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Nawalny meldet sich vom Krankenbett
International 3 Min. 15.09.2020

Nawalny meldet sich vom Krankenbett

Der Kremlkritiker Nawalny hat sich knapp vier Wochen nach seiner Vergiftung zum ersten Mal von seinem Krankenbett in der Berliner Charié zu Wort gemeldet.

Nawalny meldet sich vom Krankenbett

Der Kremlkritiker Nawalny hat sich knapp vier Wochen nach seiner Vergiftung zum ersten Mal von seinem Krankenbett in der Berliner Charié zu Wort gemeldet.
Foto: Christoph Soeder/dpa
International 3 Min. 15.09.2020

Nawalny meldet sich vom Krankenbett

Der Kremlkritiker Alexej Nawalny hat sich knapp vier Wochen nach seiner Vergiftung zum ersten Mal vom Krankenbett in Berlin aus zu Wort gemeldet.

(dpa) -Seit Wochen bangt Alexej Nawalnys Familie um die Gesundheit des Kremlkritikers. Langsam geht es ihm besser. Vom Krankenbett aus wendet er sich nun an die Öffentlichkeit. „Hallo, das ist Nawalny. Ich habe euch vermisst“, hieß es am Dienstag in einer Mitteilung auf Instagram, die in seinem Namen veröffentlicht wurde. „Ich kann noch immer fast nichts machen, aber ich habe gestern den ganzen Tag selbstständig geatmet.“

Auf einem Foto war zu sehen, wie der 44-Jährige sichtlich geschwächt auf seinem Bett sitzt und von seiner Frau Julia umarmt wird. Auch seine Tochter Daria und sein Sohn Sachar waren bei ihm. Der Oppositionelle gilt als einer der schärfsten Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Die Kinder des russischen Kremlkritikers Alexej Nawalny machen ein Selfie mit Nawalny und dessen Frau Julia am Krankenbett in der Charité. Gepostet wurde das Bild auf Instagram.
Die Kinder des russischen Kremlkritikers Alexej Nawalny machen ein Selfie mit Nawalny und dessen Frau Julia am Krankenbett in der Charité. Gepostet wurde das Bild auf Instagram.
Foto: Daria Nawalny/privat/Instagram/DPA

Nawalny war am 20. August bei einem Inlandsflug in Russland bewusstlos geworden, seit dem 22. August wird er in der Berliner Universitätsklinik Charité behandelt. Er wurde nach Angaben von Speziallaboren mit einem Nervenkampfstoff der Nowitschok-Gruppe vergiftet. Nawalny war wochenlang in einem künstlichen Koma. Mittlerweile geht es dem Kremlkritiker schon etwas besser. Russland behauptet, in dem Fall nicht verwickelt zu sein, und fordert Beweise für eine Vergiftung.

Zu Wochenbeginn teilte die Charité mit, dass Nawalny sein Krankenbett bereits zeitweise verlassen könne. Seine Botschaft auf Instagram löste Jubel bei seinen Mitstreitern aus. Das Foto erhielt innerhalb weniger Minuten Hunderttausende Likes.


(FILES) This file photo taken on August 23, 2019 shows Russian opposition leader Alexei Navalny leaving the detention centre in Moscow after serving 30 days in jail. - Russian opposition leader Alexei Navalny's condition is improving and he is able to get out of bed for brief periods, the German hospital treating him said Monday, September 14, 2020. "The patient has been successfully removed from mechanical ventilation," Berlin's Charite hospital said in a statement. "He is currently undergoing mobilisation and is able to leave his bed for short periods of time." (Photo by Vasily MAXIMOV / AFP)
Nawalny kann Krankenbett zeitweise verlassen und kommunizieren
Die Genesung des vergifteten Kremlkritikers Nawalny schreitet voran. Er kann sein Bett zweitweise verlassen und nun selbst bestimmen, welche Informationen über ihn nach außen gelangen.

In seiner Nachricht zeigte Nawalny, der für seine Recherchen zu Korruption in Russland bekannt ist, Humor: „Ich habe keine Hilfe von außen gebraucht, auch kein Ventil im Hals. Das hat mir sehr gefallen.“ Das Atmen sei ein „erstaunlicher, von vielen unterschätzter Prozess“, meinte er. „Ich empfehle es.“

Nach Angaben seiner Sprecherin will Nawalny nach einer Genesung auch wieder in seine Heimat zurückkehren. „Es wurden noch nie andere Möglichkeiten in Betracht gezogen“, betonte Kira Jarmysch am Dienstag auf Twitter. Es sei seltsam, wenn jemand etwas anderes annehmen würde. Zuvor hatte die „New York Times“ berichtet, dass Nawalny seine Rückkehrpläne den deutschen Behörden mitgeteilt habe.

Der Kreml betonte, dass Nawalny als russischer Staatsbürger jederzeit in das Land zurückkehren könne. „Jedem Bürger Russlands steht es frei, aus Russland aus- und auch wieder einzureisen“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Tass zufolge. „Wenn sich ein Bürger Russlands erholt und sich seine Gesundheit verbessert, dann freuen wir uns natürlich alle darüber.“

Angespannte Beziehung zwischen Berlin und Moskau

Der Fall hatte auch massive Spannungen zwischen Russland und Deutschland ausgelöst. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einem „versuchten Giftmord“ und verlangte Aufklärung von Moskau. Auch der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell forderte Russland erneut auf, bei der Untersuchung des Falls vollständig mit der Organisation für das Verbot Chemischer Waffen OPCW zu kooperieren. Es gebe nun unwiderlegbare Beweise, dass ein Nervengift der Nowitschok-Gruppe genutzt worden sei, um Nawalny zu töten, sagte Borrell im Europäischen Parlament. Die Abgeordneten betonten, dass Nawalny nur einer von vielen Kremlkritikern sei, auf die Anschläge verübt worden seien. Striktere Sanktionen seien notwendig.


German Chancellor Angela Merkel leaves at the end of her statement on September 2, 2020 at the Chancellery in Berlin after tests carried out by the German army on Russian opposition leader Alexei Navalny have provided "unequivocal evidence of a chemical nerve agent from the Novichok family." - The German government said that Russian opposition leader Alexei Navalny was poisoned with a Novichok nerve agent -- the same type of chemical used in Britain against ex-double agent Sergei Skripal, dramatically ramping up tensions with Moscow. Navalny, 44, fell ill after boarding a plane in Siberia last month. He was initially treated in a local hospital before being flown to Berlin for treatment. (Photo by Markus Schreiber / POOL / AFP)
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Moskau wirft Berlin hingegen „unkonstruktives“ Verhalten vor. „Russland war und bleibt absolut offen für eine Zusammenarbeit, um herauszufinden, was passiert ist“, sagte Kremlsprecher Peskow. „Aus irgendeinem Grund haben wir aber von der deutschen Seite keine Antworten dahingehend bekommen.“ Französische und schwedische Spezialisten bekämen Zugang, nur den russischen Experten werde dies verwehrt. Es sei aber noch zu früh, um deswegen Schlüsse über die Beziehungen zu einigen europäischen Staaten zu ziehen, sagte Peskow.

Russland reichte bei den deutschen Behörden mittlerweile zwei Rechtshilfegesuche ein. Für das erste gab es bereits grünes Licht von der Senatsverwaltung für Justiz in Berlin. Ein zweites sei nun beim Bundesamt für Justiz in Bonn eingegangen, berichtete der „Spiegel“. Die russische Polizei will damit erreichen, dass sie an den Ermittlungen in Deutschland beteiligt werde, hieß es früheren Angaben zufolge. Nawalnys Team kritisierte das bereits. Die Polizei in Sibirien hatte bislang lediglich „Vorermittlungen“ eingeleitet.

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