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Nikotin gegen Corona? Forscher untersuchen Schutzwirkung
International 3 Min. 22.04.2020

Nikotin gegen Corona? Forscher untersuchen Schutzwirkung

Forscher in Frankreich gehen der These nach, ob Nikotin vor einer Corona-Erkrankung schützen kann.

Nikotin gegen Corona? Forscher untersuchen Schutzwirkung

Forscher in Frankreich gehen der These nach, ob Nikotin vor einer Corona-Erkrankung schützen kann.
Foto: AFP
International 3 Min. 22.04.2020

Nikotin gegen Corona? Forscher untersuchen Schutzwirkung

Eine französische Studie legt nahe, dass Raucher eher selten an Covid-19 erkranken. Doch Experten warnen vor voreiligen Schlüssen.

(AFP/jt) - Schützt Nikotin vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus? Diese Frage beschäftigt derzeit eine Reihe an Wissenschaftlern. Mehrere in Krankenhäusern durchgeführte Studien lassen die Forscher vermuten, dass Raucher seltener an Covid-19 erkranken. Je nach Untersuchung schwankt der Raucher-Anteil unter Patienten, die an der Lungenkrankheit leiden, zwischen 1,4 und 12,5 Prozent.

Eine neue französische Studie unter 500 bestätigten Covid-19-Erkrankten, von denen 350 im Krankenhaus behandelt wurden, scheint diese Hypothese nun zu bestätigen. "Nur fünf Prozent dieser Patienten sind Raucher", erklärt Zahir Amoura, Autor der Studie und Professor für interne Medizin. Der Raucher-Anteil bei Covid-19-Patienten sei im Vergleich mit der Gesamtbevölkerung sowohl nach Geschlecht als auch nach Alter um 80 Prozent geringer. 

Nikotinpflaster als Waffe gegen Corona?

Die Annahme der Forscher ist es, dass das Nikotin das Corona-Virus daran hindert, an den Zellrezeptor anzudocken. Dadurch könne sich das Virus nicht weiter im Körper ausbreiten, sagte der renommierte Professor für Neurobiologie, Jean-Pierre Changeux, vom Institut Pasteur zur Nachrichtenagentur AFP. Die Hypothese müsse jedoch durch weitere Untersuchungen überprüft werden.


French President Emmanuel Macron (C) visits the specialised infectious diseases hospital IHU in Marseille on April 9, 2020 with its director professor Didier Raoult (R) who has caused controversy within the country's scientific community for insisting the anti-malaria drug chloroquine can beat the novel coronavirus. - Raoult met Macron in a visit that was not announced in advance, the French presidency said. French presidential officials also said that Macron intends to consult a broad spectrum of voices before giving his third address to the nation on the coronavirus epidemic on April 13. (Photo by Anne-Christine POUJOULAT / AFP)
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Im Pariser Krankenhaus La Pitié-Salpêtrière soll unter anderem eine Studie mit Nikotinpflastern durchgeführt werden, um zu testen, ob der Wirkstoff Menschen tatsächlich vor einer Corona-Infektion schützen kann. Die Nikotinpflaster sollen an drei Gruppen in verschiedenen Dosierungen verabreicht werden: Als vorbeugende Maßnahme für die Krankenpfleger, um zu überprüfen, ob es sie schützt; als therapeutische Maßnahme für Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden und schließlich für schwer erkrankte Patienten auf der Intensivstation.

Nicht mit dem Rauchen anfangen

Voreilige Schlüsse sollte man jedoch nicht ziehen. Andere Untersuchungen, etwa in China, haben genau gegenteilige Ergebnisse zutage gebracht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass Raucher sogar einem höheren Risiko ausgesetzt sind, um schwer an Covid-19 zu erkranken. Die WHO führt dies auf mögliche Vorerkrankungen und eine verminderte Lungenfunktion bei Rauchern zurück.


Members of a medical team working in a Saint Pierre Hospital bus parked in front of a retirement home, conduct test for the COVID-19 on the staff workers of the elderly residence, in Brussels, on April 22, 2020 during a strict lockdown in the country aimed at curbing the spread of the novel coronavirus. (Photo by Kenzo TRIBOUILLARD / AFP)
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Der Chef der Weltgesundheitsorganisation warnt jedoch vor einer möglichen zweiten Epidemie-Welle.

Die Behörden in Frankreich warnen trotz der neuesten Forschungserkenntnisse eindringlich vor einer Selbstbehandlung mit Nikotinpflastern oder anderen Substituten. Bürger sollten aus Sorge vor einer Corona-Ansteckung auch nicht mit dem Rauchen anfangen. "Tabak ist mit 75.000 Todesfällen pro Jahr der Nummer-eins-Killer in Frankreich", warnte der Generaldirektor für die öffentliche Gesundheit, Jérôme Salomon, vor den schädlichen Folgen des Rauchens. Ähnlich drückte sich Gesundheitsminister Olivier Véran aus. Vor dem Senat erklärte Véran am Mittwoch, die Erkenntnisse der französischen Forschung in Zusammenhang mit Nikotin seien jedoch ein "interessanter Ansatz" im Kampf gegen das Corona-Virus.

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