt.
Bild: AFP/Zakaria Abdelkafi
International 1 3 Min. 16.04.2019

Notre-Dame: "Feuerwehren haben bemerkenswerte Arbeit geleistet"

Jörg TSCHÜRTZ
Jörg TSCHÜRTZ
Raymond Guidat, Direktor für Planung und Prävention im luxemburgischen CGDIS, blickt auf den schwierigen Einsatz der Pariser Feuerwehr in der Kathedrale Notre-Dame – und erklärt, wie moderne Technik den Rettern zu Hilfe kam.

Das verheerende Feuer im Pariser Wahrzeichen Notre-Dame geht auch an einem erfahrenen Rettungsmann wie Raymond Guidat nicht spurlos vorüber. "Es ist extrem traurig, ein jahrhundertealtes und geschichtsträchtiges Gebäude wie Notre-Dame in Flammen aufgehen zu sehen." Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass ein Defekt oder Fehler bei den laufenden Renovierungsarbeiten zu dem Feuer geführt hat.


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Der gebürtige Franzose Guidat verantwortet seit vergangenem Juli den Bereich Planung und Prävention im neu gegründeten Corps grand-ducal d'incendie et de secours (CGDIS). Davor war der Rettungsoffizier in verschiedenen Positionen für das französische Innenministerium tätig – seine Karriere begann Guidat im Februar 1991 bei der Brigade de sapeurs-pompiers de Paris. Seinen früheren Kollegen in der französischen Hauptstadt spricht er im Interview ein großes Lob aus.   

Herr Colonel Guidat, wie bekämpft man ein Großfeuer wie jenes in Notre-Dame? 

Es war ein äußerst schwieriger Einsatz. Das hängt zum einen mit der Architektur des Gebäudes zusammen: Im Mittelalter gab es bekanntlich noch keine Brandschutzvorschriften (Notre-Dame de Paris wurde 1345 fertiggestellt, Anm.), insofern konnte sich das Feuer sehr rasch im Dachbodenholz ausbreiten. Die Kathedrale ist zum anderen sehr hoch, mehrere Dutzend Meter. Die große Schwierigkeit für die Feuerwehrkräfte war es, sich überhaupt Zugang zu verschaffen. Gleichzeitig sollte neben der Brandbekämpfung so viel wie möglich vom Gebäude und den darin enthaltenen Kunstschätze erhalten bleiben. 

Es hat einige Zeit gedauert, bis die Feuerwehr die Flammen bekämpfen konnte. Auch der dichte Hauptabendverkehr in der Pariser Innenstadt hat offenbar eine Rolle gespielt. Wie bewerten Sie diese Verzögerung? 

Weil der Zugang zum Brandort so schwierig war, mussten erst Drehleitern, Hebevorrichtungen und eine enorme Menge Wasser herbeigeschafft werden (das Löschwasser wurde mithilfe kleiner Boote aus der nahe gelegenen Seine hochgepumpt, Anm.). Das braucht einige Zeit, damit der Löscheinsatz auf großer Fläche auch wirklich seine volle Wirkung erzielt. 

Angesichts der Komplexität der Aufgabe haben die beteiligten Feuerwehren wirklich eine bemerkenswerte Arbeit geleistet. Sie hatten das riesige Feuer innerhalb von zirka vier bis sechs Stunden eingegrenzt und konnten so ein weiteres Ausbreiten verhindern. 

Feuerwehrkräfte am Ufer der Seine, daneben die brennende Kathedrale.
Feuerwehrkräfte am Ufer der Seine, daneben die brennende Kathedrale.
Bild: AFP/Stephane de Sakutin

Wäre es überhaupt möglich gewesen, die Dachkonstruktion aus teilweise 800 Jahre altem Eichenholz zu retten? 

Nur, wenn die Feuerwehr schon unmittelbar nach Entstehung des Brands vor Ort gewesen wäre. Es gibt eine Redensart: Wer ein Feuer innerhalb der ersten zehn Sekunden löschen will, braucht lediglich ein Glas Wasser. Danach benötigen Sie schon einen Krug voll Wasser. Und nach ein bis zwei Minuten müssen Sie schon ein Löschfahrzeug holen. 


A woman passes in front of a newspaper stall, selling Lebanese newspapers featuring on their front pages images of the fire that ravaged the Parisian Notre Dame cathedral, in the capital Beirut on April 16, 2019. - Paris was struck in its very heart as flames devoured the roof of Notre-Dame, the medieval cathedral made famous by Victor Hugo, its two massive towers flanked with gargoyles instantly recognisable even by people who have never visited the city. (Photo by ANWAR AMRO / AFP)
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US-Präsident Donald Trump meldete sich via Twitter und schlug den Einsatz von Löschflugzeugen vor. Wie beurteilen Sie diesen Vorschlag? 

Der Vorschlag ist völlig unrealistisch. Einerseits müssten diese Flugzeuge relativ tief fliegen, um das Wasser auch an der richtigen Stelle abzuwerfen. Das wäre in einem städtischen Umfeld nur extrem schwierig umzusetzen. Andererseits wären die Konsequenzen eines solchen Löscheinsatzes noch katastrophaler gewesen. Wenn zwischen acht und zehn Tonnen Wasser verschüttet worden wären, wäre das Gebäude mehr zerstört als bewahrt worden. 

Raymond Guidat ist seit dem Vorjahr Directeur de la stratégie opérationnelle beim luxemburgischen Corps grand-ducal d'incendie et de secours (CGDIS).
Raymond Guidat ist seit dem Vorjahr Directeur de la stratégie opérationnelle beim luxemburgischen Corps grand-ducal d'incendie et de secours (CGDIS).
Bild: privat

An die 400 Feuerwehrleute bekämpften den Brand in der Kathedrale, ihr Einsatz erforderte unglaublichen Mut. Welchen Gefahren waren Ihre Kollegen in Paris ausgesetzt?

Es gab das Risiko, das Gebäudeteile einstürzen, das Trümmer zu Boden fallen oder geschmolzenes Blei aus dem Dach herabregnet. Die Feuerwehr versuchte, den Brand großteils von draußen zu löschen. Aber einige Brandbekämpfer mussten ziemlich früh auch in den Innenraum vordringen, etwa um diverse wertvolle Gegenstände herauszuholen. 

Das Niveau der Pariser Feuerwehr haben wir in Luxemburg noch nicht erreicht.

Im Kirchenschiff kam auch ein Roboter zum Einsatz. Wie ist diese Vorgehensweise zu erklären? 

Der Roboter ermöglichte es, verschiedene Messungen im Inneren der Kathedrale durchzuführen. Aber das Gerät ist auch mit einer Wasserlanze ausgestattet und wurde zum Löschen eingesetzt. Dank des Roboters konnte die Gefahr für die Retter reduziert werden.

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Wären die Einsatzkräfte in Luxemburg auf ein derartiges Großfeuer vorbereitet? 

Mit der Gründung des CGDIS wurden im Vorjahr alle Einsatzzentren des Landes zusammengeführt. Wir sind aktuell damit beschäftigt, gefährdete Standorte zu erfassen und entsprechende Schutzmaßnahmen vorzubereiten. Das hohe Niveau der Pariser Feuerwehr haben wir in Luxemburg aber noch nicht erreicht. Auch einen Löschroboter gibt es bei uns noch nicht.

Wie geht es nun an der Brandruine in Paris weiter? 

Experten werden nun erst einmal das Gebäude untersuchen und Schutzvorkehrungen ergreifen. Erst dann kann mit dem Wiederaufbau und der Sanierung des Dachstuhls begonnen werden.


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