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Nach Terroranschlag von Halle: Lebenslänglich für Täter
International 2 Min. 21.12.2020 Aus unserem online-Archiv

Nach Terroranschlag von Halle: Lebenslänglich für Täter

Dem Angeklagten Stephan Balliet (Mitte) werden 13 Straftaten vorgeworfen, unter anderem Mord und versuchter Mord.

Nach Terroranschlag von Halle: Lebenslänglich für Täter

Dem Angeklagten Stephan Balliet (Mitte) werden 13 Straftaten vorgeworfen, unter anderem Mord und versuchter Mord.
Foto: dpa
International 2 Min. 21.12.2020 Aus unserem online-Archiv

Nach Terroranschlag von Halle: Lebenslänglich für Täter

Der Halle-Attentäter soll für den Rest seines Lebens hinter Gitter: Der Prozess um den rechtsterroristischen Anschlag in der deutschen Stadt endet mit der Höchststrafe.

(dpa) - Im Prozess zum rechtsterroristischen Anschlag im ostdeutschen Halle ist der Angeklagte Stephan Balliet zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden.

Die Richter sprachen den 28-Jährigen am Montag in Magdeburg des zweifachen Mordes und des versuchten Mordes in weiteren zahlreichen Fällen schuldig und stellten außerdem die besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren so gut wie ausgeschlossen. Gegen das Urteil kann Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt werden.

Stephan Balliet verfasste ein aus mehreren pdf-Dokumenten bestehendes Bekennerschreiben.
Stephan Balliet verfasste ein aus mehreren pdf-Dokumenten bestehendes Bekennerschreiben.
Foto: dpa

Es sei ein „feiger Anschlag“ gewesen, sagte die Vorsitzende Richterin Ursula Mertens bei der Urteilsverkündung am Montag. Der Angeklagte habe an vielen Stellen seine Taten und Motive relativiert. Der Mann reagierte mit ausdruckslosem Gesicht auf den Urteilsspruch und begann, sich Notizen zu machen.

Angriff am höchsten jüdischen Feiertag

Am 9. Oktober 2019 hatte der heute 28-jährige Deutsche Stephan Balliet versucht, am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur die Synagoge der ostdeutschen Stadt Halle zu stürmen und ein Massaker anzurichten. 


Ein Polizeifahrzeug vor der Synagoge in Halle.
Das Manifest des Halle-Attentäters: Seitenweise purer Hass
Nach dem Attentat von Halle ist ein Manifest im Internet aufgetaucht, das Ermittler für authentisch halten und dem 27-jährigen Tatverdächtigen zuschreiben. Es ist ein extrem verstörendes Dokument.

Er warf Brand- und Sprengsätze und schoss auf die Zugangstür, gelangte aber nicht auf das Gelände. Vor der Synagoge ermordete er dann die 40 Jahre alte Passantin Jana L. und in einem nahe gelegenen Döner-Imbiss den 20-jährigen Kevin S.

Auf seiner Flucht schoss der Mann auf Polizisten, fuhr mit dem Fluchtwagen einen Schwarzen an und schoss in einem Dorf bei Halle einen Mann und eine Frau an, nachdem sie ihm ihr Auto nicht geben wollten. In einer Werkstatt erpresste der damals 27-Jährige dann ein Taxi, das die Polizei mit Hilfe des Taxifahrers orten konnte. Anschließend nahmen Polizisten ihn fest.

Am Tag danach: In diesem Dönerladen erschoss der Täter einen Mann.
Am Tag danach: In diesem Dönerladen erschoss der Täter einen Mann.
Foto: AFP/LW-Archiv

Der Angeklagte hatte die Taten gestanden und mit antisemitischen, rassistischen und antifeministischen Verschwörungstheorien begründet. Mit dem Urteil folgten Mertens und die vier weiteren Richter der Forderung von Bundesanwaltschaft und Nebenklage.

Größtes Strafverfahren in der Geschichte für Sachsen-Anhalt  

Der Prozess gilt als größtes Strafverfahren in der Geschichte des Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Aus Sicherheits- und Platzgründen hatte das OLG die Verhandlung in den größten Gerichtssaal des Bundeslandes in Magdeburg verlegt.


13.10.2019, Sachsen-Anhalt, Halle (Saale): Ismet, Mitarbeiter im Kiez Döner, legt vor dem Schnellrestaurant ein Blumengebinde nieder. Das Bündnis "Halle gegen Rechts" hatte zu einer Demonstration aufgerufen. Die Demo findet zum Gedenken an die Opfer des Anschlags auf die Synagoge in Halle statt. Bei einem Angriff eines rechtsextremen Täters vor einer Synagoge in Halle sind am 09.10.2019 zwei Menschen erschossen worden, einer davon in dem Döner-Restaurant. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Mörder aus dem Kinderzimmer: Der Synagogen-Attentäter vor Gericht
Er wollte so viele Juden töten wie möglich - ab Dienstag steht der Attentäter von Halle vor Gericht.

An 25 Prozesstagen befragte das Gericht dort insgesamt 79 Zeugen und 15 Sachverständige. 45 Überlebende und Hinterbliebene hatten sich der Nebenklage angeschlossen, sie wurden von 23 Anwälten vertreten. Allein die Schlussvorträge der Überlebenden hatten drei Prozesstage gedauert, viele hatten dabei oder zuvor im Zeugenstand selbst das Wort ergriffen. Fast alle hatten von schweren psychischen Folgen der Tat berichtet.

Anders als die Haft ist die Sicherungsverwahrung keine Strafe für ein Verbrechen. Sie soll die Allgemeinheit vor Tätern schützen, die ihre eigentliche Strafe bereits verbüßt haben, aber weiterhin als gefährlich gelten.  

Diese Tür hielt den Attentäter auf, die Einschusslöcher sind noch zu sehen.
Diese Tür hielt den Attentäter auf, die Einschusslöcher sind noch zu sehen.
Foto: AFP/LW-Archiv



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