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"Nazi-Glocke von Schweringen" wird entfernt

"Nazi-Glocke von Schweringen" wird entfernt

Foto: Martin Lechler/Landeskirche Hannover
International 17.05.2018

"Nazi-Glocke von Schweringen" wird entfernt

Erst wurde lange über das Hakenkreuz und die Inschrift auf einer Kirchenglocke in Norddeutschland debattiert. Dann flexten Unbekannte die Symbole kurzerhand ab. Jetzt entschied der Kirchenvorstand doch: Die Glocke kommt weg.

(KNA) - Die umstrittene Nazi-Glocke im niedersächsischen Schweringen wird außer Betrieb genommen. Das sieht ein Beschluss des Kirchenkreisvorstands Nienburg vor, wie das Gremium am Mittwoch bekanntgab. Die Mitglieder seien der festen Überzeugung, "dass eine Glocke, die mit einem Hakenkreuz und einer nationalsozialistischen Inschrift versehen ist, grundsätzlich nicht zu Gottesdienst, Andacht und Gebet geläutet werden darf", hieß es zur Begründung. Auch durch das Abflexen des Hakenkreuzes und von Teilen der nationalsozialistisch geprägten Inschrift sei die unzulässige Vermischung der christlichen Botschaft mit Aussagen der nationalsozialistischen Ideologie nicht aufgelöst worden.


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Über den weiteren Verbleib der Glocke soll der Vorstand der örtlichen Kapellengemeinde in Schweringen entscheiden. Zur Finanzierung des Abhängens der Glocke sowie des Gusses einer gleichwertigen, neuen Glocke soll auf angebotene Mittel der evangelischen Landeskirche Hannovers zurückgegriffen werden.

Heftiger Streit, eigenmächtige Lösung

Die Nazi-Glocke hatte in Schweringen für heftigen Streit gesorgt. Die umstrittenen Symbole waren im September 2017 öffentlich bekannt geworden. Pastor Axel Hellwege focht einen Beschluss des Kapellenvorstands an, der die Glocke weiter nutzen wollte. Im Frühjahr entfernten Unbekannte heimlich mit einer Flex Hakenkreuz und Inschrift und machten den Klangkörper damit unbrauchbar. 

Das Foto zeigt die Schweringer Kirchenglocke vor dem "Flex-Einsatz".
Das Foto zeigt die Schweringer Kirchenglocke vor dem "Flex-Einsatz".
Foto: Die Harke/dpa

Die Entscheidung zum weiteren Umgang delegierte die Kapellengemeinde daraufhin an den Kirchenkreisvorstand. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Verden gegen die unbekannten Täter haben nach Angaben eines Sprechers noch nicht zu Ergebnissen geführt.


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