Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Nawalnys Arzt in Sibirien gestorben
International 06.02.2021

Nawalnys Arzt in Sibirien gestorben

Alexej Nawalny bei der Rückreise aus Berlin, wo er nach dem Giftanschlag weiterbehandelt wurde. Der erste behandelnde Arzt ist jetzt in Omsk/Sibirien plötzlich verstorben.

Nawalnys Arzt in Sibirien gestorben

Alexej Nawalny bei der Rückreise aus Berlin, wo er nach dem Giftanschlag weiterbehandelt wurde. Der erste behandelnde Arzt ist jetzt in Omsk/Sibirien plötzlich verstorben.
Foto: AFP
International 06.02.2021

Nawalnys Arzt in Sibirien gestorben

Laut Nawalnys Vertrautem Leonid Wolkow habe der 56-jährige Mediziner Sergej Maksimischin "mehr über Alexejs Zustand nach der Vergiftung gewusst als irgendjemand sonst".

(dpa) - Ein russischer Arzt, der den Kremlkritiker Alexej Nawalny direkt nach dem Giftanschlag im vergangenen August behandelte, ist im Alter von 56 Jahren gestorben. Der stellvertretende Chefarzt für Anästhesiologie und Reanimation, Sergej Maksimischin, sei „plötzlich verstorben“, teilte die Klinik in der sibirischen Stadt Omsk mit. Maksimischin arbeitete demnach 28 Jahre lang in dem Krankenhaus. Eine Todesursache nannte die Klinik nicht. Medien berichteten, Maksimischin habe einen Herzstillstand erlitten.

Nawalnys im Ausland lebender Mitarbeiter Leonid Wolkow sagte dem US-Nachrichtensender CNN, dass der Mediziner zwei Tage lang für die Behandlung des Oppositionellen verantwortlich gewesen war, bis dieser nach Deutschland ausgeflogen wurde. „Er wusste mehr als irgendjemand sonst über Alexejs Zustand.“


KAZAN, RUSSIA - MARCH 5, 2017: Opposition activist and presidential hopeful Alexei Navalny (R) at a press conference in which he announced the opening of his presidential election campaign office in the city of Kazan. In December 2016, Navalny announced his plans to take part in Russia's 2018 presidential election. Left: the head of Alexei Navalny's Kazan presidential election campaign office, Leonid Volkov. Yegor Aleyev/TASS (Photo by Yegor Aleyev\TASS via Getty Images)
Leonid Wolkow: "Zehn Tage Haft sind nicht dramatisch"
Er gilt als "Nawalnys rechte Hand" und organisiert die russischen Demonstrationen aus dem Ausland - damit die Bewegung trotz Verhaftungen arbeitsfähig bleibt. Ein Interview über das vergangene Protestwochenende.

Im November war der durch die Behandlung Nawalnys in die Kritik geratene Chefarzt derselben Klinik zum Gesundheitsminister der Region befördert worden. Alexander Murachowski hatte Nawalny damals lediglich eine Stoffwechselstörung bescheinigt. Hinweise auf eine Vergiftung hatte es nach seinen Angaben nicht gegeben. Nawalny warf ihm eine „Fälschung“ der Diagnose vor.

Der russische Oppositionsführer war am 20. August während eines Flugs zusammengebrochen. Nach einer Zwischenlandung kam der 44-Jährige in das Omsker Krankenhaus. Am 22. August wurde Nawalny nach Berlin ausgeflogen und wochenlang in der Charité behandelt. Untersuchungen mehrerer Labore zufolge wurde er mit dem Kampfstoff Nowitschok vergiftet. Russland hingegen gibt an, man habe bei Nawalny keine Vergiftung nachweisen können und leite deshalb keine Ermittlungen ein.


Ljubow Sobol bei einer Pressekonferenz zu Nawalnys Festnahme und den Protesten. Berichten zufolge wurde die Anwältin jetzt ebenfalls festgesetzt.
Mehrere Nawalny-Vertraute nach Razzien in Moskau festgenommen
Bei Razzien gegen Angehörige und Mitarbeiter des inhaftierten Kremlkritikers Alexej Nawalny wurden unter anderem dessen Bruder und seine Ärztin festgesetzt.

Nawalny selbst wurde nach seiner Rückkehr in Moskau inhaftiert und Anfang der Woche zu mehreren Jahren Straflager verurteilt, weil er gegen Bewährungsauflagen in einem früheren Strafverfahren wegen Betrugs und Veruntreuung von Geldern verstoßen haben soll, während er sich in Deutschland aufhielt. Russland hatte am Freitag mehrere EU-Diplomaten zu unerwünschten Personen erklärt und ausgewiesen, weil sie sich an Protesten gegen Nawalnys Verurteilung beteiligt haben sollen.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema