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Neue Gewalt im Nahen Osten - Israel greift Tunnelsystem an
International 1 3 Min. 14.05.2021

Neue Gewalt im Nahen Osten - Israel greift Tunnelsystem an

Eine israelische Haubitze wird am Donnerstag entlang der Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen in Stellung gebracht.

Neue Gewalt im Nahen Osten - Israel greift Tunnelsystem an

Eine israelische Haubitze wird am Donnerstag entlang der Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen in Stellung gebracht.
Foto: AFP/Emmanuel Dunand
International 1 3 Min. 14.05.2021

Neue Gewalt im Nahen Osten - Israel greift Tunnelsystem an

Israels Armee geht gegen ein Hamas-Tunnelsystem im Gazastreifen vor. Mehr als 100 Menschen starben bereits seit der neuen Eskalation des Konflikts.

(dpa) - Israels Armee hat nach eigenen Angaben bei einem komplexen Angriff ein Tunnelsystem der islamistischen Hamas im Gazastreifen beschossen. Daran beteiligt seien 160 „Luftfahrzeuge“ gewesen, sagte Armeesprecher Jonathan Conricus am Freitagmorgen. Unterstützung hätten sie von israelischer Seite unter anderem von Panzern erhalten. Ihr Einsatz dauerte demnach rund 40 Minuten.

Ziel sei ein Tunnelsystem der Hamas in dem Küstengebiet gewesen. Es werde „Metro“ genannt, sagte Conricus. Dabei handele es sich um eine Art „Stadt unter der Stadt“. Die Hamas habe Jahre in den Bau des Tunnelsystems investiert. Der Grad der Zerstörung sei noch unklar. Zur Unterstützung feuerten unter anderem Panzer von israelischer Seite auf Ziele im Gazastreifen. Conricus betonte, kein israelischer Soldat habe den Gazastreifen betreten.

Keine Bodeninvasion

Das israelische Fernsehen hatte zuvor von massiven Angriffen der Luftwaffe sowie der Artillerie und Panzertruppen auf den Küstenstreifen berichtet. Die Armee erklärte in der Nacht: „Luft- und Bodentruppen greifen gegenwärtig im Gazastreifen an.“ Anschließend gab es Berichte, wonach Bodentruppen in den Gazastreifen vorgedrungen seien. Der Armeesprecher entschuldigte sich für Fehlkommunikation.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza wurden seit Beginn der Eskalation des Konflikts 109 Menschen getötet und 621 weitere verletzt. Wie die Armee mitteilte, wurden in Israel durch Beschuss bisher acht Menschen getötet.

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Konflikt neu aufgeflammt

Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern war zuletzt wieder aufgeflammt. Er spitzte sich während des muslimischen Fastenmonats Ramadan und nach der Absage der palästinensischen Parlamentswahl immer weiter zu. Als Auslöser gelten etwa Polizei-Absperrungen in der Jerusalemer Altstadt, die viele junge Palästinenser als Demütigung empfanden. 

Hinzu kamen Auseinandersetzungen von Palästinensern und israelischen Siedlern im Jerusalemer Viertel Scheich Dscharrah wegen Zwangsräumungen sowie heftige Zusammenstöße auf dem Tempelberg (Al-Haram al-Scharif). Die Anlage mit Felsendom und Al-Aksa-Moschee ist die drittheiligste Stätte im Islam. Sie ist aber auch Juden heilig, weil dort früher zwei jüdische Tempel standen. Der Konflikt greift zunehmend auch auf Orte im israelischen Kernland über - mit Gewalttaten von Arabern gegen Juden und umgekehrt.


TOPSHOT - Palestinians carry the bodies of 13 Hamas militants, killed in Israeli air strikes, during their funeral at the al-Omari mosque in Gaza City, on May 13, 2021. - Despite global alarm and diplomatic efforts to halt the spiralling violence, hundreds of rockets tore through the skies over the Gaza Strip overnight and Israel's air force launched multiple strikes with fighter jets, targeting what it described as locations linked to Hamas, the Islamist group that controls Gaza. (Photo by MAHMUD HAMS / AFP)
Erster Tagesangriff auf Tel Aviv - Dutzende Tote in Gaza
Der Gaza-Konflikt schaukelt sich immer weiter hoch. Auffällig ist diesmal, wie schnell und wo die Lage eskalierte.

Die Hamas hat sich zum Verteidiger Jerusalems erklärt. Von Israel verlangte sie zu Wochenbeginn per Ultimatum unter anderem, dass alle israelischen Polizisten und Siedler den Tempelberg und Scheich Dscharrah verlassen - Israel folgte dem nicht. Die Hamas hat ihren Raketenbeschuss unter das Motto „Schwert von Jerusalem“ gestellt. Israel nennt seinen Einsatz „Wächter der Mauern“.

1.800 Raketen aus dem Gazastreifen abgefeuert

Wie der Armeesprecher sagte, feuerten militante Palästinenser im Gazastreifen seit Montagabend bislang 1.800 Raketen auf Israel ab. Rund 430 davon seien noch in dem Küstengebiet niedergegangen. Die Erfolgsquote des Abfangsystems Eisenkuppel („Iron Dome“) hat das Militär zuletzt im Schnitt mit rund 90 Prozent angegeben.

Vor allem im Umkreis des Gazastreifens ertönten am Morgen immer wieder Raketen-Warnsirenen. Nach Polizeiangaben wurde ein Haus in der Stadt Aschkelon von einer Rakete getroffen.

Eine israelische Frau begutachtet den Schaden in ihrem Wohnzimmer, nachdem eine palästinensische Rakete in ihr Haus in Ashkelon eingeschlagen hat.
Eine israelische Frau begutachtet den Schaden in ihrem Wohnzimmer, nachdem eine palästinensische Rakete in ihr Haus in Ashkelon eingeschlagen hat.
Foto: AFP/Jack Guez

Israel macht die im Gazastreifen herrschende Hamas für alle Angriffe aus dem Gazastreifen verantwortlich. Die zweitgrößte Palästinensergruppe wird von Israel und der EU als Terrororganisation eingestuft.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte in der Nacht zu den Angriffen: „Ich habe gesagt, dass Hamas einen sehr hohen Preis zahlen wird.“ Man werde die Angriffe „mit großer Intensität fortsetzen“, sagte er in einer Videobotschaft. „Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen und diese Operation wird so lange wie nötig weitergehen.“ Verteidigungsminister Benny Gantz hatte zuvor die Mobilisierung von weiteren 9.000 Reservisten genehmigt.

Seit Ende 2008 haben Israel und die Hamas sich drei Kriege geliefert. Mehr als 2.100 Palästinenser und mehr als 70 Israelis wurden 2014 im 50 Tage langen Gaza-Krieg nach Angaben beider Seiten getötet. 18.000 Häuser im Gazastreifen wurden damals nach Angaben der UN-Nothilfeorganisation Ocha zerstört oder beschädigt.


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