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Neunte Provinzhauptstadt unter Taliban-Kontrolle
International 2 Min. 11.08.2021 Aus unserem online-Archiv
Afghanistan

Neunte Provinzhauptstadt unter Taliban-Kontrolle

Taliban-Kämpfer beraten sich in der Nähe von Kundus.
Afghanistan

Neunte Provinzhauptstadt unter Taliban-Kontrolle

Taliban-Kämpfer beraten sich in der Nähe von Kundus.
Foto: AFP
International 2 Min. 11.08.2021 Aus unserem online-Archiv
Afghanistan

Neunte Provinzhauptstadt unter Taliban-Kontrolle

Die US-Geheimdienste prophezeien den baldigen Fall von Kabul.

(dpa) - Die militant-islamistischen Taliban haben auf ihrem schnellen Vormarsch in Afghanistan eine neunte Provinzhauptstadt in weniger als einer Woche erobern können. Mit Faisabad sei die Hauptstadt der nordöstlichen Provinz Badachschan in die Hände der Islamisten gefallen, bestätigten ein Provinzrat und ein Parlamentsvertreter der Provinz der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. Damit kontrollieren die Taliban nun die Hauptstädte von neun der 34 afghanischen Provinzen.

Nur Stunden vor dem Fall von Faisabad nahmen die Aufständischen am Dienstag die Provinzhauptstädte Pul-i Chumri in der nördlichen Provinz Baghlan und Farah in der gleichnamigen Provinz im Westen des Landes ein.

Seit dem Beginn des Truppenabzugs der USA Anfang Mai haben sie massive Gebietsgewinne verzeichnet. Die Taliban hatten schon von 1996 bis zur US-geführten Intervention 2001 weite Teile Afghanistans unter ihrer Kontrolle. Inzwischen ist der Abzug zu mehr als 95 Prozent abgeschlossen. Auch die deutsche Bundeswehr und die Soldaten anderer NATO-Länder haben Afghanistan bereits verlassen.    

US-Geheimdienste in Sorge

Angesichts des schnellen Vormarsches der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan könnte die Hauptstadt Kabul nach einem Zeitungsbericht viel früher in die Hände der Aufständischen fallen als bisher von den USA angenommen. Der Zusammenbruch könnte in 30 bis 90 Tagen erfolgen, berichtete die „Washington Post“ am Dienstag (Ortszeit) unter Berufung auf nicht genannte Quellen in den US-Geheimdiensten. Noch im Juni hatten US-Geheimdienstmitarbeiter die Lage so eingeschätzt, dass Kabul in einem Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten nach dem Abzug des US-Militärs unter Kontrolle der Taliban geraten könnte.


(FILES) In this file photo taken on July 2, 2021, an Afghan National Army (ANA) soldier looks out while standing on a Humvee vehicle at Bagram Air Base, after all US and NATO troops left, some 70 kms north of Kabul. - Taliban territorial gains have raised doubts about the Afghan military's strength as foreign troops leave -- a showdown between two very different forces in which experts say morale could be as decisive as equipment and personnel. (Photo by Zakeria HASHIMI / AFP) / TO GO WITH Afghanistan-conflict-Taliban-military,ANALYSIS by Mushtaq Mojaddidi and Qasim Nauman
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Trotz der sich schnell verschlechternden Sicherheitslage verteidigte US-Präsident Joe Biden erneut den Abzug des US-Militärs. Die Afghanen müssten nun „selbst kämpfen, um ihren Staat kämpfen“, sagte er am Dienstag im Weißen Haus in Washington. Ihre Streitkräfte seien den Taliban militärisch überlegen, auch in Bezug auf die Truppenstärke. „Aber sie müssen auch kämpfen wollen“. Die Taliban nahmen unterdessen mit Pul-i Chumri in der nördlichen Provinz Baghlan in kurzer Folge die achte Provinzhauptstadt ein. „Alles bewegt sich in die falsche Richtung“, zitierte die „Washington Post“ einen Experten, der mit der neuen militärischen Einschätzung vertraut ist.

Der US-Präsident appellierte am Dienstag ferner an die politische Führung in Kabul, an einem Strang zu ziehen. Wörtlich sagte er: „Ich glaube, sie beginnen zu verstehen, dass sie an der Spitze politisch zusammenkommen müssen.“ Biden versprach, die USA würden die afghanischen Sicherheitskräfte weiterhin finanziell und militärisch unterstützen. Er werde jeden Tag über die Lage unterrichtet.

Mit Blick auf den von ihm angeordneten Abzug der US-Truppen fügte der Präsident hinzu: „Aber ich bedauere meine Entscheidung nicht.“ Inzwischen ist der Abzug zu mehr als 95 Prozent abgeschlossen. Auch die Soldaten anderer NATO-Länder haben Afghanistan bereits verlassen.

Seit dem Beginn des Truppenabzugs Anfang Mai haben die Taliban massive Gebietsgewinne verzeichnet. Sie hatten von 1996 bis zur US-geführten Intervention 2001 weite Teile Afghanistans unter ihrer Kontrolle.    

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