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Noch vier Wochen bis zur Wahl: Chaos, Ausfälle, miese Umfragen: Trump gibt nicht auf
Ein entnervter Trump beklagt sich über "null Unterstützung" aus der republikanischen Partei.

Noch vier Wochen bis zur Wahl: Chaos, Ausfälle, miese Umfragen: Trump gibt nicht auf

Foto: REUTERS
Ein entnervter Trump beklagt sich über "null Unterstützung" aus der republikanischen Partei.
International 2 Min. 12.10.2016

Noch vier Wochen bis zur Wahl: Chaos, Ausfälle, miese Umfragen: Trump gibt nicht auf

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Steuer-Vorwürfe, enttäuschende TV-Duelle und sexistische Ausfälle: Im US-Wahlkampf schwimmen Donald Trump die Felle davon. Hat der Populist überhaupt noch eine Chance gegen die erfahrene Politikerin Hillary Clinton?

(vb/dpa) – Steuer-Vorwürfe, enttäuschende TV-Duelle und sexistische Ausfälle: Im US-Wahlkampf schwimmen Donald Trump die Felle davon. Hat der Populist überhaupt noch eine Chance gegen die erfahrene Politikerin Hillary Clinton?

Noch 28 Tage dauert der erbittert geführte Wahlkampf in den USA, dann geben die Wähler ihre Stimmen ab. Für den skandalumwitterten Donald Trump schien am Wochenende schon alles verloren, als ein elf Jahre altes Skandalvideo mit sexistischen Aussagen auftauchte. Doch nach dem zweiten TV-Duell mit Hillary Clinton wittert das Team um Trump wieder Morgenluft.

«Zu früh gefreut», jubelte das Trump-Lager mit Blick auf die Gegner. Trumps Anhänger sahen sich als sichere Sieger der mit gegenseitigen Tiefschlägen gespickten Redeschlacht. Doch mit etwas Abstand betrachtet, verfügt Hillary Clinton noch immer über einen komfortablen Vorsprung auf den Verfolger Trump. In einer Umfrage von NBC und Wall Street Journal führt Clinton mit 50 Prozent vor Trump, der in der Umfrage auf 40 Prozent kommt.

"Null Unterstützung"

«Trotz eines Erdrutschsieges in der zweiten Debatte (...) ist es schwierig, gut zu sein, wenn Paul Ryan und andere null Unterstützung geben», schrieb ein entnervter Trump am Montag auf seiner Lieblings-Plattform Twitter mit Blick nicht nur auf den Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses und starken Mann im Partei-Establishment. Vorausgegangen war Berichten zufolge eine wenig harmonische Telefonkonferenz führender Republikaner.

Zudem hält die Absetzbewegung in der republikanischen Partei von ihrem gewählten Kandidaten an. So kritisierte der getreue Trump-Mitstreiter Chris Christie, Gouverneur des wichtigen Swing-States New Jersey, vor kurzem den Kandidaten. Christie unterstützt Trump noch immer, doch seine sexistischen Äußerungen müsse man wirklich ablehnen, sagte er am Montag.

Angeekelt

Der Vorsitzende des Abgeordnetenhauses Paul Ryan, starker Mann bei den Republikanern, hat sich mittlerweile komplett von Trump distanziert und unterstützt seinen Wahlkampf nicht länger. Mit ihm gehen weitere Abgeordnete, Senatoren, Gouverneure der Republikaner bis hin zu der Forderung an Trump, die Kandidatur niederzulegen. Offiziell sind sie angeekelt von den sexistischen, frauenfeindlichen, irgendwie auch ziemlich törichten Äußerungen, die Trump 2005, nicht ahnend, dass er auf Band spricht, von sich gegeben hatte. 

Es sind aber auch dieselben Leute innerhalb der Grand Old Party, die noch vor Wochen Trumps Ausfälle gegen Ausländer, Behinderte und auch gegen Frauen nicht gar so schlimm fanden. Kommentatoren sind sich deshalb vergleichsweise einig: Die Absetzbewegung bei den Republikanern ist wohl weniger der Sorge um den Bestand der Frauenrechte, sondern eher der nackten Angst von Parteisoldaten auf der einen und eiskaltem Kalkül auf der anderen Seite geschuldet.

Drahtseilakt

Weil diese Gefahr auch die republikanischen Kandidaten erkannt haben, gehen sie einen gefährlichen Drahtseilakt ein: Sie distanzieren sich von Trump, um von dem auch von vielen Republikaner-Wählern als unmöglich empfundenen Kandidaten nicht in den Abwärtssog gerissen zu werden. 

Präsident Obama macht Wahlkampf für Hillary Clinton. Das Clinton-Lager zeigt sich noch nicht siegessicher.
Präsident Obama macht Wahlkampf für Hillary Clinton. Das Clinton-Lager zeigt sich noch nicht siegessicher.
Foto: AFP

Auf der anderen Seite ist die demokratische Kandidatin Clinton im Aufwind. Der klare Vorsprung in den Umfragen wird in ihrem Lager auch als Nachteil gesehen. Clintons Team befürchtet, dass viele Amerikaner und somit auch Clinton-Anhänger angesichts klar scheinender Verhältnisse zu Hause bleiben werden. „Ihre Stimme zählt wirklich, wirklich, wirklich!“, schreibt Bill Clintons ehemaliger Vizepräsident Al Gore. Gore selbst ist der Beweis: Er hatte im Jahr 2000 die Wahl gegen George W. Bush mit einem hauchdünnen Rückstand von einigen Hundert Stimmen verloren.


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"Donald Trump hat die zweite Debatte überlebt und Hillary Clinton damit den Wahlsieg beschert", dies ist die Ansicht von LW-Mitarbeiter und US-Spezialist Thomas Spang.