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Nicolas Schmit will Angleichung der Mindestlöhne in Europa
International 2 Min. 14.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Nicolas Schmit will Angleichung der Mindestlöhne in Europa

Nicolas Schmit wurde am Montag in Luxemburg als EU-Kommissar vereidigt.

Nicolas Schmit will Angleichung der Mindestlöhne in Europa

Nicolas Schmit wurde am Montag in Luxemburg als EU-Kommissar vereidigt.
Foto: Chris Karaba
International 2 Min. 14.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Nicolas Schmit will Angleichung der Mindestlöhne in Europa

Der EU-Kommissar für Beschäftigung stellt am Dienstag einen neuen Rechtsrahmen für Mindestlöhne in Europa vor. Ziel ist es, den ärmsten Arbeitnehmern in Europa ein angemessenes Einkommen ermöglichen soll.

(jt) - Der EU-Kommissar für Beschäftigung und soziale Rechte, Nicolas Schmit, stellt am Dienstag die Vorschläge der Kommission für die Schaffung eines Rechtsrahmens für Mindestlöhne in Europa vor. "Die Lohnunterschiede in Europa, insbesondere bei den Mindestlöhnen, sind enorm. Es ist eine Tatsache, dass Produktivität und Löhne überhaupt nicht übereinstimmen", sagte der Luxemburger vorab im Interview mit wort.lu/fr.

Ein Beispiel: Während ein Beschäftigter in Luxemburg mit zwölf Euro pro Stunde den höchsten Mindestlohn in Europa erhält, muss sich ein Kollege in Spanien mit sechs Euro zufriedengeben. In Rumänien, Bulgarien oder Lettland liegt der Mindestlohn sogar noch niedriger.

"Wir brauchen mehr Angleichung und höhere Löhne in den Ländern, in denen sie niedrig sind. Wir wollen soziale Angleichung parallel zur wirtschaftlichen Angleichung. Wir wollen Löhne, die auch junge Menschen zum Verbleib in ihren Ländern ermutigen", sagte der frühere LSAP-Arbeitsminister, der auf das Beispiel Kroatien verwies. Viele junge Kroaten würden ins Ausland abwandern, weil dort die sozialen Bedingungen besser seien und höhere Löhne bezahlt würden. Auch andere EU-Mitgliedsstaaten hätten dieses Problem. "Die Menschen müssen in der Lage sein, von ihrer Arbeit in Würde zu leben."

Einige Länder haben gar keinen Mindestlohn

Schmit gab zu bedenken, dass in Ländern wie Italien, Schweden oder Österreich kein gesetzlicher Mindestlohn gilt, sondern ein System auf Basis von Tarifverträgen. Er betonte, dass Brüssel sich nicht auf Nationalebene einmischen werde. "Wir treten für höhere Mindestlöhne in Ländern mit niedrigem Mindestlohn ein. Noch mehr befürworten wir aber Tarifverhandlungen. Wir hoffen, dass wir gleichzeitig mit den Mindestlöhnen auch das Verfahren der Tarifverhandlungen fördern können."


European Commissioner-designate in charge of Jobs, Nicolas Schmit from Luxembourg gestures as he attends his confirmation hearing before the European Parliament in Brussels, on October 1, 2019. (Photo by Aris Oikonomou / AFP)
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Die Vorschläge der EU-Kommission für einen europäischen Mindestlohn werden nun in den nächsten Wochen von den Sozialpartnern begutachtet. Schmit erklärte, dass es keinen einheitlichen Mindestlohn für ganz Europa geben werde: "Wir werden zunächst Argumente dafür liefern, warum es sinnvoll ist, einen europäischen Rahmen beim Mindestlohn zu etablieren." 

Das ganze Interview mit Nicolas Schmit zum Nachlesen


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