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Namasté Kathmandu
International 1 3 Min. 26.04.2015 Aus unserem online-Archiv
Eine Hommage an eine Stadt

Namasté Kathmandu

Buddhistische Gebetsfahnen über dem Kathmandu-Tal.
Eine Hommage an eine Stadt

Namasté Kathmandu

Buddhistische Gebetsfahnen über dem Kathmandu-Tal.
Comic-Album Les chevaliers du vent
International 1 3 Min. 26.04.2015 Aus unserem online-Archiv
Eine Hommage an eine Stadt

Namasté Kathmandu

Kathmandu. Der Name klingt verheißungsvoll. Nun liegt aber die alte, sagenumwobene Königsstadt Nepals nach dem schrecklichen Erdbeben in Trümmern. Eine Hommage an die Stadt und an das Kathmandu-Tal von Marc Thill.

von Marc Thill

Die Nachricht des schrecklichen Erdbebens im Kathmandu-Tal hat viele Luxemburger betroffen gemacht. Auch mich. Denn das "kleine" Nepal inmitten der Großmächte Indien und China nahm immer schon eine besondere Stellung in Luxemburg ein.

Viele haben zum Beispiel im Nepal in Hilfsorganisationen, hauptsächlich in der Bildung, Hand mitangelegt. Die FNEL-Pfadfinder haben sogar einige Projekte zur Wiederaufforstung des Königreichs in Angriff genommen. Für andere Luxemburger ist Nepal aber vor allem ein Reiseland, und das seit vielen Jahren. Nur als die Maoisten das Zepter dort in die Hand nahmen und sogar auf den klassischen Trekking-Routen mit Terror drohten, stockte der Fluss der "Himalaya-Hungrigen" am Everest-Basecamp und am Annapurna-Gebirge.

Für mich war Nepal aber immer noch ein Stück mehr. Denn in dem Vielvölkerstaat erfuhr ich erstmals das, was man einen Kulturschock nennt.

Es muss im Jahr 1995 gewesen sein, als ich zum ersten Mal dorthin reiste: von Paris mit der Royal Nepal Airlines über Dubai nach Kathmandu. Als ich aus dem Flugzeug stieg, prallte mir die heiße und feuchte Luft entgegen. Was mich dann Minuten später aber völlig aus den Socken warf, war die unheimliche Menschenmenge, durch die sich mein Taxi - ein alter Toyota Corolla aus den 1970er Jahren -  bis in die Innenstadt quälte. Menschen, Menschen und nochmals Menschen. Und natürlich auch viel Elend und Armut, und immer wieder Bettler. 

Und an jeder Ecke wollte immer wieder jemand mir die Wundersalbe Tiger-Balm andrehen.

Für mich bleibt diese erste Begegnung mit Nepal und Kathmandu für immer unvergesslich! Die außergewöhnliche Reizüberflutung wurde danach nochmals gesteigert, und zwar als ich auf eigene Faust die Stadt mit ihren verwinkelten Gassen und einigen hektischen Boulevards durchlief. Eine Stadt voller Verheißungen, Faszination und Schrecken: altertümliche Backsteinbauten, filigrane Holzschnitzereien, hinduistische Tempel, buddhistische Stupas, mit bunter Farbe gepuderte Steinfiguren, immer wieder Entenküken und abgemagerte Kühe, das Hupen und Rattern der Tuk-Tuks, die alten Steinaltäre, die großen Taubenschwärme auf dem Durbar Square und der unsägliche Gestank der geopferten Ziegen. Der Gang durch Kathmandus Gassen glich damals einer Zeitreise ins Mittelalter.

Zuflucht fand ich - wie so viele Touristen - im Stadtviertel Thamel und in dessen Freak-Street. Die Hippies hatten das Viertel längst verlassen, geblieben war aber ein heilloses Durcheinander an "Guesthouses", "Traveller-Lodges", Trekkingagenturen und "German Bakeries". Es gab (und es gibt wohl auch heute noch) unzählige Geschäfte mit Bergsteigerausrüstung, Papier- und Bücherläden. Schneider fertigten maßangefertigte Kleider innerhalb einer Stunde an, Antiquitätenhändler verkauften Wertvolles neben Kitsch und Ramsch, tibetische Thankga-Maler stellten aus, ... und an jeder Ecke stand jemand, der mir unbedingt die Wundersalbe "Tiger-Balm" andrehen wollte. 

"Und hier Kathmandu", steht in der Sprechblase. Das Stupa von Bodnath aus der Feder von Hergé in dessen Album "Tintin au Tibet".
"Und hier Kathmandu", steht in der Sprechblase. Das Stupa von Bodnath aus der Feder von Hergé in dessen Album "Tintin au Tibet".
Hergé / Tintin au Tibet

Natürlich sah ich mir die Totenverbrennung in Pashupatinath an, stieg die unzähligen Treppen hoch auf das von Rhesus-Makaken bewohnte Swayambhunath-Stupa, fuhr nach Bodnath und besuchte dort das riesige buddhistische Stupa, das ich viele Jahre zuvor bereits in Hergés "Tintin au Tibet" aus der Luftperspektive bewundert hatte, und reiste schließlich in die Königsstädte Patan und Bakthapur, deren Altstädte zum Unesco-Kulturerbe zählen.

Kathmandu war auch "mein Basislager" für Trekkingtouren rund um das Annapurna-Gebirge, ins Tal des Khaligandhaki-Flusses am Fuße des Mustang und des Muktinath-Klosters  sowie für eine Reise nach Lhasa ins nördliche Tibet und für einen Abstecher nach Benarès ins südliche Indien. 

Zuletzt war ich im August 2000 in Kathmandu. Ein alte Abrechnung des Hotel Garuda und ein Eintrittsticket in die Altstadt von Bhaktapur hat mir am Sonntag den Beweis erbracht, den das Gedächtnis auf Anhieb nicht erbringen konnte. Fast 15 Jahre später liegt nun das Kathmandutal bis nach Pokhara am Fuße des Himalaya in Trümmern. Kaum ein Reiseziel hat mir mehr gebracht als Kathmandu. Vielleicht sollte ich es der Stadt zurückgeben. 


Hilfsorganisationen, die Spenden für Nepal entgegennehmen

Caritas: CCPL LU34 1111 0000 2020 0000, Stichwort "Tremblement de terre Népal / Inde"

Unicef: CCPL LU71 1111 2144 2050 0000, Stichwort "Urgence Népal"

Nepalimed: CCPL LU09 1111 2356 9481 0000, Stichwort "Tremblement de terre"

Rotes Kreuz: CCPL LU52 1111 0000 1111 0000, Stichwort "Séisme Népal"

Handicap International: CCPL LU47 1111 0014 2062 000, Stichwort "Urgence Népal"

Care: CCPL LU28 1111 2588 1923 000, Stichwort "Nepal" 


Dieses didaktisches Video zeigt bestens die Schäden an den Tempelanlagen und Kulturstätten:

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REFILE - UPDATING SECOND SENTENCE

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